Die Gewinner des #MyMilitaryHeritage Gewinnspiels

Die Gewinner des #MyMilitaryHeritage Gewinnspiels

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Anfang November haben wir ein Gewinnspiel im Blog und auf Social Media veranstaltet. Mit ein wenig Verspätung möchten wir euch heute gerne die drei Geschichten der Gewinner vorstellen:

Hans-Georg Keckel erzählt über seinen Großvater

Reinhold Keckel – Hans-Georgs Großvater

Auf der Suche nach Informationen zum Verbleib meines Großvaters Reinhold Keckel, von der väterlichen Seite, waren einige Aktivitäten von mir notwendig.

Als ich mich intensiv für meine Familiengeschichte, also der „Ahnenforschung“ interessierte, waren alle meine Großeltern bereits verstorben. Heute hätte ich viele Fragen, hätte die nötige Geduld zuzuhören und auch das Verständnis dieses zu Bewerten…

Aus den Feldpostbriefen meines Großvaters, Reinhold Keckel, habe ich erst einmal über die Feldpostnummer und verschiedene Internetseiten und -foren militärische Informationen und Suchhinweise bekommen. Dann habe ich über das DRK eine Suchanfrage als Enkel gestellt und dann über die WASt Angaben zu seinem Militärischen Werdegang eingeholt.

Insgesamt muss ich einschätzen, dass ich im Zusammenhang mit der Auswertung der Feldpostbriefe, den militärischen Unterlagen und aus den Erzählungen meines Vaters, ein klareres und gutes Bild meines Großvaters bekommen habe. Sein Sohn war 10 Jahre als er 1939 zum Bau des Westwalls eingezogen wurde und 1941 dann an die Ost-Front.

Reinhold Keckel, Baukolonne 19 am Westwall 1939, Ort: unbekannt.

Im Februar 1943 war er nach einem Lazarettaufenthalt das letzte mal zu Hause bei seiner Familie. Seine Frau Marie war zu diesem Zeitpunkt 41 Jahre, sein Sohn Horst 14 Jahre und seine Tochter Rosemarie 8 Jahre alt. Sie waren allein auf dem kleinen Bauernhof und ohne Hilfe musste alles lebensnotwendige selbst bewältigt werden.
Der letzte Feldpostbrief von ihm war vom 15. Juni 1944. Alle Briefe danach von seiner Frau kamen zurück und er wurde ab dem 24.06.1944 vermisst. An dieser Ungewissheit ist die Familie fast verzweifelt. Erst im August 1944 bekamen sie dann endlich Informationen. Für meine Großmutter und die Kinder gab es keine weiteren Erklärungen.

Verschollene Erklärung Reinhold Keckel 1962

Die drei mussten die Kriegswirren und die wechselnden Frontkämpfe (Guben/ Forst an der Neiße), die Flucht aus dem Dorf während der Kampfhandlungen, den Einmarsch der Russen und das große Ungewisse allein ohne Vater und nur mit der Dorfgemeinschaft, schaffen. Erst am 07. August 1962 wurde Reinhold Keckel für Tod erklärt.

Im Zuge dieser Kriegshandlungen sollen auch die Kirchenbücher von der Kirchengemeinde Strega (heute Polen) und Horno (war eine Kirchengemeide mit einem Pfarrer Hr. Press), verschollen gegangen sein. Somit kann ich für meine Ahnenforschung nur die standesamtlichen Unterlagen nutzen, welche aber erst nach 1870 vorliegen. Die polnischen Behörden teilten mir mit, dass sie keine Kirchenbücher von Strega haben. (Vielleicht kann hier jemand weiterhelfen?)

Willi Baunach erzählt über die Kriegserlebnisse seines Großvaters und Onkels

Mein Großvater Eugen Stockmann war zum Glück während des ersten Weltkrieges noch zu jung, um eingezogen zu werden. Im 2. Weltkrieg war er im besetzten Frankreich stationiert. Zeitweise war er in Bordeaux. Einmal hätte er sich fast mit seinem Sohn Karl getroffen. Es war ein großes Zelt, in dem er sich meldete, dort sagte man ihm, dass gerade ein Karl Stockmann hier gewesen sei. Er hat ihn aber nicht mehr gefunden.

Damals war es für Soldaten verboten in Briefen ihren Aufenthaltsort zu nennen. Er vereinbarte aber mit seiner Frau eine Art Code. Er setzte in richtiger Reihenfolge Punkte unter die Buchstaben, die dann zusammengesetzt den Aufenthaltsort preisgaben. So wusste seine Familie immer, wo er war.

Beim Rückzug aus Frankreich wurde er mit seiner Einheit nach Berlin verlegt zur Verteidigung der Hauptstadt. Er hatte aber einen sehr vernünftigen Kommandanten, der vor Berlin, angesichts der aussichtslosen Lage, seinen Leuten freistellte, zu gehen! Eugen besorgte sich dann Bauernkleider und lief mit einer Hacke auf dem Rücken heimwärts. Er schaffte es, unerkannt die sechshundert Km nach Hause zu kommen. Oma versteckte ihn dann längere Zeit im Haus in einem abgeschlossenem Zimmer, auch vor den Kindern.

Eugen Stockmann in Frankreich.

Einer seiner Söhne aber war neugierig und legte ein Brett vom Balkon auf das Fenster und stieg dort ein. Im Zimmer fand er seinen schlafenden Vater. Kurze Zeit später musste er dann umziehen in eine Halle hinter der Scheune. Später haben Nachbarn erzählt, sie hätten gehört, dass er dort war und ihn an seinem Husten erkannt. Sprechen durfte man darüber nicht. Das war lebensgefährlich.

Als die Amis dann unser Dorf besetzt hatten, wurde ausgerufen, alle deutschen Soldaten müssten sich melden, sonst würden sie erschossen. Sie wurden dann abtransportiert in zwei große Lager im Rheinland und Lothringen. Diese Lager bestanden nur aus einem Zaun und Erde. Er war dort 8 Wochen eingesperrt. Die erste Woche erhielten sie kaum Essen oder Trinken und es regnete wochenlang in Strömen!

Als er daheim abgeholt wurde, hatte er seiner Frau noch zugerufen, sie solle ihm eine dicke Jacke herausbringen. Sie fand aber in der Eile nur seine Hochzeitsjacke. Nur mit dieser Jacke bekleidet musste er diese Nässe überstehen. Halb verhungert und mit Stirnhöhleneiterung kam er dann nach Hause. Diese Erkrankung verschlechterte sich immer mehr und 1949 musste er ins Krankenhaus nach Würzburg. Dort haben sie ihm die Schädeldecke geöffnet und er ist gestorben.

Willi Baunach

Willi ist schon sehr jung nach Würzburg gegangen und hat dort das Bäckerhandwerk erlernt. Dort lebte und arbeitete er auch als Bäcker bis zum Krieg. Dort hatte er anscheinend Kontakt zu Gewerkschaften und Arbeiterbewegungen. Deshalb war er wohl auch ein strikter Gegner des Nationalsozialismus, im Gegensatz zu seinem Vater und Bruder!
Spätestens bei Beginn des Russlandfeldzuges musste er einrücken. Er war dann am Vormarsch bis tief nach Russland hinein beteiligt. Aus der Zeit sind einige Briefe von ihm erhalten.

Dann im Herbst 1942, standen sie wieder der roten Armee gegenüber. Was da geschah, wurde, als meine Großeltern noch lebten, oft diskutiert. Er stand mit drei Kameraden an einem abgelegenen Feld Geschützwache in der Nacht. Am nächsten Morgen waren alle vier Soldaten verschwunden. Spuren oder Geräusche von Kampfhandlungen hatte es nicht gegeben. Sie waren einfach weg!

Als Kind und Jugendlicher habe ich dann mitbekommen, wie meine Großeltern und mein Vater versucht haben, mehr über das Schicksal von Willi zu erfahren. Ich glaube, mehrere Leute von Willis Einheit waren aus unserer Gegend.
Meine Großeltern waren sehr verärgert und glaubten immer, dass ihnen nicht die Wahrheit gesagt wurde. Aber ich denke mir, die Leute die sie befragten, haben auch nicht mehr gewusst.

Mein Vater meinte, es habe zwei Möglichkeiten gegeben:
1.Die Russen haben sie überrascht und gefangen genommen.
2. Die drei Kameraden hatten die selbe politische Einstellung wie mein Onkel, also waren auch gegen den Nationalsozialismus und den Krieg und sind deshalb und auch weil sie vielleicht dachten, in Gefangenschaft eine bessere Überlebenschance zu haben, zu den Russen übergelaufen, Seitdem hat man nichts mehr von ihm gehört. Vermutlich ist er in der Kriegsgefangenschaft gestorben.

Willi Baunach – Dieses Bild haben seine Eltern nach dem Krieg den Suchdienst zur verfügung gestellt. Sie haben es 2017 zurückbekommen.

Ich kann mich noch vage an die Zeit erinnern, als die Großeltern und Eltern auf ihn warteten und die Hoffnung immer kleiner wurde. Schließlich haben sie ihn dann in den 50er Jahren, als keine Kriegsgefangenen mehr nach Hause kamen, schweren Herzens, für tot erklären lassen.

Kathrin Dohse erzählt uns über ihren Großvater

Mein Großvater Walter Dohse entschied sich für einen Kriegseinsatz in Belgien. Zwar hieß es, dass Russland sicherer sei, aber wehe dem, der in russische Kriegsgefangenschaft kam… Von den Amerikanern war bekannt, dass sie ihre Gefangenen weitaus besser behandelten als die Russen. Mein Großvater wurde in einem Lager eingesetzt. Irgendwann kam es zu der befürchteten Gefangennahme und er kam in amerikanische Gefangenschaft in Belgien und Frankreich. Wie bereits vermutet, so wurden die Kriegsgefangenen von den Amerikanern einigermaßen gut behandelt. Mein Großvater konnte in dieser Zeit von seinen Sprachkenntnissen (Englisch und Französisch) Gebrauch machen, was ihm auch noch viele Jahre später zu Gute kam: Er hat später z.B. Nachbarn geholfen, französische Briefe auf Deutsch zu übersetzen.

Als er aus der Gefangenschaft zurückkehrte, hat mein Onkel, der damals noch ein Kleinkind war, seinen Vater zuerst gar nicht wieder erkannt. Er sagte zu seiner Mutter: „Was will dieser fremde Mann hier? Der soll wieder weggehen!“ Das hat meinen Großvater natürlich sehr betroffen gemacht.
Im weiteren Verlauf seines Lebens wurde mein Großvater jedoch für die Entbehrungen und Mühen der Kriegs- und Nachkriegsjahre kompensiert: Eine Wahrsagerin hatte ihm einmal prophezeit, dass das letzte Drittel seines Lebens das beste Drittel würde. So ist es dann auch gekommen! Mein Großvater ist 92 Jahre alt geworden. Am 12. November wäre er 110 Jahre alt geworden. Er hat in diesem letzten Drittel seines Lebens einige Bücher geschrieben, unter anderem auch eines mit dem Titel „Let’s go„, das von seiner Kriegsgefangenschaft in Belgien und Frankreich handelt:

 

Vielen Dank an Hans-Georg, Willi und Kathrin, dass sie die Geschichten Ihrer Vorfahren mit uns geteilt haben. Auch ein ganz großes Dankeschön an alle anderen Teilnehmer.

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