5    Dez 20132 Kommentare

“Geschichte der Menschheit ist viel komplizierter als bisher gedacht!”

Die Stammesgeschichte des Menschen gehört zu jenen Forschungsbereichen, die in den vergangenen Jahren durch die Entwicklung neuer Techniken völlig umgekrempelt wurden. Pionier dieser Entwicklung ist der schwedische Forscher Svante Pääbo, dem es Mitte der 1980er-Jahre erstmals gelang, DNA aus ägyptischen Mumien zu extrahieren.

Künstlerische Rekonstruktion von Vertretern des Homo heidelbergensis, einer ausgestorbenen Menschenart, die vor rund 400.000 Jahren unter anderem auch im heutigen Spanien lebte. Illustration: javier trueba, madrid scientific films

Seitdem gelangen den Forschern um Pääbo, der das Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig leitet, etliche sensationelle Entdeckungen: Sie konnten unter anderem die DNA von Neandertalern rekonstruieren und entdeckten allein durch die DNA-Analyse eines 40.000 Jahre alten Fingerknochens aus Sibirien einen neuen Verwandten von Homo sapiens, den Denisova-Menschen.

Das untersuchte Objekt ist ein 400.000 Jahre alter Oberschenkelknochen, der aus der Sima de los Huesos (deutsch: Knochengrube) nahe der nordspanischen Stadt Burgos stammt. Diese Höhle wird seit gut 20 Jahren von einem spanischen Forscherteam untersucht und hat bereits für zahlreiche spektakuläre Entdeckungen gesorgt. Das Team entnahm dem Oberschenkelknochen zwei Gramm Pulver und extrahierte daraus mittels neu entwickelter Verfahren uralte DNA, die bereits stark zersetzt war.

Laut den Analysen handelt es sich bei dem Frühmenschen um einen Vertreter von Homo heidelbergensis. Diese Hominidenart entstand vor etwa 600.000 Jahren aus dem Homo erectus und entwickelte sich nach bisherigem Kenntnisstand vor etwa 200.000 Jahren zum Neandertaler weiter.

Doch diese These dürfte nun ins Schwanken kommen: Die Forscher konnten zwar zeigen, dass der nordspanische Frühmensch mit dem Denisova-Menschen verwandt ist und mit ihm vor 700.000 Jahren einen gemeinsamen Vorfahren teilte. Es fand sich aber vergleichsweise wenig Neandertaler-DNA im Erbgut. Also sind wir gespannt auf weitere Forschungen und Ergebnisse!

Kommentare (2) Trackbacks (0)
  1. Es hat mich schon immer amüsiert, zu welchen Spekulationen Menschen neigen, die sich selbst als Wissenschaftler bezeichnen. Sobald es um die menschliche Abstammung geht, gibt es eine ganze Reihe von Experten, die vorgeben zu wissen, wie es damals war.
    Dabei wissen wir nicht einmal, wie aussagekräftig das Wenige ist, was wir an Fundstücken zufällig hier und da aus dem Boden kratzen. Für Theorien, die Hunderttausende von Jahren umspannen, ist das immer noch eine sehr dürftige Basis.
    Wir werden wohl noch viele Theorien zu diesem Thema serviert bekommen. Aber vielleicht gelingt es der Genetik ja wahrhaftig, nach und nach ein Bild zu entwerfen, das den wirklichen Abläufen nahe kommt.
  2. Bei all den Wissenschaftlern und den selbsternannten Spezialisten in deren Dunstkreis geht es natürlich auch immer um eine grosse Menge Prestige. Das ist wie bei allen Spurensuchen ein Wettlauf, den jeder und jede gewinnen will.
    Mich fasziniert diese Spurensuche trotzdem, auch wenn sehr viel davon Spekulation ist.

Kommentar schreiben

Abschicken

Bitte Ihren Kommentar schreiben
Bitte geben Sie Ihren Namen ein
Bitte geben Sie Ihre Email-Adresse ein

Noch keine Trackbacks.

Über uns  |  Datenschutz  |  Weiterempfehlen  |  Support  |  Sitemap
Copyright © 2014 MyHeritage Ltd., Alle Rechte vorbehalten