Beide aus Mumbai adoptiert, nannten sie sich „Schwester“ – 30 Jahre später erfuhren sie, dass sie tatsächlich Schwestern sind
- Von corinna


Hin und wieder erreicht uns die Geschichte einer DNA-Entdeckung, die eher wie ein Filmdrehbuch klingt als wie das echte Leben. Die Geschichte von Meena und Minal ist eine dieser seltenen, fast unglaublichen Schicksalswendungen.
Beide wurden Anfang der 1980er-Jahre in Mumbai geboren und als Babys von zwei verschiedenen niederländischen Familien adoptiert. Sie wuchsen nicht weit voneinander entfernt auf, ohne zu ahnen, dass sie dieselben Eltern hatten. Und doch führte das Leben sie gegen alle Wahrscheinlichkeit immer wieder zueinander: erst als Fremde, dann als Jugendfreundinnen, die sich im Scherz „Schwester“ nannten, und schließlich, 30 Jahre später, als leibliche Schwestern, bestätigt durch MyHeritage DNA.
Das ist ihre unglaubliche Geschichte.
Anders aufwachsen
„Ich wurde 1983 in Mumbai geboren und mit vier Monaten von einem wunderbaren belgisch-niederländischen Lehrerehepaar adoptiert“, erzählt Meena Geltink.
„Als indisches Mädchen mit dunkler Haut in einem kleinen niederländischen Dorf habe ich mich immer anders gefühlt. Ich war richtig gut im Turnen, habe aber versucht, nicht zu sehr aufzufallen. Ich fiel ja schon allein dadurch auf, dass es mich gab.“
„Meine Eltern sind immer offen mit meiner Adoption umgegangen“, sagt Meena. „Wir haben sogar den 25. Oktober, den Tag, an dem ich in den Niederlanden ankam, als meinen zweiten Geburtstag gefeiert und sind gemeinsam nach Indien gereist, damit ich mehr über meine Herkunft erfahre. Trotzdem habe ich mich ohne jede Information über meine leibliche Familie oft sehr traurig und allein gefühlt.“
Minal Tijssen führte währenddessen ein ganz ähnliches Leben. „Ich wurde 1982 mit dreieinhalb Monaten von liebevollen Eltern in Made in Brabant adoptiert“, erzählt Minal. „Genau wie Meena habe ich Sport geliebt: Turnen, Feldhockey, Tennis. Aber obwohl ich eine herzliche Familie hatte, habe ich mich innerlich unglaublich einsam gefühlt. Als Kind hatte ich sogar Angst vor anderen indischen Menschen, und wenn mich jemand ansah, dachte ich: ‚Ich bin nicht wie du.‘ Ich fühlte mich wie eine Außerirdische, ohne jeden Halt in meiner eigentlichen Identität.“
„Meine Eltern erzählten mir, dass man mich in einem Korb vor einem Waisenhaus in Mumbai gefunden hatte“, sagt Minal. „42 Jahre lang war dieses kleine Detail alles, was ich über meine Herkunft wusste.“
Unglaubliche Zufälle
Lange bevor eine DNA-Datenbank die beiden zusammenbringen konnte, gab das Schicksal schon Hinweise. „Als ich 12 war, waren wir mit der Familie in Österreich campen“, erzählt Meena. „Ein Junge aus einer anderen niederländischen Familie rief mich ständig ‚Minal!‘. Ich habe ihn korrigiert, aber er blieb dabei: ‚Nein, du siehst genauso aus wie ein Mädchen namens Minal, das ich von zu Hause kenne.‘“
„Mit 14 haben mich meine Eltern zu einem Wochenendtreffen für international adoptierte Kinder geschickt“, erzählt Minal. „Ich bin mit einer Freundin hingefahren und hatte wie immer große Angst. Dort habe ich Meena kennengelernt. Beim Abendessen fiel mir auf, dass sie mich anstarrte. Zuerst war mir das unangenehm. Wer war dieses Mädchen, das aussah wie ich?“
„Dann kam sie zu mir und erzählte von ihrer Urlaubsbekanntschaft, die sie mit mir verwechselt hatte“, sagt Minal. „Es stellte sich heraus, dass der Junge in meiner Grundschulklasse war!“
„Unsere Freundinnen konnten gar nicht glauben, wie ähnlich wir uns sahen“, erzählt Meena. „Sie zogen uns beide ins Badezimmer. Wir standen nebeneinander vor dem Spiegel und trauten unseren Augen nicht. Dieselben Augen, dieselbe Nase, dasselbe Lächeln, dieselbe dunkle Haut, dieselbe Liebe zum Turnen.“
„Wir haben uns sofort verstanden“, sagt Minal. „Sechs Jahre lang haben wir uns Briefe geschrieben. Weil wir so eine seltsame, instinktive Verbindung spürten, nannten wir uns liebevoll ‚Schwester‘. Aber als wir erwachsen wurden, kam das Leben dazwischen. Damals gab es noch keine sozialen Medien, über die wir hätten in Kontakt bleiben können. 2011 hatten wir uns aus den Augen verloren. Ich dachte, unsere ‚Schwesternschaft‘ sei einfach ein schönes Märchen gewesen, das wir uns als Teenager ausgedacht hatten.“
„Wir sind beide unseren Weg gegangen und haben uns jeweils ein eigenes Leben aufgebaut“, erzählt Meena. „Ich lebte in Gemert, und Minal zog nach Frankreich.“
Auf der Suche nach Antworten
Beide Frauen versuchten unabhängig voneinander, ihre Wurzeln in Mumbai zu finden, und landeten jedes Mal in einer Sackgasse.
„2004 und noch einmal 2025 habe ich das Waisenhaus in Mumbai besucht, das in meinen Gerichtsunterlagen stand“, erzählt Minal. „Beide Male gab es keine Akten, keine Erwähnung meines Namens und keine Antworten. Die Mitarbeitenden schickten uns wieder hinaus. Ich ging mit dem Gefühl, ausgelöscht worden zu sein. Hatte es mich überhaupt gegeben? Woher kam ich?“
Auch Meena versuchte, mehr über ihre Herkunft zu erfahren. „2017 habe ich auf der Suche nach Antworten einen MyHeritage DNA-Test gemacht“, erzählt sie. „Aber Monat für Monat verging, ohne dass enge Verwandte auftauchten. Irgendwann habe ich aufgegeben, mein Passwort vergessen und die App von meinem Handy gelöscht.“
„Das ist echt … leibliche Schwestern“
Neun Jahre nach Meenas Test bekam Minal im Frühjahr 2026 endlich ein MyHeritage DNA-Testkit.
„Eines Tages saß ich in Frankreich auf meinem Sofa, als auf meinem Handy eine Benachrichtigung aufpoppte: Deine MyHeritage-Testergebnisse sind da!“, erinnert sich Minal. „Ich öffnete die App. Ganz oben auf der Liste, unter ‚Engste Familie‘, stand: ‚Sœur (Schwester): Meena, Niederlande‘.
Ich saß wie erstarrt da und zitterte. Dann stieg ich ins Auto, um meinen Sohn vom Fußballtraining abzuholen, und brach plötzlich in Tränen aus. Diese Tränen kamen von einem Ort ganz tief in mir, den ich so noch nie gespürt hatte.
Ich ging sofort auf Facebook, suchte Meena im Messenger und schickte ihr einen Screenshot ihres Profils: ‚Meena, weißt du noch, wie wir uns immer Schwestern genannt haben? Schau mal in deine MyHeritage-App … vielleicht sind wir wirklich Schwestern.‘“
„Ich war total verwirrt!“, erzählt Meena. „Ich wusste nicht einmal mehr mein Passwort. Mein Partner half mir, mich wieder in meinem alten Konto anzumelden. Er schaute sich die Centimorgan-Werte an, prüfte sie zweimal und sah dann zu mir hoch: ‚Meena … das ist echt. Ihr seid zu 100 % leibliche Schwestern.‘“
„Es ist ein unglaubliches Gefühl“
Die DNA-Daten bestätigten, was ihr Herz schon 30 Jahre zuvor vor dem Badezimmerspiegel gewusst hatte: Meena und Minal haben dieselbe leibliche Mutter und denselben leiblichen Vater.
„Mein ganzes Leben lang hatte ich das Gefühl, nirgendwo dazuzugehören“, sagt Minal. „Aber als der Test bestätigte, dass Meena meine leibliche Schwester ist, hat sich alles verändert. Endlich spürte ich: Es gibt mich. Ich lebe. Ich bin keine Außerirdische. Ich wurde wirklich geboren, denn meine Schwester kommt aus genau demselben Bauch, von genau denselben Eltern.“
„Jetzt schreiben wir uns jeden Tag und telefonieren per Video“, erzählt Meena. „Wir haben so viele gemeinsame Eigenschaften, Erinnerungen und sogar denselben Musikgeschmack. Wir waren beide als Teenager total verrückt nach den Backstreet Boys! Es ist ein unglaubliches Gefühl.“
Mitte August haben sich die beiden in den Niederlanden endlich wiedergesehen. Das bewegende Wiedersehen sehen Sie im Video:
„Wenn ich dich sehe, fühlt es sich an, als wäre ich zu Hause“, sagte Minal zu Meena.
Die unglaubliche Geschichte der beiden Schwestern hat Menschen auf der ganzen Welt bewegt. Medien wie People.com, die New York Times, CBC Radio und der Indian Express haben darüber berichtet. Wir sind Meena und Minal sehr dankbar, dass sie ihre Geschichte mit uns und der ganzen Welt teilen. Sie zeigt eindrucksvoll, wie viel ein DNA-Test für Adoptierte und alle, die nach verlorenen Verwandten suchen, verändern kann.
Haben auch Sie mit MyHeritage eine besondere Entdeckung gemacht? Sie muss nicht so spektakulär sein wie diese! Wir freuen uns, davon zu hören. Schreiben Sie uns an stories@myheritage.com.







