8    Mrz 20120 Kommentare

Internationaler Frauentag: die Geschichten unserer Nutzer

Wir hatten letzte Woche in unseren Blogs euch gebeten die faszinierenden Geschichten der Heldinnen eurer Familie mit uns zu teilen. Die Resonanz ist sehr groß gewesen und die Geschichten, die wir erhalten haben, zeigen wie die Frauen ihre Spuren in den Familien hinterlassen haben. Sie alle sind wunderbare Beispiele für die kommenden Generationen.

Clara Zetkin (links) mit Rosa Luxemburg im Jahr 1910

Bevor wir mit euch unsere drei Lieblingsgeschichten teilen, möchten wir kurz auf den Frauentag eingehen. Der Internationaler Frauentag wird weltweit von Frauenorganisationen am 8. März begangen. Er entstand in der Zeit um den Ersten Weltkrieg, im Kampf um die Gleichberechtigung und das Wahlrecht für Frauen.

Die deutsche Sozialistin Clara Zetkin schlug auf der Zweiten Internationalen Sozialistischen Frauenkonferenz am 27. August 1910 in Kopenhagen die Einführung eines internationalen Frauentages vor, ohne jedoch ein bestimmtes Datum zu favorisieren. Die Idee dazu kam aus den USA. Dort hatten Frauen der Sozialistischen Partei Amerikas (SPA) 1908 ein Nationales Frauenkomitee gegründet, welches beschloss, einen besonderen nationalen Kampftag für das Frauenstimmrecht zu initiieren. Mehr zur Geschichte des Frauentages könnt ihr auf Wikipedia weiterlesen.

Und hier unsere heutigen drei Heldinnen:


Michèle Boeckx aus Belgien schrieb über ihre Mutter und Großmutter:

Während des Zweiten Weltkrieges versteckte meine Großmutter väterlicherseits, Martha Florenz Sutter, Menschen in ihrem Keller. Darunter 13, die von den Nazis gesucht wurden, sie riskierte somit ihr Leben. Ich fand Briefe und Zeugnisse dieser mutigen Tat. Später in den 1960er Jahren wurde sie von dem Staat Israel als "Righteous Among the Nations" anerkannt. Meine Mutter, Margarette Jean Farnworth, war Engländerin. Sie zögerte nicht, sich in der Verwaltung der britischen Royal Air Force anzumelden, um für die Befreiung der besetzten Länder beizutragen. Das Leben dieser beiden Frauen war nicht einfach. Sie starben vor vielen Jahren, aber ich halte sie für immer in meinem Herzen. Dank ihnen fand ich die Kraft, meine beiden Kinder in den 70er Jahren aus einem Land mitten in der Revolution zu befreien und sie in einem friedlichen Land groß zu ziehen.

Martha Florence Sutter’s Widerstandskämpfer-Personalausweis, ca. 1940

Charlene Roose aus den USA schrieb:

Meine Mutter wuchs in einem Haushalt von 7 Kindern auf. Ihre Mutter hatte die Huntington-Krankheit und ihr Vater, der nicht mit ihr umgehen konnte, verschwand häufig für mehrere Wochen am Stück. Als sie 15 Jahre alt war zieht sie von Zuhause aus. Kurz darauf musste sie die Schule verlassen. Später hat sie ihre GED-Prüfung bestanden (ein Diplom welches man vom College erhalten kann, ohne dass man diesen besucht). Ihr Ergebnis war beeindruckend, es hatte den Wert eines zweijährigen College-Besuches. Das alles hatte sie sich selbst beigebracht. Sie zieht nach Michigan, um zu arbeiten. Nach der Pensionierung besaß sie ihr eigenes Restaurant. Im März 2010 starb sie an Alzheimer- und Darmkrebs, aber sie behandelte ihre Krankheiten mit dem gleichen Mut und Würde, die sie so wichtig für so viele Menschen in ihrem Leben gemacht hatten. Sie ist wirklich eine Heldin!

Halina aus Polen schrieb:

Meine Mutter ist eine wahre Heldin und ihre Lebensgeschichte könnte als wunderbares Drehbuch für einen Film dienen. Sie kam aus einer kleinen Stadt 30 km von Lemberg entfernt, die zu der Zeit als sie geboren wurde, ein Teil von Polen war. Als junges Mädchen traf sie einen schönen schlesischen Mann - meinen Vater. Sie heiratete ihn im Jahre 1938. Die Familie meines Vaters war gegen die Ehe und keiner von ihnen nahm an der Hochzeit meiner Eltern teil. Im Jahr 1939 als der Zweite Weltkrieg begann und mein Vater zu der deutschen Armee geschickt wurde, erkrankte ich schwer an einer Lungenentzündung. Es war genau zu der Zeit als Penicillin verfügbar wurde, aber wir hatten es nicht. Meine Mutter war sehr traurig, da sie gehört hatte, dass die Leichen der Lungenentzündungsopfer verbrannt wurden. Sie machte sich Sorgen, dass wenn ich sterben würde sie nicht einmal ein Grab für mich hätte. Aber ich habe überlebt und kam nach Schlesien. Während des Zweiten Weltkrieges mussten wir unter der deutschen Besatzung überleben, ohne die Sprache zu kennen. Mein Vater wurde von den Engländern gefangen genommen. Nach dem Krieg brachte mich meine Mutter, auf Befehl ihres Schwiegervaters, zu der Familie meines Vaters. Sie wollten mich sehen. Doch wieder einmal gaben sie ihr das Gefühl nicht besonders willkommen zu sein.

Halinas Heldin: ihre Mutter

Im Laufe der Jahre und mit der richtigen Einstellung zum Leben, bewies sie eine wertvolle Frau zu sein. Einige Jahre später, als ich 13 Jahre alt war, begann die Beziehung meiner Eltern zu wackeln und sie trennten sich. Meine Mutter war getrennt von ihrer Familie, in einem fremden Land. Sie hatte Schwierigkeiten den schlesischen Dialekt zu verstehen. Mein Vater half ihr nicht mich groß zu ziehen, sie musste alles alleine verwalten. Obwohl sie das Abitur hatte, musste sie in einem Kohlebergwerk arbeiten. Sie arbeitete hart, an einem Ort, der für Männer konzipiert wurde. Sie ging mit 60 Jahren in Rente, war aber damals schon sehr krank. Als sie 85 war, nahm ich sie bei mir auf und kümmerte mich 10 Jahre um sie - auf die gleiche Art und Weise wie sie es auch tat, als ich ein Kind war. Sie war eine wunderbare Großmutter für meine Kinder. Wir lebten in Warschau und sie verstarb friedlich im Schlaf, am 13. Januar 2010, im Alter von 95. Sie war eine große Heldin in einer gewöhnlichen, polnischen Familie.

**Wir danken euch allen für diese wundervollen Geschichten und wünschen allen Frauen der Welt einen schönen internationalen Frauentag!**

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