15    Feb 20113 Kommentare

Eine Burg in Vorpommern – die Wasserburg Osten

Wasserburg Osten

Zeichnung Uwe Niebergall

Heutzutage findet man in Vorpommern nur noch wenige Burgen, doch früher gab es sie zahlreich, obwohl die Landschaft hier flach ist. Der Besitz einer Burg oder eines festen Schlosses verband sich stets mit einem höheren Rang unter dem sesshaften Adel. Eine dieser Burgen, die Wasserburg Osten, befand sich elf Kilometer südöstlich von Demmin an der Tollense.  Sie lag strategisch günstig, denn hier überquerte die alte Land- und Handelsstraße Stralsund-Loitz-Treptow-Neubrandenburg den Fluss. Die Straße sowie der schiffbare Fluss versprachen beim Anlegen einer Zollsperre reichen Gewinn.

Erbaut wurde die Burg von einem Rittergeschlecht de Ost, denn das Siegel des Ritters Hermanus de Ost befand sich auf der Gründungsurkunde der Hansestadt Demmin aus dem Jahre 1292. Zur Burg Osten gehörten die Dörfer Schmarsow, Vanselow, Roidin und Teusin. Der Grundbesitz wurde mit 112 Landhufen angegeben, die Hufe zu zirka 30 Morgen.

In späteren Urkunden trat eine Familie von Winterfeld auf. Kurze Zeit später gab es wieder neue Eigentümer. Ritter Ludolf von Maltzan heiratete die Tochter des Henning von Winterfeld und zog auf die Burg, die um das Jahr 1330 sein Besitz wurde. Ein halbes Jahrtausend bestimmten nun die von Maltzan über das Lehen der Burg Osten. Ständig bestrebt, ihren Besitz zu vergrößern, nutzten sie oft Unstimmigkeiten der Herzöge von Mecklenburg und Pommern zu ihrem Vorteil aus. Linien dieser Familie waren überall zu finden, sie hatte Einfluss in den Fürstenhäusern und stellte sogar mit Hermann von Maltzan 1317 den Bischof von Schwerin.

1407 kam es zu einem Zerwürfnis zwischen zwei Linien der Familie Maltzan, den Osten und den Wolde. Es kam zu einer Übereinkunft und im Zuge dessen wurde ein weiteres Wohnhaus unterhalb der Burg gebaut.In dem dazu angelegten Protokoll kann man einige Hinweise zum damaligen Zustand der Burg entnehmen. Danach hatte sie einen oberen und einen unteren Wall. Zum oberen gehörte ein Fangelturm. Dieser mächtige Turm der Burg wurde von einer eigens bestellten fürstlichen Kommission auf 3000 Taler geschätzt. Weiter wurde bestimmt, dass dieser Turm beim obersten Wall bleiben soll. Fangeltürme spielten in jener Zeit eine wichtige Rolle. Rechte oder Streitigkeiten wurden im Vorfeld durch "Taten" entschieden. Dabei stand der Straßenraub an erster Stelle. Bauern, Städter oder auch verfeindete Adlige wurden erst einmal in den Turm geworfen. Damit meinte man, eine günstige Ausgangsstellung für Verhandlungen über Lösegeld zu haben.

Um beide Häuser auf der Burg auseinander zu halten, nannte man das auf dem oberen Wall "die rechte Burg", das auf dem unteren Wall "die Vorburg". Seit jener Zeit sprach man auch in den Chroniken und Urkunden von der Doppelwasserburg Osten.

Zwei Herrenhäuser standen sich nun auf der Burg Osten gegenüber, bewohnt von zwei Maltzans, die sich spinnefeind waren. So gab es beispielsweise folgende Regelung: Sollte auch nur ein Stein vom Hause des einen in den Graben fallen, durfte der auf keinen Fall vom anderen wieder verwendet werden. Solches und anderes wurde in Verträgen immer wieder neu aufgesetzt und weitergegeben.

Im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) wurde die Burg Osten von den Kroaten unter Führung von Graf Tilly überfallen, gänzlich ausgeplündert und ruiniert. Die Burg Osten hörte auf zu existieren.

Danach geriet Burgruine Osten immer mehr in Vergessenheit. Außer einigen Fischern, die ab und zu einmal vorbeischauten, war es sehr ruhig geworden im Tal der Tollense. Anfang des 20. Jahrhunderts hatte man die enge Krümmung der Tollense an der Ruine begradigt, um den Kieskähnen freies Wasser zu schaffen. Viele Steine, Felsbrocken und schwarze Eichenpfähle förderte der Dampfbagger damals ans Tageslicht: stumme Zeugen der ehemaligen Brücken, die zur Burg führten.

Im Jahr 2000 wurden die Reste der Burg Osten vermessen und in einem Bericht der Archäologischen Gesellschaft für Mecklenburg und Vorpommern veröffentlicht, nachdem Sie von Freiwilligen von Schutt und Bewuchs befreit worden war.
Darin heißt es unter anderem: "Die wenigen, vorhandenen Mauerreste, überwiegend die verbliebenen Fundamente, verraten noch zum Teil die Ausmaße dieses im Mittelalter bedeutenden Rittersitzes. Zur südlich gelegenen Hauptburg gehörte ein Fangelturm mit quadratischem Grundriß von etwa 8,5 m Breite. Östlich dieses Turmes lag das eigentliche Feste Haus (Palas), von dem noch heute Fundamente mit einer Ausdehnung von 23,5 x 9,5 m zeugen. Das nördliche Mauerwerk hat eine Stärke von 2,50 m. ... Die nördlich angrenzende Vorburg war durch die etwa 17 m breite Tollense getrennt. Auf ihr wurde um 1570 ein neues Herrenhaus mit den Ausmaßen von 35 x 12,80 m errichtet. Der anschließende Rest der 35 x 35 m großen Vorburg war mit einer Einfassungsmauer umgeben. ... Beide Burgteile waren durch eigene Brücken und Tore erreichbar."

Heute liegt die Burgruine Osten wieder in völliger Ruhe und Abgeschiedenheit, und es gibt keinen Hinweis auf diesen geschichtsträchtigen Ort an der Tollense.

Quelle: Nordkurier.de
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