Genealogische Detektivarbeit löst Raubkunstgeheimnis

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Dies ist eine Geschichte über die Ahnenforschung in ihrer besten Form. Eine Geschichte über das Zusammenbringen von Familien mit Erbstücken. Erbstücke, von denen sie nichts gewusst haben. Sie wussten nicht, dass sie ihnen gehörten oder dass diese Gegenstände überhaupt existierten.

Als Laurie Greene, 73, aus den USA, kürzlich einen Anruf von MyHeritage erhielt, konnte sie nicht glauben, was sie da hörte. Während dieses denkwürdigen Anrufs war sie mit der Nachricht überrascht worden, dass sie als lebende Nachkommin und rechtmäßige Erbin des berühmten niederländisch-jüdischen Malers Mommie Schwarz 133 Illustrationen beanspruchen dürfte, die ihrem Großonkel gestohlen wurden.

Die Hintergrundgeschichte

MyHeritage – als Unternehmen – hat in der Vergangenheit bereits geraubte Kunstwerke, die während des Zweiten Weltkriegs konfisziert wurden, an ihre rechtmäßigen Eigentümer zurückgegeben. Eine unserer treibenden Kräfte als Unternehmen ist es, Gutes zu tun, und wir legen besonderen Wert darauf, weltweit Pro-Bono-Projekte durchzuführen.

Gilad Japhet, CEO und Gründer von MyHeritage, wurde 2014 von der New York Times-Journalistin Doreen Carvajal mit einer interessanten Anfrage kontaktiert. Sie hatte sich auf eine Reise begeben, um geplünderte Kunstwerke, die von den Nazis gestohlen worden waren, ihren rechtmäßigen Besitzern zurückzugeben. Derzeit sind in 57 Museen in ganz Frankreich mehr als 2000 nicht geforderte Kunstwerke im Wert von mehreren Milliarden Euro zu sehen. Die Museen sind nicht in der Lage gewesen, Erben und rechtmäßige Eigentümer der Werke zu finden. Doreen machte sich daran, dies zu ändern, und bat Gilad um Hilfe. Er begann die Erben von vier Raubkunst-Gemälden zu erforschen. Sie begannen mit berühmten Gemälden und hatten Herkunftsnachweise, die zeigten, wer die Besitzer vor dem Zweiten Weltkrieg gewesen waren. Mit MyHeritage und anderen Online-Datenbanken konnte Gilad die Nachkommen aufspüren und die verborgenen Geschichten aufdecken.

Was als aufregende Herausforderung begann, entwickelte sich zu einem unerwarteten Abenteuer für Gilad. Er entdeckte Geschichten über Intrigen, Verschwörungen und – leider auch – Tragödien, die über Generationen hinweg durch die Familiengeschichte gezogen wurden. Er konnte für alle vier Gemälde, die er recherchiert hatte, Erben finden. Die rechtmäßigen Eigentümer haben seitdem Ansprüche bei den französischen Behörden eingereicht. Er hat dazu beigetragen, diesen Familien kostbare und äußerst wertvolle Erbstücke zurückzugeben, und er hat einen verlorenen und wichtigen Teil ihrer Familiengeschichte aufgedeckt. Die Geschichte von Doreen Carvajal kann auf der Titelseite der New York Times Art Section nachgelesen werden.

Der niederländische Museumsverband

Im Oktober 2018 veröffentlichte der niederländische Museumsverband seine Ergebnisse, um festzustellen, welche Kunstwerke in ihren Sammlungen während des Zweiten Weltkriegs vermutlich von den jüdischen ursprünglichen Besitzern gestohlen wurden. Bei der Prüfung wurden insgesamt 170 Kunstwerke entdeckt, darunter Zeichnungen, Gemälde, Skulpturen und andere Objekte.

Zu den fraglichen Kunstwerken gehörten Werke des bekannten flämischen Künstlers Eugène Joseph Verboeckhoven und dem niederländisch-jüdischen Maler Mommie Schwarz. Die Stücke werden von 42 niederländischen Museen gehalten, darunter das Amsterdam Rijksmuseum, das Stedelijk Museum und das Museum Kranenburg in Bergen.

Suche nach Nachkommen

MyHeritage hat sich für eine Pro-Bono-Initiative entschieden, um nach lebenden Nachkommen zu suchen, die rechtmäßige Erben der ursprünglichen Besitzer des gestohlenen Kunstwerks sind. Aufgrund unserer bisherigen Erfolge bei der Zusammenführung von Familien mit verlorenen Kunstwerken waren wir uns sicher, dass wir mit den niederländischen Kunstwerken ähnliche Erfolge erzielen würden.

Nachdem Gilad die Liste der 170 gestohlenen Werke gesehen hatte, blieb er die ganze Nacht auf, um sie alle zu recherchieren. Er konnte sich nicht ausruhen, bis er die Kunstwerke kartiert hatte, die das Potenzial hatten, lebende Erben zu finden, die eben einen Anspruch darauf hatten. Er fand dann die Nachkommen von Samuel (Mommie) Schwarz und übergab das Projekt dem MyHeritage-Forschungsteam.

Das MyHeritage-Forschungsteam untersuchte zunächst diese Kunstwerke mit Inschriften, bei denen der Name des ursprünglichen Inhabers bekannt war. Mit MyHeritage SuperSearch, das Millionen von Stammbäumen und Milliarden historischer Aufzeichnungen aus der ganzen Welt enthält, konnten sie nach dem Prinzip des Reverse Engineering Nachkommen der ursprünglichen Besitzer finden. Das Team setzte sich mit den Nachkommen in Verbindung, informierte sie über die Kunstwerke. Einige Nachkommen hatten keine Ahnung, dass sie mit diesem bestimmten Vorfahren verwandt waren. Die Nachkommen können nun einen Antrag stellen, um das beschlagnahmte Bildmaterial für die Familie zu erhalten.

Endlich Gerechtigkeit

Aufgrund dieses Prozesses rief das MyHeritage-Team weltweit einige Nachkommen an, darunter Laurie Greene. Der holländisch-jüdische Maler Samuel (Mommie) Schwarz war ihr Großonkel, der Bruder ihres Großvaters.

Laurie hatte in Yad Vashem Zeugenaussagen für Verwandte gemacht, die im Holocaust umkamen, einschließlich ihres Großonkels, für den sie 1995 ihr Zeugnis abgab. Dort listete sie Samuel als berühmten holländischen Künstler auf.

Mommie Schwarz wurde am 28. Juli 1876 in Zutphen in den Niederlanden geboren und heiratete 1920 die Künstlerkollegin Else Berg. Das Paar lebte in Amsterdam und reiste oft. Ihre Arbeit wird als die Bergenschule anerkannt. Mommie hat speziell viele Hafenansichten, Landschaften, Porträts und Stillleben erstellt.

Die Gemeinde Bergen besitzt von Mommie die Zeichnung „Dubrovnik“ sowie weitere 132 Skizzen und Zeichnungen. Diese Werke wurden 1969 von der Stadtverwaltung erworben, obwohl nicht klar ist, von wem sie gekauft wurden und wie Mommie den Besitz verloren hat.

Nach dem Ausbruch des Krieges versteckten sich Mommie und seine Frau in Baambrugge, beschlossen jedoch, in ihr Haus im Sarphatipark in Amsterdam zurückzukehren. Dort wurden sie am 12. November 1942 zusammengetrieben, über Westerbork direkt nach Auschwitz transportiert und bei ihrer Ankunft sofort hingerichtet. Mommie hat während des Krieges einige Werke deponiert, aber diese 133 Skizzen sind nicht dabei gewesen. Es ist daher nicht klar, wie diese Skizzen seinen Besitz verlassen haben.

Als rechtmäßiger Erbe kann Laurie jetzt alle 133 Illustrationen beanspruchen, die ihrem Großonkel gestohlen wurden.

Laurie ist sehr emotional gewesen als sie die Nachricht erhalten hat:

Ich werde mein Möglichstes tun, um diese Kunstwerke zurückzuerhalten. Ich finde es toll, dass MyHeritage aktiv und freiwillig dazu beigetragen hat, dies zu ermöglichen. Diese Kunst wieder in unsere Familie zu bringen, bedeutet nach so vielen Jahren einfach ‚Gerechtigkeit‘.

Es gibt noch viele weitere Geschichten zu entdecken, aber die Botschaft ist klar: Die Informationen sind da draußen und es liegt an uns, die Vergangenheit aufzudecken und die Geschichten unserer Vorfahren zu enträtseln!

* das Titelbild dieses Beitrags: Porträts von Mommie Schwarz. Links von seiner Frau Else Berg. Rechts ein Selbstporträt.

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