Daten besser verstehen: 5 Tipps, um Fehler zu vermeiden

Daten besser verstehen: 5 Tipps, um Fehler zu vermeiden

Dieser Post wurde von Laurence Harris geschrieben, unserem Ahnenforschungsexperten in Großbritannien.

Es ist sehr wichtig, nicht nur die wichtigsten Meilensteine unserer Ahnen zu dokumentieren, sondern auch die genauen Daten, wann jedes Ereignis stattfand.

Normalerweise gibt es mehrere Quellen, die auf ein Datum hinweisen. Zum Beispiel haben wir zumeist für den Tod eine Todesurkunde, einen Grabstein, eine Todesanzeige oder auch ein Testament. Nicht zu vergessen: Die angebenen Daten entsprechen dem Brauch eines gewissen Zeitraums, also sie können von unserem heutigen Standard abweichen. Wenn man nicht auf den genauen Kontext achtet, können Fehler die Folge sein.

Deswegen habe ich unten die 5 häufigsten Fehler aufgelistet, die auftreten, wenn man Daten falsch interpretiert, sowie Tipps, um solche Fehler zu vermeiden.

1.    Amerikanisches und Europäisches Datenformat durcheinander bringen.
„Elisabeth Green wurde am 12.11.1904 geboren“. Familienforscher in den USA werden dieses Datum als 11. Dezember 1904 lesen. Hierzulande werden wir eher 12. November 1904 daraus machen. Aber nur eine Alternative ist eben richtig. Also ist es extrem wichtig, den Kontext der Aufzeichnung zu kennen, um entscheiden zu können, ob wir hier November oder Dezember haben. Falls vorhanden, kann man sich schnell andere Transkriptionen in dem gleichen Dokument anschauen, um andere Daten zu vergleichen. Falls ihr irgendwo so etwas seht: 7.13.1925, dann könnt ihr mit Sicherheit wissen, dass es hier um das amerikanische Datensystem handelt (es gibt ihr den Monat 13 nicht). In dem Fall wäre Elisabeth Green am 11. Dezember 1904 geboren worden. Aber wenn ihr irgendwo 13.7.1904 seht, dann wisst ihr mit Sicherheit, dass Elisabeth Green am 12. November geboren wurde.
Ergo: Um Fehler zu vermeiden, sollte man stets den vollen Namen des Monats oder den abgekürzten Anfangsbuchstaben  (z.B. Nov für November) anstatt einer Zahl (z.B. 11 für November) verwenden.

2.    Fehler, weil man den julianischen Kalender nicht erkennt und nicht in den gregorianischen Kalender konvertiert hat
Der gregorianische Kalender (benannt nach Papst Gregor XIII.) entstand 1582 in Venedig und löste den julianischen Kalender ab. Der neue Kalender änderte die Regeln, die die Schaltjahre festsetzten, so dass ein Kalenderjahr eher einem Solarjahr entspricht und um die christlichen Feierlichkeiten richtig zu datieren.
Nicht alle Länder änderten die Kalender gleichzeitig. Frankreich, Spanien und Portugal haben den neuen Kalender schon früh eingeführt. Aber viele protestantische Länder haben es erst Anfang des 18. Jahrhundert akzeptiert (z.B. Großbritannien erst 1752, Schweiz 1701) und andere Länder wiederum haben den Kalender erst am Anfang des 20. Jahrhunderts angenommen (Z.B. Russland erst im Jahr 1918).

„Die Hochzeit fand heute, 7. Juli 1903 statt zwischen Szmella Kurland… und Sura Rozenbaum….“. Das ist ein Satz von einer Hochzeitsurkunde von Miechow (Polen). Also, wenn man das liest, dann weiß man, dass die Hochzeit am 7. Juli 1903 stattfand. Aber, im Jahr 1903 gehörte Miechow zu der Kielce Provinz, des Russischen Reichs, das den julianischen Kalender noch verwendete. Hilfe ist online vorhanden, da es mehrere Seiten gibt, die das Datum richtig umrechnen. Wenn man das Datum umrechnet, dann sieht man, dass die Hochzeit (im gregorianischen Kalender) am 20. Juli 1903 stattfand (also 13 Tage später).

Falls eure Ahnen aus verschieden Orten stammen, dann ist es wichtig, das gregorianische Datum konsequent zu notieren, aber das julianische Datum (wenn vorhanden) ebenfalls einzutragen.

Ein weiterer Fehler, der passieren kann, wenn man mit julianischen Daten zu tun hat, ist davon auszugehen, dass der erste Tage eines Jahres (also bei der Jahreswende) der 1. Januar ist. Oft war das nicht der Fall. Zum Beispiel in Großbritannien und in den Kolonien zwischen 1155 und 1751 fing das neue Jahr erst am 25. März an! Also in England war der Tag nach dem 31. Dezember 1749 der 1. Januar 1749. Und der Tag nach dem 24. März 1749 war der 25. März 1750.

Man kann das in dem Bild oben genau sehen. Hier haben wir die Beerdigungsliste von Norwich, Norfolk, England (auf MyHeritage verfügbar). Die Beerdigungen sind fortlaufend und zeigen richtigerweise dass Anne, Frau von James Goodbody am 27. November 1749 begraben wurde, VOR Bridget Howman, die am 12. Januar 1749 begraben wurde.
Man spricht manchmal von den Daten zwischen dem 1. Januar und dem 24. März als „doppelte Daten“, z.B. „7. Februar 1745/6“ (1745 im julianischen Kalender) und einige Familienforscher schreiben die julianischen Daten lieber in diesem Format.

3.    Sonderkalender missachten
Es sind verschiedene Kalender an verschiedenen Orten im Laufe der Jahrhunderte benutzt worden.
Z.B. von 1793 und 1805 benutzte man in Frankreich den Französischen Revolutionskalender. Der Kalender sollte keinen christlichen Bezug mehr enthalten. Jede Woche hatte 10 Tage und der 10. Tag war immer ein Tag zum Ausruhen, anstatt des Sonntags. Ein Monat hatte 3 Wochen und es gab 12 Monate im Jahr und zusätzlich einige Feiertage am Jahresende im September, so dass ein Jahr auch 365 oder 366 Tage hatte. Wie man sieht, Kontext ist auch hier sehr wichtig; wenn man eine französische Urkunde aus dieser Periode hat, dann muss man das Datum wieder umrechnen. Auch hier gibt es Hilfe, und man findet Tools online, um das Datum umzuwandeln, auch im Family Tree Builder ist das möglich.

Einige Religionen haben ebenfalls einen eigenen Kalender. Der islamische oder muslimische Kalender hat einen Mondkalender mit 12 Monaten à 29 oder 30 Tagen, so dass das Jahr nur 354 Tage hat. In diesem System versucht man nicht bestimmte Feierlichkeiten immer zu selben Zeit im Jahr zu haben. Als Folge dessen finden die muslimischen Feiertage jedes Jahr immer 11 Tage früher statt, als das Jahr zuvor, wenn man sie mit dem gregorianischen Kalender vergleicht.

Der jüdische oder hebräische Kalender ist Lunisolar. Die Monate sind mondbasiert und haben zwischen 29 und 30 Tage. Aber anders als bei dem muslimischen Kalender wird nach 2 oder 3 Jahren ein Schaltjahr hinzugefügt, so dass die Feiertage immer im gleichen Zeitraum stattfinden. Man sollte wissen, dass jeder hebräischer Kalendertag bei der Einbruch der Dunkelheit anfängt und ca. 24 Stunden andauert. Wenn ein Ereignis abends anfängt, dann benutzt man das Datum des darauffolgenden Tages.

4.    Datum des Ereignisses mit Datum der Aufzeichnung verwechseln
Sehr oft werden Ereignisse aufgezeichnet, nachdem sie tatsächlich passiert sind. Zum Beispiel muss in England eine Geburt bis zu 6 Wochen nach der Entbindung eingetragen werden. Auch die Geburtsverzeichnisse von England zwischen 1837 und 1983 wurden in Quartalen organisiert (s. Bild unten).

Demnach könnte die Geburt von Harris, Kevin M. – die in dem Register von Januar, Februar, März 1954 zu finden ist– auch schon in den letzten 6 Wochen vom Jahr 1953 stattgefunden haben. Also könnte es ein Fehler sein, davon auszugehen, dass das Register von 1954 nur Geburten von 1954 beinhaltet. Man müsste eine vollständige Geburtsurkunde beantragen, um sicher zu sein, weil nur dort das vollständige Datum angegeben wird.

5.    Glauben, dass ein Datum in einer Aufzeichnung richtig erfasst wurde.
Aufzeichnungen können Fehler enthalten. Manchmal kannte der Aufzeichner das richtige Datum nicht und das eingetragene Datum wurde eher geraten. Vor allem, wenn diese Person bei dem Ereignis nicht dabei war. Das passierte oft, z.B. bei der Erstellung einer Sterbeurkunde – in diesem Fall musste man auch das Geburtsdatum des Verstorbenen nennen und manchmal wusste die Person, die den Tod meldete, diese Information nicht so genau, so dass das Alter nur geschätzt wurde.
Manchmal wurden Informationen absichtlich gefälscht. Das passiert z.B. wenn man heiraten wollte, die Eltern dagegen waren, aber man noch nicht alt genug war, um was dagegen zu unternehmen.

Fehler sind auch passiert, weil man sich akustisch nicht verstanden hat oder weil die Information missverstanden wurde usw. Insofern ist es schon wichtig, Daten genauer zu betrachten, bevor man sie als sicher einträgt.

Zusammenfassung:
Kontext immer im Auge behalten.

Um ein Datum zu bestätigen, vor allem wenn es Fragen gibt, ob es wirklich akkurat ist, sollte man noch weitere Quellen suchen, die zu dem einen Ereignis passen.

Wenn man Daten einträgt, sollte man einheitlich arbeiten. Wenn man Daten umwandelt, sollte man das immer vormerken, damit es klar ist, wie gearbeitet wurde und nach Möglichkeit sollte man das Original als Bild hinzufügen. Das ist einfach gemacht, wenn man mit dem Stammbaum von MyHeritage arbeitet.

Habt ihr auch schon mal Schwierigkeiten mit Daten gehabt? Habt ihr weitere Tipps, die man verwenden kann, um Fehler zu vermeiden?

Bemerkungen

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  • Ronald Schmiers

    13. Januar 2015

    Das ist ein recht interessanter Artikel. Wir sind so sehr an den gregorianischen Kalender gewöhnt, das wir das manchmal vergessen zu beachten. Ausschlaggebend wird es jedenfalls dann, wenn man mehr als hundert Jahre zurück kommt und ins Ausland. –
    Was ist jedoch mit alten Datumsangaben vor dem Gregorianischen Kalender? (Adelslinien, historische Personen, Jubiläenkalender?)
    Wie behandelt man Datumsangaben VOR 1583? Einfach so lassen??? Verschiebt der Gregorianische Kalender auch den Beginn „unserer Zeitrechnung!?
    Was ist mit Datumsangaben VOR Christus? verwendet man dann den Julianischen oder den Gregorianischen Kalender??? Der Unterschied verschiebt den Beginn des Jüdisch/Hebräischen Kalenders um viele Tage!? Im „Buch der Jubiläen“ stehen viele taggenaue Datumsangaben in Jubiläen, Jahrwochen, Monaten, Tagen. Wie rechnet man diese um????
    Beispiel: „Und GOTT war der Rahel gnädig und öffnete ihren Schoß, und sie wurde schwanger und gebar einen Sohn und nannte seinen Namen Joseph, am Neumonde des 4. Monats im 6. Jahr in dieser 4. Jahrwoche des fünfundvierzigsten Jubiläums (2.134 Jahre).“ nach dem Internet-Java-Umrechnungsprogramm calendrica.html wäre das der 27 Mai 1627 vChr, wenn man den jüdischen Kalender benutzt.
    Vom historischen Kontext her ist die Lebenszeit des Jacob-Sohnes Josef nur während der Hyksos-Zeit vorstellbar. Die Ägypter waren „nationalistisch“. Ein „Ausländer“ in hohen Würden ist NUR während der Hyksos-Zeit vorstellbar. Denn die Hyksos waren „Kanaaniter“, wie Josef auch.
    – eine Jahrwoche waren 7 Mond-Jahre; ein Jubiläum sieben Jahrwochen lang. Dann folgte ein 50. (Schaltjahr) Ruhejahr von so vielen Tagen, wie nötig war, um dem Sonnenjahr gleichzuziehen.
    Die Rechnung in Jahrwochen und Jubiläen ist so kompliziert und umständlich, das nicht mal die (Ab-)Schreiber des Buches fehlerfrei zurecht kamen!!! –
    Und das versuche ich in unseren heutigen Kalender umzurechnen.

  • Ronald Schmiers

    14. Januar 2015

    Adam und Eva waren die Urmenschen schlechthin = erste Homo Sapiens. Das „Naschen vom Baum der Erkenntnis“ bedeutet einen „geistigen Sprung“, der ihnen nicht nur ihre „Nacktheit“ klarmachte, sondern auch den technologischen Fortschritt der Urmenschen bedeutete! Die Kinder dieser Urmenschen lernten Ackerbau und Viehzucht zu nutzen, waren aber bis Noah immernoch Steinzeitmenschen. Noah soll der erste Weinbauer gewesen sein (der besoffen daliegend mit verrutschter (entblösender) Kleidung von seinen Kindern gefunden wure.)
    Da die „Sintflut“ alle anderen (Ur-)Menschen vernichtet haben soll, sind alle heutigen Menschen weltweit „Kinder Noahs“, egal welcher Hautfarbe. Jeglicher Rassenhaß ist daher sinnlos!
    Die (Ur-)Enkel Noahs entwickelten verschiedene Religionen. Die sind jedoch leider alle Blödsinn, weil nur dem Zwecke der Machtdurchsetzung von Herrschaftswilligen folgend geformt.
    Egal. Denn bis heute bleiben die „Wolfsgesetze“ von „Mutter Natur“ ungebrochen am wirken. Die sogenannte „freie Marktwirtschaft“ ist nur eine moderne Fomulierung für diese Wolfsgesetze des Stärkeren. Religionen versuchten immer nur, diese Wolfsgesetze machtpolitisch zu formen, und teils zu mindern. Moderne Gesetzgebungen versuchen diese Wolfsgesetze von Mutter Natur in gesellschaftlich verträglerische Bahnen zu lenken. Doch vergeblich. Die modernen Wölfe sind die Banken (und globale Großunternehmen) und deren Beute die Politiker. Sie „fessen“ die Politiker zwar nicht wortwörtlich, versuchen aber sie zur Lockerung gesetzlicher Beschränkungen (der brutalen Wolfsgesetze des Stärkeren) zu zwingen.
    Ich bin zwar „gottlos“ erzogen worden, aber nicht „wölfisch“. Daher kann ich Sympatien für Religionen entwickeln, die Nächstenliebe und Armenfürsorge als ihr Hauptziel bezeichnen.

  • Dr. Radics Éva

    30. Januar 2015

    Ungarn schreiben zuerst die Familienname, nachher die „Vorname“. Bitte das System bei der ungarischen Version korrigieren!