Der Adel in Deutschland: Die Grafen von Berg

Der Adel in Deutschland: Die Grafen von Berg

Vor einigen Wochen haben wir über die Struktur des deutschen Adels und seine Besonderheiten berichtet. Heute wollen wir erstmals eines dieser Adelshäuser genauer unter die Lupe nehmen: den Anfang machen die Grafen von Berg.

Wer schon einmal auf der Autobahn an Solingen vorbeigefahren ist, dem wird sicherlich das Schild “Bergisches Land” aufgefallen sein. Unbedarften könnte der Gedanke kommen, dass es von nun an etwas hügeliger in der Landschaft sein wird. Das ist sicherlich richtig, doch kommt der Name ursprünglich von der ehemaligen Grafschaft, später Großherzogtum, von Berg. 

Anfangen wollen wir mit der Lage des Herzogtums und wie diese sich über die Jahrhunderte verändert hat.

Die Grafen von Berg

Herzogtum Berg

Zuallererst sei gesagt, dass das bis Ende 1813 bestehende Großherzogtum Berg vielen Veränderungen unterworfen war. Es begann etwa im 11. Jahrhundert als Grafschaft, entwickelte sich von 1380 bis 1806 als Herzogtum und bestand noch bis zum Ende in stark veränderter Form als Großherzogtum Berg. 

Grob zusammengefasst kann man sagen, dass die Regierungsbezirke Düsseldorf und Köln, sofern sie rechts des Rheins und südlich der Ruhr liegen, das historische Areal des Herzogtums abdecken. 

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Um die Anfänge des Hauses Berg zu verstehen, muss man etwas in der Geschichte zurückgehen, und zwar bis zu den ottonischen Kaisern. Unter den Ottonen gab es eine gut organisierte Reichsverwaltung, bei der die Gaugrafen, die Verwalter bestimmter Gebiete, belehnte Vasallen waren. Dies änderte sich unter den Salischen Königen und Kaisern und die Zeit der Territoral-Fürstentümer brach an. So versuchten sich auch die Pfalzgrafen der Ezzonen aus der Königsherrschaft zu befreien und ihr Gebiet zu erweitern. Dies mißfiel allerdings dem Kölner Erzbischof Anno II, der sich ihnen entgegenstellte und gewann. Da durch den Sieg eine Menge Land und Besitztümer neu zu verteilen waren (und Anno zufälligerweise der Vormund des künftigen Kaisers Heinrich IV. war) suchte Anno jemanden, der ihm ein treuer Vasall und angenehmer Nachbar war. Er fand ihn in dem Vater von Adolf I von Berg, dem ersten nachweisbaren Grafen. Ihre Burg Berge bei Altenberg gilt als der erste Stammsitz des Geschlechts.

Berg

Hier stand das ehemalige Hauptgebäude der Burg Berge.

Durch eine schlaue Heiratspolitik, die Gunst des Erzbistums Köln und auch förderliche verwandtschaftliche Beziehungen konnten die “Bergischen Grafen” ihre Territorien ungestört erweitern und waren durch ihre Fähigkeiten auch bei Hofe gern gesehene Ratgeber. 

Genealogy fun fact – die Grafen von Berg

Bis heute ist es für professionelle Genealogen und Heimatforscher schwierig, eine einheitliche Stammlinie der Grafen von Berg zu rekonstruieren. Es kommt zu Verwirrungen in der Benennung, da damals meist in offiziellen Dokumenten nur die für die Beurkundung erforderliche Titel genannt wurde. Da die “Berger” ihr Territorium aber stetig vergrößerten, war es schwierig festzustellen, wer denn nun wer ist.

Der erste Graf von Berg war Adolf I. Auch schon hier besteht Unklarheit, ab wann dieser nun Graf war. Ab 1080 gab es schon Silbermünzen, die ihn als “Adolphus Comes de Monte” betitelten, den Grafentitel führte er allerdings erst in einer Urkunde ab 1101. Durch verwandtschaftliche Beziehungen konnte schon Adolf große Gebiete hinzugewinnen. Sein “Schwieger-Onkel”, der später der Pate seines Sohnes wurde, war später Erzbischof von Köln. 

Im Jahre 1225 endete das Grafengeschlecht vom Berg im Mannesstamm und die Herrschaft ging über auf das Haus Limburg. Jedoch ging dieser Übergang nicht friedlich zu, sondern wie beim Adel üblich, mit Mord und Totschlag. Als Adolf III. von Berg beim 5. Kreuzzug starb, meldete das Haus Limburg seine Ansprüche an. Diese hatten durch Adolfs Tochter Irmgard verwandtschaftliche Beziehungen zum Hause Berg. Adolfs Bruder Engelbert, zufälligerweise der Erzbischof von Köln, befürchtete jedoch, dass die Limburger nicht beabsichtigten, dem Erzbistum treu zu sein und übernahm für einige Jahre selbst die Herrschaft über die Grafschaft. Durch seine Ermordung ebnete sich der Weg für die Limburger als Grafen von Berg. 

Engelberts Befürchtungen sollten jedoch grundlos gewesen sein, da schon Irmgards Sohn Adolf IV. die Schwester des amtierenden Kölner Erzbischofs Konrad von Hochstaden heiratete.

Konrad von Hochstaden auf einem Mosaik im Kölner Dom

Konrad von Hochstaden auf einem Mosaik im Kölner Dom

History fun fact – die Grafen von Berg

Konrad von Hochstaden war derjenige, der den Bau des Kölner Doms in Auftrag gab und auch an dessen Grundsteinlegung beteiligt war. Sein Grab ist heute noch in einem der Nebenflügel des Doms zu besichtigen. 

Doch schon eine Generation später verschlechterte sich das Verhältnis des Hauses Berg-Limburg mit dem Erzbistum bereits. Adolf V. nahm den Erzbischof gefangen und verlieh Düsseldorf nach der Schlacht von Worringen die Stadtrechte. 

Auch die Herrschaft der Grafen von Limburg-Berg sollte nicht von Dauer sein und in ähnlicher Art und Weise wechseln wie schon zuvor. Margarete, die Schwester des letzten kinderlosen Grafen aus dem Hause Limburg-Berg,  Adolf VI., hatte den  Jülicher Grafen Gerhard geheiratet, in dessen Besitz die Grafschaft nun überging. Deren Sohn Wilhelm erhielt 1380 die Herzogswürde verliehen, wodurch die ehemalige Grafschaft nun ein Herzogtum wurde. 

Schon vier Generationen später zeichnete sich ein erneuter Wechsel der Herrschaft ab. Der letzte Graf von Jülich-Berg, Wilhelm III., hatte keine Söhne, sondern nur eine Tochter, die mit dem jüngsten Sohn des Herzogs von Kleve verheiratet wurde. Dadurch entstand eine Union der Herzogtümer Kleve, Jülich und Berg, deren erster Herzog Johann (genannt der Friedfertige) von Jülich-Kleve und Berg wurde. Doch auch dieses Herrscherhaus blieb nur drei Generationen im Besitz des Herzogtums Berg. Trotz aller Versuche, das Aussterben seines Hauses zu vermeiden, starb Johann Wilhelm von Jülich-Kleve-Berg kinderlos und das Erbe ging an das Haus der Wittelsbacher. Philipp Ludwig von Wittelsbach war verheiratet mit der Schwester von Johann Wilhelm und konnte sich durch schnelles Handeln seine Erbansprüche sichern.

Herzog Philipp Ludwig von Pfalz-Neuburg um 1595

Herzog Philipp Ludwig von Pfalz-Neuburg um 1595

Die Wittelsbacher blieben im Besitz des Herzogtums, bis Napoleon es 1806 an seinen Schwager, den französischen Prinzen Joachim Murat, übertrug. Schon wenige Jahre später fielen die meisten Landesteile des Herzogtums mit dem Artikel XXIV aus der Hauptakte des Wiener Kongresses, dem Königreich Preußen zu. 

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