Die Geschichte unserer Nachnamen – Der Müller

Die Geschichte unserer Nachnamen – Der Müller

Vor einigen Wochen haben wir Euch hier auf MyHeritage eine kurze Geschichte zu den Familiennamen und deren Herkunft erzählt. Mit diesem Artikel wollen wir eine Reihe starten, in der wir etwas genauer die häufigsten Familiennamen Deutschlands beleuchten und auf deren Herkunft und verschiedenste Schreibweisen eingehen wollen.

Noch einmal kurz zur geschichtlichen Auffrischung: Die Familiennamen haben sich in Deutschland, je nach Region, zwischen dem 13. und 15. Jahrhundert aus den Beinamen entwickelt. In dichter besiedelten Regionen etwas eher, da man hier ja schneller die Unterscheidung brauchte, welchen Johann man nun meinte, Johann den Schmied oder Johann den Müller.

Der häufigste Nachname in Deutschland ist, wie man sich schon fast denken kann, der Müller, lateinisch Molitor. Er gehört zu den Berufsnamen und es wird geschätzt, dass ca. 700.000 Menschen diesen Familiennamen tragen. Die Chance, das jeder Deutsche zumindest einen Bekannten hat, der Müller heißt, ist also sehr hoch. Auch wenn dieser Familienname in Deutschland mit Abstand den 1. Platz belegt, so rangiert er doch weltweit gerade einmal im unteren Bereich der Top 500.

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Etwa zur gleichen Zeit wie sich die Nachnamen entwickelten, erfuhr auch der Beruf des Müllers einen steilen Zuwachs. Die von den Römern eingeführte Mühlentechnik, die sich erst ausschließlich auf Handmühlen oder die von Zugtieren angetriebene Technik beschränkte, entwickelte sich zur Zeit der Karolinger immer weiter zur Mühle, die mit Wasserkraft angetrieben wurde. Die uns heute geläufigen Mühlen, die mit Windkraft betrieben werden und die maßgeblich unser Bild des Müllers prägten, entwickelten sich vor allem im Nordwesten Deutschlands um das 15. und 16. Jahrhundert.

Ein Bauer mahlt Weizen von Hand auf einem Mühlstein – Deutschland im 16. Jahrhundert

Ein Bauer mahlt Weizen von Hand auf einem Mühlstein – Deutschland im 16. Jahrhundert

Im Mittelalter wurden die Mühlen größtenteils vom Adel und Klerus betrieben und deren Vasallen wurde verboten, ihre eigenen (Hand)Mühlen zu benutzen. Es musste eine Abgabe auf das zu mahlende Mehl gezahlt werden und somit waren die Mühlen eine stetige Einnahmequelle für deren Besitzer. Viele Ortschaften bildeten sich um solche herrschaftlichen Mühlen herum, wie z.B. der kleine Ort Waldmühlen im Gebiet Limburg.

Auch wenn der Müller ein essentielles Mitglied einer jeden Dorfgemeinschaft war, galt ihr Gewerbe jedoch als “anrüchig” und “ehrlos”, da ihnen häufig Betrügereien bei der Vergabe des geschroteten Korns nachgesagt wurden. Gegen Ende des Mittelalters wurde jedoch in den Reichsgesetzen ausdrücklich erklärt, dass der Müller ein ehrbarer Beruf sei.

Wenn man nun einen Müller im Stammbaum hat, so ist die erste Vermutung natürlich, dass der Vorfahre etwas mit der Verarbeitung von Getreide zu tun hatte. Dies ist in vielen Fällen sicherlich richtig, jedoch sollte man sich vergegenwärtigen, dass die Mühlentechnik gerade solcher mit Wasserkraft betriebener Mühlen, auch durchaus dazu benutzt wurde, andere Materialien als Korn zu bearbeiten. So gab es z.B. die Walkmühlen, die dazu benutzt wurden, verschiedene Stoffe und Gewebe zu verdichten oder die Lohmühlen, die eng mit der Gerberei verflochten waren, da sie die erforderlichen Gerbstoffe herstellten.

Auch die Schneidmühlen dienten einem völlig anderen Zweck als dem Mahlen von Korn, nämlich der Weiterverarbeitung von Holz. Müller dieser Kategorie heirateten oft in Zimmermannsfamilien ein, also lohnt sich hier im Stammbaum auch ein kleiner Blick über den Tellerrand hinaus.

Auch ist es wichtig in Erfahrung zu bringen, ob der Müller seine Mühle besaß oder diese nur pachtete. Die sogenannten Erbmüller waren oft wohlhabende Familien, und da die Mühle meist ausschließlich vom Vater auf den Sohn vererbt wurde, kann sich hier oft ein jahrhundertealter nachvollziehbarer Stammbaum verbergen. Die Pachtmüller hingegen waren quasi nur “Mieter” einer Mühle und das auch nur für den Zeitraum des Mietvertrages. Fand sich danach jemand, der bereit war, eine höhere Pacht zu zahlen, fiel die Nutzung dieser Mühle an ihn.

Nun hat der Name Müller zahlreiche Varianten und Unterkategorien, was u.a. dadurch zu erklären ist, dass es in einem Dorf oder einer Gemeinde nicht immer nur einen Müller gab. Man unterschied diese entweder durch Regionsbezeichnungen wie Ober- und Untermüller, die Angabe des Wohnortes wie bei Birkenmüller oder Teichmüller oder auch manchmal einfach über die Bezeichnung was für eine Art Müller der Gemeinte nun war: Hammermüller oder Windmüller. War die Gemeinde hingegen etwas kreativer, so entwickelten sich auch Familiennamen wie Oelschläger oder Brettschneider, die ebenfalls auf eine Art Müller zurückgehen.

Vielleicht hat Ihnen auch schon eine gewisse Unlust befallen, wenn Sie den Familiennamen Müller unter Ihren Ahnen gefunden haben. Wir hoffen, dass wir mit diesem Artikel ein wenig aufzeigen konnten, welch faszinierende Geschichten sich auch hinter Deutschlands Familiennamen Nummer 1 verbergen können.

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