Deutsche Auswanderung, Teil 3 – Auf in den Osten!

Deutsche Auswanderung, Teil 3 – Auf in den Osten!

In den letzten beiden Blogpost haben wir die Wege der deutschen Auswanderer in die USA und auf die südliche Halbkugel, nach Südamerika und Australien, verfolgt. Heute wollen wir uns den Weg der Deutschen in den Osten ansehen, hauptsächlich die Ansiedlung in Ungarn, Russland und Siebenbürgen.

Für einige mag es eine Überraschung sein, aber im 18. und noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts, spielte Osteuropa eine größere Rolle für Auswanderer als die USA. Den 100.000 deutschen Auswanderern im 19. Jahrhundert in die USA stand bspw. das Fünffache an Menschen gegenüber, die es eher in den Südosten Europas zog.

Um den Auswandererstrom in den Osten zu verstehen, muss man allerdings noch ein paar Jahrzehnte in die Vergangenheit gehen. Nachdem die österreichischen Habsburger im Frieden von Karlowitz von 1699 die Vorherrschaft auf dem Balkan erlangt hatten, machten Sie sich schon bald daran, die fast menschenleeren Gebiete zu besiedeln. Eine richtige Kolonisation wurde allerdings erst nach dem Siebenjährigen Krieg unter der Habsburgerin Maria Theresia durchgeführt. Hier wurde besonders um Zuwanderer aus dem deutschen Südwesten geworben.

Bereits im Jahre 1711 wurden Siedler aus Rheinland-Pfalz in der Batschka (einem Gebiet zwischen Ungarn und Serbien) angesiedelt, nachdem das habsburgische Erbkönigtum in Ungarn anerkannt wurde. Mit Genehmigung des Kaisers begannen daraufhin ungarische und serbische Herrscher im deutschen Reich für die Besiedlung ihrer Gebiete zu werben. Graf Alexander Karolyi und seine Nachkommen warben über die Jahrzehnte gezielt Menschen aus dem Königreich Württemberg an. Diese Volksgruppe wurde bis zum ersten Weltkrieg noch als Ungarländische Deutsche bezeichnet. Danach benutzte die Weimarer Republik den Begriff, der noch heute für diese Gruppe von Auswanderern benutzt wurde und der den meisten Familienforschern zumindest ein Begriff sein sollte: die Donauschwaben.

Als Donauschwaben wurden später mehrere Volksgruppen zusammengefasst: die Ungarndeutschen, die Jugoslawiendeutschen Vojvodina und die Rumäniendeutschen aus dem Banat.

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Ein weiterer Begriff aus der Auswandererforschung, der meist neben den Donauschwaben genannt wird, sind die Russlanddeutschen, um die es im nächsten Abschnitt gehen soll.

Die Geschichte der deutschen Auswanderung nach Russland lässt sich sogar noch weiter zurückverfolgen. Lange vor dem Einladungsmanifest der Zarin Katharina der Grossen, siedelten Deutsche im russischen Reich.

Zarin Katharina die Grosse

Zarin Katharina die Grosse

Schon zu Beginn der norddeutschen Hanse gab es ein Kontor in Nowgorod. Diese Stadtrepublik stand für das souverän regierte Russland, im Gegensatz zu anderen Teilen des Landes, die von den Mongolen als der “Goldenen Horde” regiert wurden. Nachdem das deutsche Hansekontor zwar von Iwan III. aufgelöst wurde, warb dieser allerdings weiterhin deutsche Kaufleute an, die sich in seiner Hauptstadt Moskau niederlassen sollten. Einige Jahrzehnte später ließ der Zar Alexej Michajlowitsch alle Westeuropäer in eine Ausländer-Vorstadt umsiedeln, die man daraufhin deutsche Vorstadt nannte. Zar Peter I. erbaute St. Petersburg, wo fortan die meisten der angeworbenen Fachkräfte leben sollten.

Nachdem es seiner Schwieger-Urenkelin, Katharina der Grossen, gelungen war, die nördliche Schwarzmeerküste für Russland zu erobern, intensivierte sie ihre Werbung für ausländische Siedler. Ihnen sollten u. a. Religionsfreiheit, ca. 30 Hektar Land und 30 Jahre Steuerfreiheit garantiert werden. Durch die wirtschaftlichen Folgen des siebenjährigen Krieges fühlten sich viele Menschen von diesem Angebot angezogen und traten die Reise an. Der Haken an der ganzen Sache war jedoch, das Klima und Geographie völlig anders waren, als die Auswanderer es aus ihrer deutschen Heimat gewohnt waren und dass sie sich ihre 30 Hektar nicht selbst aussuchen durften. Die beiden Hauptsiedlungsgebiete waren das Wolgagebiet, weswegen die hier Ansässigen auch “Wolgadeutsche” genannt wurden, und das von Katharina eroberte nördliche Schwarzmeergebiet, weswegen man sie auch die Schwarzmeerdeutschen nannte.

Schon vor dem ersten Weltkrieg breitete sich eine antideutsche Stimmung im Land aus, die zum einen auf eine als “Germanisierung” bezeichnete Entwicklung, zum anderen aber auch auf den Neid auf den Wohlstand vieler Russlanddeutscher zurückzuführen ist.

Wie in vielen Gebieten, in denen deutsche Auswanderer eine neue Heimat gefunden hatten, wuchsen die antideutschen Bestrebungen und Anfeindungen während der beiden Weltkriege an. Russlanddeutsche wurden oft als “innere Feinde” und Verräter angesehen und viele Gesetze, die in diesen Zeiten erlassen wurden, hatten zum Ziel die Deutschstämmigen zu enteignen und zu vertreiben. Viele deportierte Familien siedelten in Sibirien und Kasachstan und durften nicht mehr in ihren ehemaligen Siedlungsgebieten leben. Viele der Familien siedelten ab den 1960er Jahren wieder nach Deutschland um.

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Damit endet unsere kleine Reise durch die Auswanderungsgebiete der Deutschen vorerst. Wie hat Ihnen unsere Reihe gefallen? Und über welches Auswanderungsland würden Sie gern noch mehr erfahren? Schreiben Sie es uns in die Kommentare.

Bemerkungen

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  • FR

    Frank-Michael Rommert

    8. April 2022

    Der Artikel leitet ein mit: „Heute wollen wir uns den Weg der Deutschen in den Osten ansehen, hauptsächlich die Ansiedlung in Ungarn, Russland und Siebenbürgen.“ Doch über Siebenbürgen kommen dann keinerlei Informationen. Schade.

  • KP

    Karl-Heinz Pohl, Rüsselsheim am Main, Hessen, Deutschland

    8. April 2022

    Hallo,
    Ihr Bericht zur Aussiedelungen in den Osten (Russland, Ungarn, Serbien) ist ja interessant, aber es fehlt die ganz wichtige Aussiedlung nach Siebenbürgen, die schon vor 850 Jahren – vom ungarischen König beschlossen – aus den moselfränkischen, luxemburgischen und flanderischen Gebieten erfolgte. Der Exodus der Siebenbürgen Sachsen aus dem heutigen Rumänien, zudem Siebenbürgen seit 1918 gehört (vorher Österreich-Ungarn) gehört, erfolgte erst nach dem Sturz des kommunistischen Regimes 1989. In Siebenbürgen lebten bis 1945 ca. 360.000 Abkömmlinge der deutschstämmige Siedler. Derzeit sind es noch ca. 20.000 Personen. Der rumänische Staatspräsident Johannis ist auch Siebenbürger Sachse.
    Mit freundlichen Grüßen
    Karl-Heinz Pohl

  • H

    HeikenRaudies

    8. April 2022

    Ich würde mich freuen, wenn so ein Bericht über die Deutschen in Ostpreußen erscheinen würde.

  • EB

    Eleonore Baumann

    12. April 2022

    Ich schließe mich dem Kommentar von Herrn Rommert an. Die Siebenbürger Sachsen (die übrigens bei weitem nicht alle Sachsen waren/sind) müssen unbedingt erwähnt werden mit ihren deutschen Städten und Dörfern mit ehemals deutschen Namen (Hermannstadt, Klausenburg…) und ihren Kirchenburgen zur Verteidigung gegen die türkische Invasion. Hermannstadt (heute Sibiu) war auch schon europäische Kulturhauptstadt und wurde daher herausgeputzt im Gegensatz zu anderen siebenbürgischen Kulturgütern, die seit dem Ende des 2. Weltkriegs eher dem Verfall preisgegeben sind.