Martinstag und Karneval

Martinstag und Karneval

Auch am 11. November haben wir in Deutschland einen Tag, der vielerorts aus ganz unterschiedlichen Beweggründen gefeiert wird. In den jecken Hochburgen Deutschlands wird der Beginn der Karnevalszeit gefeiert und wer Kinder im Kindergarten- und Grundschulalter hat, weiß, dass um den 11.11. herum die Martinszüge abgehalten werden.

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Das Bild wurde mit MyHeritage in Color koloriert.

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Wenden wir uns zuerst dem Heiligen zu. Wer ist dieser heilige Martin, den wir an diesem Tag feiern?

Geboren wurde er zu Beginn des 4. Jahrhunderts in der römischen Provinz Pannonien, dem heutigen Ungarn, als Sohn eines Militärtribuns. Im Alter von ca. 35 Jahren wurde er vom Bischof von Poitiers getauft und gründete wenige Jahre später das erste Kloster des Abendlandes, die Abtei de Ligugé. Bis heute berühmt ist Martin allerdings durch die Legenden, die sich um ihn ranken und die sich in unserem Brauchtum niedergeschlagen haben.

Als kleines genealogisches Schmankerl sei hier noch genannt, das es Behauptungen gibt das St. Martin der Großonkel eines anderen, uns allen bekannten, Heiligen war: dem St. Patrick von Irland.

Der Martinszug, der von vielen Schulen und Kindergärten organisiert wird, hat seinen Ursprung in der legendären Mantelteilung. Martin begegnete in einer Winternacht am Stadttor von Amiens, einer Stadt im Norden Frankreichs, einem armen Mann. Aus Barmherzigkeit teilte er mit seinem Schwert seinen Mantel und gab dem Bettler eine Hälfte. In einem Traum, den Martin in dieser Nacht hatte, offenbarte sich der Bettler als Jesus selbst. Martins Mantel, der auf lateinisch “cappa” genannt wird, ist außerdem der Namenspatron für den heutigen Begriff der Kapelle. Der Merowingerkönig Chlodwig erhob Martin zum Schutzheiligen seiner Dynastie und seinen Mantel zur Reichsreliquie. Die Räume, in denen diese aufbewahrt wurde, bezeichnete man als Kapelle und die die Reliquie begleitenden Geistlichen als “Kapellane” (heute Kaplane). Heute ist Martin der Nationalheilige von Frankreich und der Slowakei sowie der Schutzpatron der Reisenden, Armen, Bettler und Reiter.

Doch nicht nur die Mantelteilung gehört fest zu jedem Martinszug. Auch der Laternenumzug gehört dazu. Dieser Brauch geht zurück auf die Bestattung des Heiligen. Martins Leichnam wurde mit einer großen Lichterprozession begleitet, woran die Laternen, die im Vorfeld von vielen Kindern im Kindergarten oder Schulunterricht gebastelt werden, heute erinnern sollen.

1898: Der heilige Martin teilt seinen Mantel mit einem Bettler

1898: Der heilige Martin teilt seinen Mantel mit einem Bettler

Eine letzte Legende, die nur wenige kennen, ist der Ursprung der Martinsgans. Es gibt einige davon, die versuchen das Brauchtum im Nachhinein zu erklären, ohne das man wirklich weiß, woher es stammt. Zum einen erzählt man sich, dass, als Martin von den Bürgern Tours zum Bischof ernannt werden sollte, er sich dieser Ehre für nicht würdig hielt und sich in einem Gänsestall versteckte. Die eigentlichen Bewohner des Stalls machten jedoch einen solchen Lärm, dass Martin gefunden und geweiht werden konnte. Zum anderen sagt man, das eine Schar Gänse in die Kirche watschelte und mit ihrem Geschnatter Martins Predigt störte, woraufhin diese dann gefangen und verspeist wurden.
Eine andere, allerdings weitaus langweiligere Erklärung könnte sein, das in früherer Zeit am Tag nach St. Martin der Advent, und damit eine 40-tägige Fastenzeit bis Weihnachten anbrach. Die Martinsgans war eine gute Gelegenheit, noch einmal zu schlemmen.

Apropos Fastenzeit: Auch die zweite Bedeutung des 11. November hat entfernt damit zu tun, denn hier startet in den Karnevals-Hochburgen an diesem Tag die neue Narren-Saison. Um genau 11:11 Uhr beginnen hier die ersten Feiern. Die 11 geht hier auf eine alte Bedeutung zurück, denn die Zahl steht im Christentum zwischen der 10 der “10 Gebote” und der 12, der Anzahl der Jünger Jesu. Sie wird als die Zahl der Sünde und der Narren angesehen.

Die Wurzeln des Karnevals liegen in heidnischen Volksfesten, die den Übergang vom Winter zum Frühling symbolisieren sollten. Man aß, was noch von der Winterzeit übrig war, bevor die Lebensmittel vor dem Fasten verdarben und trug Kostüme und Masken, um die Wintergeister zu verjagen. Eine andere Erklärung sieht den Ursprung des Karnevals im antiken Griechenland in einem Fest, das dem Gott des Weines, Dionysus, gewidmet war. Dieser fuhr einem Schiffskarren in die Stadt ein, den man “Carrus Navalis” nannte, eine Erklärung für das Wort Karneval.

Die katholische Kirche versuchte lange, die heidnischen Festivitäten des Karnevals zu verhindern, war sie doch gegen die Begierden, die das Fest in den Menschen auslöste. Da das aber nicht möglich war, setzte sie das Fest als erzieherische Maßnahme an den Beginn der 40-tägigen Fastenzeit vor Ostern. Die Menschen sollten bei dem ausgelassenen Treiben lernen was es bedeuten würde, wenn anstatt Gott der Teufel auf der Erde herrschen würde. Hieraus erschließt sich noch eine andere Bedeutung des Wortes Karneval, die man mit “Carne Vale”, was aus dem lateinischen grob übersetzt “Auf Wiedersehen Fleisch” bedeuten würde, und den Beginn der Fastenzeit am Aschermittwoch symbolisiert. Auch das im Osten und Süden gebräuchlichere “Fasching” kommt vom Wort “Fastenschank” und meint hier den letzten Ausschank alkoholischer Getränke vor der Fastenzeit.

Ein schönes Familienbild von ca. 1955, das auch mit MyHeritage in Color koloriert wurde.

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Da Karneval an die Fastenzeit und somit auch an das Osterfest gekoppelt ist, sind diese Feiertage sehr variabel im Kalender. Nach der christlichen Osterformel ist Ostersonntag der erste Sonntag nach dem ersten Vollmond nach Frühlingsanfang. Der Rosenmontag, der höchste “Feiertag” im Straßenkarneval, kann somit frühestens auf den 2. Februar, spätestens auf den 8. März fallen.

Langeweile in der Fastenzeit? Kolorieren Sie doch ein paar ihrer alten Karnevalsbilder mit MyHeritage in Color.

In diesem Sinne: Helau, Alaaf und einen frohen St. Martinstag!