Nach 70 Jahren – Jess findet den Bruder ihres Großvaters wieder!

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Dieser Beitrag ist eine Übersetzung aus unserem englischsprachigen Blog. Er wurde von meiner Kollegin Jessica Katz geschrieben. Viel Spaß beim Lesen!

Vor einem Jahr hat sich mein ganzes Leben verändert. Ich habe eine Familienentdeckung gemacht, von der wir nie geglaubt haben, dass sie passieren würde. Ich habe den Bruder meines Großvaters, den wir im Holocaust verloren haben, wieder gefunden.

Mein Opa war mein Held. Ich habe ihn schon immer sehr geschätzt. Ich habe viele Erinnerungen an ihn, die in meine Seele geätzt sind, und ich trage sie überall mit mir. Ich erinnere mich daran, mit ihm Fahrrad zu fahren, wie wir über magische rote Kühe gescherzt haben und ich mir so gerne seine Geschichte über „Flopsy, Mopsy und Cottontail“ angehört habe. Ich erinnere mich aber auch sehr gut an die blau tätowierten Zahlen an seinem Arm.

Mein Großvater und Ich

„Opa, warum hast du diese Zahlen am Arm?“
„Ich war im Holocaust.“
„Was ist ein Holocaust?“
„Böse Menschen haben meine Mutter, meinen Vater und meine Schwester getötet, und ich habe meinen Bruder verloren.“
„Warum?“
„Weil wir Juden waren.“
„Wie hast du deinen Bruder verloren?“
„Er ist während des Krieges nach Russland geflohen und ich habe ihn nie wieder gesehen. Ich habe viele Jahre lang überall nach ihm gesucht, aber ich weiß nicht, was mit ihm passiert ist. “

Mein Opa hat während dieser Unterhaltungen immer seine Tränen verborgen, aber als ich älter wurde, öffnete er sich immer mehr und seine 90-jährigen eisblauen Augen schluchzten, als ob er wieder ein junger Mann war, und den Horror zum ersten Mal erlebte.

Das Tattoo (Auschwitz), das mein Opa am Arm hatte.

Mein Opa verbrachte sein Leben damit, seinen Bruder zu suchen. Er wuchs in Piotrków Trybunalski in Polen auf. Seine Eltern waren Idel und Malka Ruchel Belzycki, er hatte eine Schwester – Gitel – und einen Bruder – Chaim. Alle drei Geschwister waren in ihren 20er als der Krieg begann und sie hatten unterschiedliche Schicksale.

Chaim entkam 1939 aus dem Ghetto Piotrków Trybunalski und ging nach Russland. 1941 starb die Schwester meines Großvaters an Tuberkulose und 1942 wurden die Eltern meines Großvaters im Nazi-Todeslager Treblinka deportiert und ermordet.

Mein Opa wurde während des Holocaust in verschiedene Konzentrationslager geschickt, darunter Auschwitz und Mauthausen. Er litt enorm, aber irgendwie schaffte er es lebendig da raus zu kommen und machte es zu seinem Lebenswerk, seinen Bruder zu finden. Alles, was er jemals wollte, war, sich mit seinem Bruder wieder zu vereinen und zu wissen, was mit ihm geschehen war.

Wir haben Kisten mit Briefen in meinem Haus, gefüllt mit unserer Suche nach Chaim. Jedes Jahr erhielten wir eine Antwort, dass Chaim nicht gefunden wurde und dass er den Krieg höchstwahrscheinlich nicht überlebt hatte.

Letztes Jahr habe ich die Suche übernommen. Ich benutzte soziale Medien und das Internet, um so viel wie möglich über Chaim zu lernen. Nach nur 10 Tagen Online-Suche fand ich Evgeny, den Sohn des Bruders meines Großvaters!

Ich erhielt eine lebensverändernde E-Mail in meinem Posteingang. Eine Frau erzählte mir, dass sie meinen Beitrag über Chaim gelesen hatte und dass sie glaubt, dass sie auf der Insel Sakhalin in Russland einen von Chaims Söhnen gefunden hat. Dieser Mann, Evgeny, sagte, dass alle Details, die ich veröffentlicht habe, mit denen seines Vaters übereinstimmten. Wir wollten an jenem Abend mit Evgeny skypen und bereit sein, ihm Fragen zu stellen, die nur Chaims Sohn wissen würde.

Meine Mutter, meine drei Schwestern und ich drängten uns um das Bett meiner Mutter und warteten darauf, dass Evgeny auf Skype online kam.

„Hallo, Jessica! Ich werde nicht über die Gefühle schreiben, die ich gerade habe, da sie unbeschreiblich sind. Im Moment schicke ich dir nur ein Foto meines Vaters. Sehen Sie irgendwelche Ähnlichkeiten?“

Mein Opa (links) und sein Bruder Chaim (rechts).

Er schickte ein Bild von seinem Vater und meine Mutter schrie und fiel auf den Boden. Chaim war meinem Großvater wie aus dem Gesicht geschnitten. Sie brach in Tränen aus. Es war ihr Traum, ein Bild von ihrem Onkel zu sehen, und sie konnte nicht glauben, dass sie mit ihrem Cousin 1. Grades sprach.

„Wir sind alle so glücklich und weinen!“

Evgeny, „Ich habe auch Tränen in den Augen und einen Klumpen im Hals.“

Wir haben am nächsten Morgen eine Zeit für einen Videochat vereinbart. Es war eine schlaflose Nacht. Wie kannst du in der Nacht, bevor du deine lang verlorene Familie kennenlernen wirst, nur schlafen? Am nächsten Morgen sprachen wir zwei Stunden lang und tauschten Tränen, Lachen, Fotos und Geschichten aus.

Seit wir uns gefunden haben, ist kein Tag vergangen, an dem wir trotz der Sprachbarriere nicht miteinander gesprochen haben. Dank Google Translate!

Evgeny und ich bauten auf MyHeritage Stammbäume auf, damit wir uns gegenseitig zeigen konnten, wer in unseren Familien war. Wir hatten beide viel zu lernen und hatten viele neue Verwandte zu treffen! MyHeritage war für uns ein so wichtiges Werkzeug, da wir unsere Stammbäume in unseren eigenen Sprachen teilen konnten, damit jeder von uns verstehen konnte, welche Beziehungen es gab.

Ein paar Monate nach unserer Entdeckung kamen Evgenys Tochter Yulia und seine Enkelin Anna aus Russland, um uns in New Jersey zu besuchen. Wir haben uns sofort auf Anhieb verstanden. Ich denke, man kann sagen, dass es in unserer DNA liegt.

Evgeny, Yulia und Anna

Obwohl wir uns kaum kannten, fühlten wir uns sofort wie Familienmitglieder und teilten den gleichen Humor. Einige Monate später trafen wir Evgeny zum ersten Mal.

In der Sekunde, als meine Mutter ihn auf dem Flughafen sah, rannte sie weinend in seinen Armen. Sie schluchzen zusammen mit vollen und gebrochenen Herzen.

Das Finden von einander war der glücklichste Moment in unserem Leben, aber es war auch der traurigste.

Leider starben mein Opa und sein Bruder Chaim viele Jahre bevor wir uns fanden. Beide lebten ihr ganzes Leben lang auf der Suche nach einander, ohne zu wissen, dass der andere noch lebte. Sie lebten in parallelen Welten und wussten es nicht, aber hofften immer, dass eines Tages sie einander finden würden.

Obwohl ihr Traum während ihrer Lebenszeit nicht wahr geworden war, hat sich ihr Traum durch ihre Kinder und Enkelkinder erfüllt. Obwohl vieles gegen uns war, fanden wir nach über 70 Jahren unsere Familie, die wir im Holocaust verloren haben, wieder.

Im vergangenen Jahr sind wir Evgeny und seiner Familie sehr nahe gekommen.

Evgeny und Ich

Es ist mit gebrochenem Herzen, dass ich hier schreibe, dass Evgeny vor ein paar Monaten von uns gegangen ist. Ich bin so dankbar, dass ich ein Jahr hatte, um ihn wirklich kennen zulernen und zu lieben. Es war schockierend, ihn zu finden und jetzt schockierend, ihn zu verlieren.

Sein Tod macht es für uns noch wichtiger, unsere Familienzusammenhalt am Leben zu erhalten, besonders für zukünftige Generationen. Die Liebe, die mein Opa uns allen gab, führte uns dazu, seinen Bruder zu finden und die Lücke zu schließen, die meine Familie seit Jahrzehnten hatte. Unser Leben wurde für immer verändert.

Diese Entdeckung hat nicht nur mein Leben, sondern auch meine Karriere verändert. Ich bin so stolz darauf, für MyHeritage zu arbeiten, ein Unternehmen, das Familien hilft, mehr über ihre Familiengeschichte zu entdecken, neue Verwandte zu finden und mehr über ihre DNA und ihre Herkunft zu erfahren.

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