(Fast) Ausgestorbene Berufe: Schuhmacherhandwerk

(Fast) Ausgestorbene Berufe: Schuhmacherhandwerk

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Früher haben die Menschen ihre Schuhe fast ein Leben lang getragen. Sie wurden als geschätztes und teures Eigentum betrachtet. Oft wurden Schuhe dem Schuster gebracht, in der Hoffnung, dass sie Ihren alten Glanz wieder herstellen könnten.

Heutzutage, obwohl traditionelle Schuster noch existieren, sind sie sehr selten geworden. Wie viele andere Handwerker schließen auch die Schuster ihre Türen. Schuhe sind seit vielen Jahren Teil einer Massenproduktion und sind bei geringen Kosten leicht austauschbar.

Nichtsdestotrotz wecken der Geruch von echtem Leder und die handwerkliche Qualität noch in vielen von uns Erinnerungen und führen uns zurück in eine andere Zeit. Eine Zeit, in der die Liebe zum Detail, Einzigartigkeit und Qualität groß geschrieben wurden. Aber leider sieht es so aus, als ob der Beruf „Schuster“ bald ausgestorben sein könnte.

Bildquelle: Soletopia.com

Vor Tausenden von Jahren hat der Mensch Tierhaut um die Füße verwendet, um sie zu schützen, und so ist das Konzept von Schuhen entstanden. Aber Schuhe helfen nicht nur, die Füße zu schützen, sondern sie helfen den Menschen, mit Temperaturschwankungen umzugehen und ermöglichen  ihnen, sich frei zu bewegen.

Untersuchungen zufolge wurde eine Schwächung der Kleinzehenknochen bereits vor 40,000 Jahren in menschlichen Fossilien gefunden, was als Beweis gilt, dass Schuhe schon damals existierten.

Es gibt Grund zu der Annahme, dass Handwerker bereits zu dieser Zeit entstanden und anfingen, Schuhwerk zu erstellen und reparieren. Schuster werden von ihren Kunden seit Jahrhunderten hochgeschätzt und für ihre harte Arbeit und Engagement anerkannt.

Der bisher weltweit älteste Lederschuh wurde 2010 in einer armenischen Höhle gefunden. Er war gut erhalten, da er mit Schafmist bedeckt war. Wissenschaftler gehen davon aus, dass der Schuh 5500 Jahre alt ist. Es ist ein Stück aus Rindsleder mit Schnürung an den Nähten an der Vorder- und Rückseite, mit einem Lederband gebunden.

Reste von alten Schuhen sind auch woanders entdeckt worden und sie helfen, mehr Licht in Kulturen und Sitten von vergangenen Zeiten zu bringen. In Mexiko zum Beispiel kann man Statuen aus der Olmeken-Ära (5000 V.C.) mit speziellen Schuhen sehen.

Vor drei Jahrhunderten gehörten Schuster wie auch andere Handwerker wie Schmiede, Zimmerleute und Schneider zu den niedrigsten sozialen Klassen. In Spanien zum Beispiel wurde angenommen, dass Arbeiter, die mit ihren bloßen Händen arbeiteten, ihren sozialen Status verlieren. Deswegen wurden solche Berufe gemieden. 1783 musste der König von Spanien eine königliche Verordnung erteilen, um zu versichern, dass Handwerker wie Schmiede, Schneider, Schuster und Tischler ehrlich und ehrenhaft sind.

Königlicher Erlass – Bildquelle: Google Books

Wie bei anderem Kunsthandwerk wurde auch das Schuhhandwerk vom Vater zu Sohn weitergegeben. Auch junge Auszubildende wurden gerne in die Werkstatt geholt, um zu helfen und gleichzeitig den Beruf zu erlernen.

Das Schuhhandwerk wurde in der Mitte des 18. Jahrhunderts kommerzialisierter. Gewerberäume wurden geschaffen, um vorgefertigte Schuhe unterzubringen, die in verschiedenen Regionen verkauft wurden. Am Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Schuhmacherei von einer traditionellen Handarbeit in eine industrialisierte Produktion umgewandelt.

Heute sind viele der Werkzeuge und Techniken der Vergangenheit verschwunden und durch neuen Produktionsmethoden ersetzt worden. Es ist nicht besonders verwunderlich, dass die modernen Schuhe weniger haltbar und auch so entworfen sind, um nach begrenzter Zeit wieder ausgetauscht zu werden.

Also, wenn ihr euch dafür entscheidet, euren örtlichen Schuster zu engagieren und seinen erfahrenen Händen zu vertrauen, dann habt ihr die Gewissheit, dass ihr ein Handwerk mit einer reichen Geschichte unterstützt, die fast so alt ist, wie die menschliche Geschichte selbst.

Könnt ihr euch noch an die alten Schuster erinnern?

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  • Timo


    5. November 2015

    Meine Vorfahren waren Schuster und Schuhmachermeister, nachweisbar bis ins 16. Jahrhundert. Letzter lebender Schuhmacher der Familie ist mein Großvater mit 89 Jahren.

  • Manuela Guenther


    5. November 2015

    Als Kind kann ich mich an einen Schuster in unserer Kleinstadt erinnern. Mein Vater hatte ein paar Lederschuhe von ihm. Die wurden jeden Morgen mit Schucreme plitze blank geputz. Der ganze Schuh war aus Leder, die Brandsohle, das innenfutter und die Sohle. Der Schuh duftet so gut und ich schnupperte gerne an dem Leder. Am Absatz und an den Spitzen war die Sohle mit halbrunden Eisen beschlagen, damit sie sich nicht so schnell ablaufen. Der Schuh wurde einmal im Jahr zum Schumacher gebracht und nachgesehen, die Eisen ersetzt, der Absatz gerichtet und einmal wurde eine Naht an der „Zunge“, das ist das Teil welche sich zwichen den Schuhbändern befindet,
    neu vernäht. Die Schuhe haben meinem Vater bis zu seinem Ableben bekleidet. Der Schuster hatte leider keinen Nachfolger und sein Laden gibt es heute nicht mehr. Er ist verschwunden wie auch einst die Tante Emma Läden.

  • Briesen


    5. November 2015

    Wehe Sie hätten einen Schuhmacher „Schuster“ genannt!

  • Olaf Mensch


    6. November 2015

    Schuster oder Schuhmacher? Haben Sie mal etwas von einem Schustermeister gehört? Die …macher sind allesamt gelernte Handwerker, die früher sogar noch Lehrgeld an die Lehrmeister zahlten. Der Schuster hingegen ’schustert‘ etwas zusammen.
    Das kann alles mögliche sein, auch ein Artikel über ein sehr ehrenwertes Handwerk…

  • Elfriede


    7. November 2015

    Mein Vater war Schuhmachermeister bis 1975

    Mein Großvater väterlicherseits und mein Großvater mütterlicherseits waren auch Schuhmacher.

  • Bertram Krenz


    7. November 2015

    Unter der Rubrik (fast) ausgestorbene Berufe möchte ich die meines Großvaters hinzu fügen. Der war in Lodz Tuchscherer -und Appreteurmeister.So etwas dürfte es heute nicht mehr geben
    Bertram

  • Karl – Heinz Zollondz


    10. November 2015

    Servus alle miteinander,
    ein Freund dem ich natürlich auch schon Schuhe gemacht habe,
    hat mir diesen schönen Artikel geschickt.
    Vielen Dank, liebe Karen!
    Ja, es gibt sie noch, die Schuhmachermeister!
    Aber trennt die Spreu vom Weizen!!!

    Seit über 30 Jahren, mache ich die Fußbekleidung nach Mass und
    Techniken wie sie schon vor langer, langer Zeit üblich waren.
    Mit Pech, (gutes Pech ist nicht mehr vorhanden… und ein Schuhmacher, der kein Pech hat, hat Pech…)
    und Schweinsborsten mache ich meinen Pechdraht zum
    Nähen… usw.

    Es ist etwas Besonderes und hat natürlich auch seinen besonderen Preis!

    Willkommen in der Welt, die es noch gibt, man/frau muss sie nur
    suchen wollen.

    Mit schönen Grüßen
    aus der Welt des Staunens
    Maßschuhmachermeister
    K.-H. Zollondz

  • Christina


    30. Juli 2016

    Meine Vorfahren waren Schuhmacher und auch mein Sohn ist Massschuhmacher mit ausgezeichnetem Erfolg. Er macht auch Massinnenenschuhe für Schifahrer (es sind auch einige namhafte Weltcup Schiläufer dabei) und ist vollkommen ausgelastet. Auch gibt es immer mehr Menschen die handgefertigte Schuhe aus ungiftigen Ledern der Massenware vorziehen. Ich glaube der Beruf ist wieder im Kommen. Unser Geschäft besteht schon 116 Jahre. LG christina