10    Mrz 2011Ein Kommentar

In Westerkappeln liegt Geschichte versteckt in der Erde

Ein schöner Bauplatz“, sagt Wilfried Schneider. Er steht auf einem Grundstück, auf dem  hinter ihm ein Bagger bei strahlendem Sonnenschein seine Schaufel ins Erdreich gräbt. Hier wird allerdings nicht ausgeschachtet, sondern nach Spuren frühzeitlicher Besiedlung gesucht. Die Archäologen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) sind im Einsatz.

Der Bagger trägt den Mutterboden ab, denn unter dieser Schicht könnten die Wissenschaftler auf Reste von bronzezeitlichen Grabanlagen stoßen, die bei zurückliegenden Grabungskampagnen zuhauf entdeckt wurden. „Es ist zu erwarten, dass wir wieder etwas finden“, erklärt Grabungstechniker Wilfried Schneider. Das aktuelle Grabungsgebiet ist  700 Quadratmeter groß, für die Untersuchung sind vier Wochen veranschlagt.

Ein paar Scherben haben die Mitarbeiter des LWL bereits entdeckt. Die stammen aber nicht aus einer Zeit weit vor Christi Geburt, sondern sind höchstens 400 Jahre alt, „Die sind wohl mit dem Dung aufgebracht worden“, vermutet Schneider.

Unter der Muttererde stoßen die Forscher auf eine Bodenschicht, wo sie die Umrisse von über 2500 Jahre alten Gräbern zu finden hoffen. Dann graben sie gegebenenfalls noch etwas tiefer, weil Urnen oder Grabbeigaben in dem lehmigen Untergrund liegen könnten.

So entdeckte Schneiders Team vor zwei Jahren unter einem Tongefäß ein Rasiermesser aus der Spätbronzezeit. „Das war schon ein herausragender Fund“, betont der Archäologe.

Mindestens ebenso spektakulär und unerwartet war 2009 die Entdeckung eines steinzeitlichen Werkplatzes ganz in der Nähe der jetzigen Ausgrabungsfläche. Dort hatten Menschen, die damals noch als Jäger und Sammler durch die Gegend streiften, Pfeilspitzen und Messer hergestellt. 5200 Klingen und dazu passende Abschläge - vom kleinsten Splitter bis zum zwölf  Zentimeter langen Stück - wurden aus 48 Kubikmeter Sand gewaschen. „Sicher hat da noch mehr gelegen“, glaubt Schneider. Es sei damals aber nicht mehr Boden durchgesiebt worden.

Aufgrund der Streuung der Abschläge geht der Experte davon aus, dass es mindestens zwei Schlagplätze gab. Ob unsere Urahnen dort über einen längeren Zeitraum Flintsteine bearbeitet haben oder nur einen Sommer an der Stelle saßen, lässt sich nicht mehr sagen, wohl aber ziemlich exakt zeitlich einordnen: um 9650 vor Christus muss das gewesen sein. Am Übergang des Endpaläolithikums zur Mittelsteinzeit gab es einen großen Vulkanausbruch. Die Asche ist noch heute in der Erde als Schicht zu erkennen. Darüber lagen die Pfeilspitzen und der dazu passende Abfall.

Etwa 6000 Jahre später wurden die Menschen in der Gegend als Bauern und Viehzüchter sesshaft. Aus dieser Epoche stammen Gräberspuren der sogenannten Trichterbecherkultur, die ebenfalls im dieser Gegend entdeckt wurden.

Die jüngsten Gräber - wie das mit dem Rasiermesser - wurden am Übergang der Bronze- zur Eisenzeit (circa 800 bis 500 v. Chr.) angelegt. Über die Menschen weiß man auch nicht viel. Es gibt keine schriftlichen Überlieferungen. „Selbst die Griechen hätten nur berichtet, dass es nördlich der Alpen noch etwas gab“, erzählt Schneider.

So viel weiß die Forschung: Es waren germanische Stämme, die ein Gebiet vom heutigen Holland, Nordfriesland und Südskandinavien bis hinunter in den Kasseler Raum und die Soester Börde dünn besiedelten. Östlich davon lebten slawische Völker, südlich die Kelten.

Die Gräber sind oft die einzigen Hinterlassenschaften. Jede Bestattung bringt für die Wissenschaft ein wenig mehr Licht in die dunkle Vergangenheit. „Westerkappeln bleibt eine interessante Geschichte“, meint Wilfried Schneider.

Quelle: BBV Bild: Flickr

Kommentare (1) Trackbacks (0)
  1. Wir wfcnschen dir ganz viel Spadf!!Mach ordentlich Fotos und komm gnseud wieder!Wir freuen uns deine stfcndlichen Berichte in den ne4chsten Wochen lesen zu kf6nnen Viel Vergnfcgen im Hello Kitty Land!

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