Von der Provence bis zum Rhein: Wie mir MyHeritage half, die zwei Seiten meiner Identität zu entdecken
- Von corinna


Die meiste Zeit meiner 82 Jahre war ich überzeugt, genau zu wissen, wer ich bin. Ich bin lebensfroh, gesellig, ein wenig bohemienhaft – ganz eindeutig „südländisch“. Die Familie meines Vaters stammt aus Marseille und der Provence, und meine dunklen Haare sowie meine mediterranen Gesichtszüge schienen diese Herkunft ohne Zweifel zu bestätigen.
Und doch gab es neben dieser Wärme schon immer eine andere Seite in mir. Eine Liebe zu Genauigkeit und Disziplin. Ein Bedürfnis nach Ordnung. Das Auge einer Perfektionistin für Qualität. Ich wusste nie so recht, woher dieser Teil kam … bis mein Stammbaum begann, mir leise Antworten zu geben.
Einer unerwarteten Spur folgen
Ich wandte mich ohne große Erwartungen an MyHeritage. Ich wollte einfach meinen Stammbaum auf der Seite meiner Mutter vervollständigen und ein paar fehlende Namen ergänzen. Als ich weiter zurückging, kam ich zu meiner Großmutter mütterlicherseits, die aus dem Elsass stammte – einer Region, in der französische und deutsche Einflüsse nebeneinander existieren, in der Nachnamen, Dialekte und Traditionen oft sprachübergreifend sind.
Und dann ging die Spur weiter.
Ihre Mutter stammte aus Deutschland.
Es gab keine Familienarchive oder erhaltenen Dokumente, die mir den Weg wiesen. Stattdessen kamen die Entdeckungen nach und nach durch die Smart Matches™ von MyHeritage: Hinweise zum Überprüfen, Verbindungen, die andere hergestellt hatten. Ein Name führte zum nächsten. Mütter, Väter, Geschwister tauchten auf. Und ehe ich es richtig bemerkte, entstand vor meinen Augen ein ganzes deutsches Familiennetzwerk.
Was ich für eine einfache Aufgabe gehalten hatte, öffnete plötzlich eine Tür.
Erkennen – und ein Gefühl der Unruhe
Zuerst empfand ich Freude. Ich habe an Menschen immer Genauigkeit und Disziplin geschätzt und an Dingen Robustheit und Qualität. Seit 1985 fahre ich einen Mercedes – und plötzlich fühlte sich diese langjährige Vorliebe weniger zufällig an. Auch meine Leichtigkeit im Deutschen in der Schule fiel mir wieder ein. Könnte diese Begabung eher vererbt als erlernt gewesen sein?
Doch diese Freude blieb nicht ohne Schatten.
Die Entdeckung deutscher Wurzeln warf unweigerlich schwierige Fragen zur Geschichte auf. Ich fragte mich, welche politischen Ansichten meine Vorfahren in den dunkelsten Jahren des 20. Jahrhunderts hatten. Gab es unter ihnen Nationalsozialisten? Und wenn ja – handelten sie aus Überzeugung oder aus Angst, wie so viele andere? Vielleicht werde ich darauf nie Antworten finden.
Mich selbst klarer sehen
Als sich diese Erkenntnisse setzten, begann ich über meine eigenen Gegensätze nachzudenken.
Nach außen bin ich fröhlich, extrovertiert und bohemienhaft – ganz eine Frau des Südens. Diese Seite fühlt sich vollkommen natürlich an, geprägt von meinen provenzalischen Wurzeln. Auch äußerlich ähnele ich ihnen: brünett, mediterran, unverkennbar südlich.
Doch da ist auch meine disziplinierte Seite. Ich bin organisiert, präzise und stelle hohe Ansprüche an mich selbst. Heute erkenne ich darin ein Erbe von jenseits des Rheins.
Mein Bruder trug dieses Erbe noch sichtbarer in sich. Blond, mit hellen Augen, war er ebenfalls sehr gut in Deutsch und wirkte viel mehr wie ein Mann des Nordens als ich. Dieselbe Herkunft – aber unterschiedlich in uns beiden ausgeprägt.
Die Vergangenheit im Kleinen spüren
Manche Verbindungen zeigen sich in den kleinsten Dingen. In Frankreich sind Eierstecher fast unbekannt. In Deutschland gehören sie in jede Küche. Ich bestellte mir einen – hergestellt in Deutschland, versendet aus Deutschland – damit meine Eier perfekt gelingen.
Es ist ein alltäglicher Gegenstand, aber er bringt mich zum Lächeln. Eine leise Erinnerung daran, dass sich Herkunft nicht immer laut zeigt. Manchmal schleicht sie sich in den Alltag ein und prägt unsere Gewohnheiten und Vorlieben – lange bevor wir wissen, warum.
Durch MyHeritage habe ich Zusammenhänge erkannt. Ich verstehe jetzt, dass ich aus mehr als einer Herkunft bestehe: der Wärme der Provence und der Disziplin Deutschlands – Seite an Seite.
Endlich ergeben beide Seiten meines Wesens gemeinsam Sinn.
Vielen Dank an Mireille Brunel, dass sie diese unglaubliche Geschichte mit uns geteilt hat. Wenn auch Sie eine besondere Entdeckung mit MyHeritage gemacht haben, würden wir uns sehr freuen, davon zu hören! Senden Sie uns Ihre Geschichte über dieses Formular oder per E-Mail an stories@myheritage.com.





