Sprachen: Um so mehr, desto besser!

Sprachen: Um so mehr, desto besser!

Von_ Schelly Talalay Dardashti, US Ahnenforschungsexpertin bei
MyHeritage.com

Oft klagen Ahnenforscher aus anderen Ländern, dass ihre Vorfahren ihre Muttersprache nicht an ihre Nachkommen weitergegeben haben.

Während die Kinder der Einwanderer meist fließend in diesen Sprachen kommunizieren konnten – also die erste Generation – haben sie diese Sprachen nur selten weitergegeben an ihre eigenen Kinder oder Enkel – so dass sie mit der Zeit verloren gegangen sind.

Vor Jahren, als ich mich mit Kyrillisch quälen musste, um Aufzeichnung aus Belarus zu verstehen, habe ich oft gewünscht, meine Urgroßeltern hätten uns ihre Russisch- und Jiddischkenntnisse weitergegeben. Russisch schien an dem Tag zu verschwinden, als die Familie ihren Fuß auf die Straßen von New York setzten, während Jiddisch noch ihren Kindern beigebracht wurde. Ihre Enkelkinder konnten nur ein paar Sätze davon verstehen, aber nicht mehr sprechen – und nur selten konnten sie es lesen. Die nächste Generation wusste hingegen nichts mehr über diese Sprache.

Wie viel einfacher es gewesen wäre, wenn ich beide Sprachen fließend von meinen Eltern und Großeltern gelernt hätte! Ich habe zwar fließend Farsi gelernt, als wir im Iran gelebt haben und ich merke, wie schwierig es ist, eine Sprache zu behalten. Unsere Tochter ging in die Schule mit dieser Sprache, sie war daran gewöhnt, darin zu lesen und schreiben, versteht es fast fließend, aber weigert sich, es zu sprechen.

Jetzt, durch die Forschung eines Wissenschaftlers, lernen wir, dass es zwei Hauptgründe gibt, warum Menschen ihre Herkunftssprache an ihre Kinder weitergeben sollten.

Eines davon liegt auf der Hand, mindestens für Familienforscher:

1. Es verbindet Kinder und ihre Vorfahren.
2. Die Forschung zeigt, dass die Zweisprachigkeit gut ist. Es macht das Gehirn stärker, da es als Gehirnübung gilt.

Zweisprachigkeit ist ein klarer Vorteil – und wir gehen davon aus, dass der gleiche Vorteil gilt, wenn man dreisprachig oder mehr ist – wie in diesem Artikel der New York Times „The Bilingual Advantage“ erklärt wird:

„Eine kognitive Neurowissenschaftlerin, Dr. Ellen Bialystok, 62, hat fast 40 Jahre damit verbracht zu untersuchen, wie die Zweisprachigkeit den Geist schärft. Ihre gute Nachricht: Neben anderen Vorteilen, die die regelmäßige Verwendung von zwei Sprachen hat, scheint sie den Ausbruch der Symptome von Alzheimer zu verzögern.“

Bialystok ist eine angesehene Forschungsprofessorin für Psychologie an der York University (Toronto, Kanada) und erhielt von ein paar Jahren den mit $ 100.000 dotierten Killam-Preis für ihre Beiträge zu den Sozialwissenschaften.

Hier ist ein Auzug aus ihrem Interview, aber um zu verstehen, wie Technologie dazu beigetragen hat, die Forschung durchzuführen, lest am besten den kompletten Artikel.

„ F: Wie funktioniert das. Verstehen Sie das?

A. Ja. Es gibt ein System in unserem Gehirn, die leitende Steuerung. Es ist wie ein Geschäftsführer. Seine Aufgabe ist es zu garantieren, dass wir uns auf das konzentrieren, was relevant ist und Ablenkungen missachten. Diese Steuerung macht es möglich, dass wir gleichzeitig zwei verschiedenen Dinge im Kopf behalten und zwischen ihnen wechseln, je nach Notwendigkeit.

Wenn man zwei Sprachen spricht und sie regelmäßig verwendet, passiert folgendes: jedes Mal, wenn man spricht, tauchen beide Sprachen in Gehirn auf und die leitende Steuerung muss alles sortieren und entscheiden, was in dem Moment relevant ist oder nicht. Daher verwenden die Zweisprachigen dieses System mehr, und die regelmäßige Verwendung dieses Systems macht es effizienter.“

Ist ein paar Brocken des Schulfranzösischs genug? „Nein“, sagt Bialystok. Man muss „beide Sprachen die ganze Zeit“ verwenden. „Sie werden nicht von der Zweisprachigkeit profitieren, wenn sie nur gelegentlich zum Einsatz kommt.“

Zweisprachigkeit hilft auch bei Multitasking. Bialystocks Team fragte sich: „Sind Zweisprachige besser im Multitasking?“

Sie setzen einsprachige und zweisprachige Teilnehmer in einen Fahrsimulator und gaben ihnen – über Kopfhörer – extra Aufgaben. Als die Aufgaben verteilt wurden, fuhren alle schlechter. Aber die Zweisprachigen schnitten besser ab als die anderen, da sie daran gewöhnt sind, sich auf zwei Probleme gleichzeitig zu konzentrieren. Allerdings empfehlen die Forscher weiterhin nicht, dass Sie gleichzeitig telefonieren und fahren. 

Bilinguale Menschen scheinen Probleme schneller zu lösen als monolinguale. Scheinbar verwenden sie eine andere Art von Netzwerk, um Probleme zu lösen, sagt Bialystok: „Ihr ganzes Gehirn scheint wegen der Zweisprachigkeit neu verdrahtet zu sein.“

In den USA – bis in die 1960er Jahre – wurde Eltern empfohlen, mit ihren Kindern nicht in ihrer Muttersprache zu sprechen, um sie nicht zu verwirren. Das wurde widerlegt und die Zweisprachigkeit ist nicht mehr ein negativer Punkt. Ganz im Gegenteil.

Und was ist mit den heutigen Migranten?

Bialystok sagt, dass sie oft gefragt wird, ob Migranten ihren Kindern ihre Muttersprache beibringen sollten. Was sie antwortet: „Sie sitzen auf einem wahren Geschenk.“

Seid ihr zweisprachig erzogen worden? Welche Sprachen sprecht ihr? Hat es euch irgendwie geholfen? Oder auch nicht? Wir sind sehr daran interessiert, eure Erfahrungen zu lesen!

Bemerkungen

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  • Marion Pena-Escobar

    22. Juli 2015

    Ich bin zwar nicht zweisprachig aufgewachsen, habe aber 3 Sprachen in der Schule dazu gelernt, aus Spass an der Sache – English, Russisch und Tschechisch. Jetzt lebe ich 3-sprachig in dem USA, Deutsch als meine Muttersprache, Englisch weil man es koennen muss und Spanisch durch meinen Ehemann. Unser Enkelkind hat es schwer, man spricht mit ihm English, Deutsch, Spanisch und Italienisch (durch seinen Vater). Dieser „arme“ Enkel versteht aber alle Sprachen, spricht aber noch in Keiner. Er ist 2 Jahre und fast 3 Monate und seine Sprache ist noch ein ziemlicher Kauderwelsch, ein paar gaengige Woerter ausgeschlossen. Wir werden weiter versuchen, ihm diese 4 Sprachen beizubringen und warten gespannt auf ein erstes Ergebnis.

  • Carmen

    24. Juli 2015

    Vielen Dank fuer deinen Artikel.
    Liebe Karen ich kann Dir nur zustimmen! Meine Kinder sind deutschsprachig und mein Mann spricht Franz. wir wohnen in England und somit sind meine kinder „trilingual“ ohne probleme.
    Das geheimniss ist dass eine person nur eine sparche mit dem kind spricht, bis das kleine 2 jahre alt ist und dann ist die sprache festgelegt. Mich interressiert was und wie du mit deinen Kinder erfahrungen machst. Hoffe du kannst mir einige linien schreiben. Danke
    Gruss Carmen

  • Christa

    26. Juli 2015

    Liebe Karen,
    ich lebe in Mexiko, und meine Kinder wuchsen zweisprachig auf, ich kann oben Gesagtes nur bestätigen!
    Meistens sprechen die Mütter, wenn sie Kultur u/o Sprachraum wechseln weiterhin ihre Sprache mit ihren Kindern, Männer in der Regel nicht. Nicht umsonst heisst es „Muttersprache“… und das nicht nur auf deutsch.
    Viele liebe Grüsse, Christa