So ist das mit den deutschen Namen!

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Dies ist ein Gastbeitrag von James M. Beidler, der die Werke „The Family Tree German Genealogy Guide“ und „Trace Your German Roots Online“ verfasst hat. Er schreibt in der Wochenzeitung die Kolumne „Roots & Branches“, gibt Unterricht für die Online-Stammbaum-Universität und bearbeitet die Zeitschrift der Mid-Atlantic germanischen Gesellschaft „Der Kurier“. James M. Beidler ist seit mehr als zehn Jahren Kolumnist für die deutsche Zeitschrift „Life“.

Man sagt, dass Namen für Genealogen wie ein „Lager im Handel“ sind. Zudem hat der Bestand an Namen eine bestimmte „Signatur“, wenn es um die Erforschung deutscher Namen geht.

Wie bei vielen Aspekten der deutschen Genealogie, variiert die Namensgebung zwischen der ersten Welle der Einwanderung nach Amerika (die bis zum Unabhängigkeitskrieg dauerte) und der zweiten (von 1800 bis zum Ersten Weltkrieg).

Seitdem es Kirchenbuchaufzeichnungen gibt (in der Regel beginnend in den 1500er Jahren) und bis zum Ende der ersten Welle, wurden die meisten deutschen Kinder mit zwei Vornamen getauft. Jungs trugen als ersten Namen fast immer den Namen Johann oder Hans, während Mädchen in der Regel Anna oder Maria hießen. Diese gemeinsamen Vornamen wurden oft in den Taufaufzeichnungen aufgefasst und die Person verwendete meistens ihren mittleren Namen – den Rufnamen.

Ausgenommen davon war der männliche Name Johannes, der in der Regel als einziger Name verwendet wurde. Gleiches gilt für den weiblichen Doppelnamen Anna Maria.

Was den Rufnamen angeht, da gibt es in den deutschen Bundesländern einige Unterschiede zwischen Katholiken und Protestanten. Katholiken haben oft die Namen der Kinder auf Heilige beschränkt – sogar kuriose Namen wie St. Gudula, deren Name in einigen rheinischen Pfarreien populär wurde – während die Protestanten oft alttestamentliche Namen nutzten. Auch ist es erwähnenswert, dass viele Aufzeichnungen nicht nur den „Präfixnamen“ von Johann, Hans, Anna oder Maria weg gelassen haben, sondern nur eine verkürzte Form des Rufnamens aufzeichneten. Da diese verkürzte Form oft durch das Abschneiden der ersten Silbe des Namens erreicht wurde, sind diese Spitznamen oft nicht intuitiv mit ihren ursprünglichen Formen verbunden, zum Beispiel: Stin für Christina, Trin für Katharina, Bastian für Sebastian und Klaus für Nicklaus (auch Hans ist eine abgekürzte Form von Johannes).

Die meisten Familien aus der ersten Welle der deutschen Amerika-Einwanderer, haben die Tradition des Rufnamens fortgeführt. Dann nahm der Trend aber ab. Achtet mal auf Männer, die mit Johann Friedrich getauft wurden. Sie wurden zu Lebzeiten meistens nur mit Friedrich angesprochen, aber auf dessen Grabstein oder Nachlasspapieren findet man die Bezeichnung John F.

Auch gab es eine Umwandlung in den Vornamen, die von den Deutschen in Europa in den frühen 1800er Jahren verwendet wurde. Es war typisch – zuerst unter den römisch Katholiken, aber dann auch den Protestanten – Säuglinge mit drei Vornamen zu taufen.

Wie in der früheren Ära, nutzten die Menschen in späteren Aufzeichnungen und im normalen Diskurs typischerweise nur einen der drei Namen. Leider gibt es keine leichten Regeln, welche der drei – oder eine Kombination von zwei der drei Namen – der einzelne verwendet.

Um die Bürgerkriegszeit herum, wurde es in Amerika Trend, den Kindern den Mädchennamen der Mutter als einen der Vornamen zu geben. Manchmal taten das selbst erwachsene Frauen, und nahmen einen mittleren Namen an, den sie nicht zur Geburt erhalten hatten.

Als die zweite Welle an Amerika-Einwanderer kam, wurde oftmals eine abgeschnittene Form eines der Vornamen verwendet (z.B. Mina oder Minnie für Wilhelmina), aber zum Ende des 19. Jahrhunderts, erschienen in Volkszählungen und anderen wichtigen Dokumenten mehr Namen in anglizierten Formen (z.B. William oder Bill für Wilhelm, Margaret oder Peg für Margaretha).

Für die Bindung eines Namensmusters an die Geburtsordnung war dies in den deutschen Bundesländern ein lokales Phänomen. Wenn Kinder starben, wurden Namen typischerweise wiederverwendet, und es gibt Fälle, in denen zwei überlebende Kinder den gleichen Namen erhalten haben. Dies führt zu der seltsamen Situation, bei der die Identität eines Elternteils vielleicht nicht bekannt ist, obwohl der Name und die Identität der Großeltern hingegen schon.

Die Bestandsaufnahme der Formulierungen, die für deutsche Namen verwendet werden, wird euch helfen, alle Johanns aus der ersten Welle zu sortieren und ein Auge auf alle möglichen Kombinationen der zweiten Welle zu haben.

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