18    Jul 20110 Kommentare

Ältester Menschenaffe lebte in Schwaben

Afrika gilt als Wiege der Menschheit. Schon lange, bevor der moderne Mensch vor 125 000 Jahren Afrika verließ, wanderten seine Vorläufer wiederholt nach Eurasien ein. Die wohl erste Wanderung fand vor 17 Millionen Jahren statt. Ihre ältesten Spuren finden sich im schwäbischen Alpenvorland, südwestlich von Sigmaringen.

Ihre Vorläufer lebten vor 17 Millionen Jahren in Schwaben: ein Orang-Utan.

Wissenschaftler der Universität Tübingen haben nun die Fundstelle eines Backenzahns auf den Zeitraum vor 17 bis 17,1 Millionen Jahren datiert. Der Zahn gehört damit dem ältesten eurasischen Hominoiden (menschenähnlichen Wesen), der bisher gefunden wurde. Der Träger des Zahns lebte vermutlich in einer Landschaft mit tropenähnlicher Vegetation in einem feuchtwarmen Klima am Ufer eines Sees. Heute befindet sich dort ein unter Paläontologen für seine Fossilienfunde bekannter ehemaliger Steinbruch.

Der Fund selbst stammt vom 24. Juni 1973 und wird heute im Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart aufbewahrt. Entdeckt hat den Zahn der Gründer des Geologisch-Paläontologischen Instituts der Universität Mainz, Heinz Tobien, im „Steinbruch am Talsberg“ auf der Gemarkung Engelswies, Gemeinde Inzigkofen. Erst 2001 wurde der Zahn genauer untersucht und als Backenzahn eines Menschenaffen identifiziert. Doch die Datierung blieb umstritten.

Zum Datieren so alter Funde ziehen Paläontologen verschiedene Methoden heran. So gibt es zum Beispiel bestimmte Nagetiere, die einige Merkmale so schnell weiterentwickelt haben, dass man Funde dieser Tiere zur relativen Zeitbestimmung nutzen kann. Zudem hat sich das Erdmagnetfeld im Laufe der Erdgeschichte mehrfach umgekehrt. Die Richtung blieb in Sedimentschichten der jeweiligen Zeit als Magnetisierung erhalten. Dieser Richtungswechsel lässt sich dazu nutzen, eine Zeitskala aufzustellen. So wurde nun auch die Fundstätte Engelswies datiert.

Die Forscher fanden in einer rund fünf Meter dicken Ablagerungsschicht oberhalb und unterhalb der Fundschicht ein gegenüber heute umgekehrt gepoltes Magnetfeld. Die Entstehungszeit der Schicht, in welcher der hominoide Backenzahn gefunden worden ist, ließ sich somit auf einen vergleichsweise engen Zeitraum vor 17 bis 17,1 Millionen Jahren eingrenzen.

Quelle: Südkurier.de

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