9    Jun 20134 Kommentare

Meine Familiengeschichte: David Krüger – Ein Jahr später

Vor knapp einem Jahr haben wir in dem Bereich "Meine Familiengeschichte" des deutschsprachigen Blogs von MyHeritage den jungen Genealogen David Krüger vorgestellt, der als 13-Jähriger anfing, seine Wurzeln zu erforschen. Damals erzählte David, wie er sein Hobby angefangen hat und welche Freude seine Forschung ihm gebracht hat.

Wir freuen uns sehr, dass er weiterhin mit uns im Kontakt bleibt und heute seine Geschichte weiter erzählt! Wir hoffen, dass durch sein Beispiel viele junge Leute zur Ahnenforschung motiviert werden und dass wir nächstes Jahr noch mehr tolle Neuigkeiten von ihm erzählen können!

"Als ich damals den Artikel „Meine Familiengeschichte“ schrieb, dachte ich noch nicht, dass ich innerhalb kürzester Zeit solch große Erfolge erzielen konnte. Nachdem ich den Artikel veröffentlicht hatte, habe ich Kontakt zu weiteren Familienforschern aufgenommen, wobei viele dann auch sofort geantwortet haben und mir geholfen haben. So konnte ich innerhalb kurzer Zeit einen Großteil der Linien bis ca. 1830 zurückverfolgen.

Am 17.08. forderte ich dann die Sterbeurkunde meines unbekannten Großvaters an. Mein Vater erzählte mir damals, dass der Ehemann meiner Großmutter mein Großvater ist. Ich hatte, nachdem meine Großmutter verstorben ist, ein Fotoalbum gefunden, wo ein Foto eines Mannes eingeklebt war. Als ich meinen Vater auf dieses Foto ansprach, wer dies sei, antwortete er:
„..Ach, das ist… Pospiech.. mein Vater.“

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24    Mai 20130 Kommentare

Meine Familiengeschichte: Axel Bohl

Axel Bohl

Wir freuen uns, heute eine schöne Familiengeschichte von einem unseren Nutzer präsentieren zu dürfen: Heute erzählt uns Herr Axel Bohl, wie er durch einen Zeitungsartikel zu der Ahnenforschung gekommen ist!

Wenn ihr ebenfalls eurer Familiengeschichte oder ein Teil davon mit uns teilen möchtet, dann schreibt bitte eine E-Mail an: stories@myheritage.com.

Viel Spaß beim Lesen!

"Mein Name ist Axel Bohl, ich wurde im Jahr 1944 im damaligen Wesermünde geboren, dem heutigen Bremerhaven. Aufgewachsen und zur Schule gegangen bin ich in Witten/Ruhr, Düsseldorf und Stuttgart. Bedingt durch diverse Arbeitsstellen-Wechsel meines Vaters.

Seit 1958 lebe ich im Südwesten, bin aber nach wie vor sehr mit meiner eigentlichen Heimat dem Rheinland verbunden. Ich bin Einzelkind, im Gegensatz zu meinen Eltern und weiteren Vorfahren. Nach der Schule habe ich eine Lehre zum Baustoff-Kaufmann begonnen, und insgesamt nach 50 Jahren Tätigkeit in dieser Branche, meinen ‚wohlverdienten Ruhestand’ begonnen. Im Frühjahr 1975 lernte ich in Stuttgart meine aus Kärnten stammende Frau kennen, die ich im Oktober desgleichen Jahres dann geheiratet habe.

Zur Ahnenforschung kam ich im Jahr 1978 durch einen Artikel in der Stuttgarter Zeitung, in dem über ein Wappenarchiv berichtet wurde. Bei einem Besuch in deren Räumlichkeiten, lernte ich den Geschäftsführer kennen, der sich als ein Kunde meines Arbeitgebers entpuppte. Nach einem ausführlichen Gespräch, bekam ich Hinweise, wie ich am einfachsten eine Ahnenliste erstellen konnte. Da mein Vater immerhin 94 Jahre alt geworden ist, habe ich durch ihn schon einiges erfahren können.

Mein Vater hatte in den 30er Jahren mit einem seiner Brüder eine Ahnentafel erstellt, die wohl bis ca. 1550 reichte, jedoch leider im Krieg verloren ging, nachdem meine Eltern zweimal total ausgebombt worden sind, und nichts, aber auch gar nichts haben retten können.

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4    Mai 2013Ein Kommentar

Familiengeschichte: Günter Schröder

Günter Schröder

Nach langer Zeit haben wir heute wieder eine schöne Familiengeschichte für euch. Seit 2004 betreibt Günter Schröder Ahnenforschung und erst seit ein paar Wochen ist er bei MyHeritage tätig. Herr Schröder erzählt heute, wie er seine Forschung organisiert und wie er seine Familie über die Ergebnisse seiner Forschung informiert.

Viel Spaß beim Lesen!

"Mein Name ist Günter Schröder.  Mein Alter: 78 Jahre. Geboren bin ich in Weimar. Bei Carl Zeiss in Jena habe ich Feinmechaniker gelernt. Nach meinem Studium war ich im Vermessungswesen tätig.

Leider habe ich MyHeritage erst vor ein paar Wochen entdeckt. Nun freue ich mich auf weitere Forschungsergebnisse.

Unsere Familie erforsche ich seit 2004. Zu meinem Geburtstag schenkten mir meine 4 Söhne die Kopie der Geburtsurkunde meines Opas, also ihres Ur-Opas, mit der Bemerkung: Du bist Rentner und hast Zeit. Wir würden gern wissen, wer unsere Vorfahren waren.

Natürlich habe ich zugesagt, ohne zu ahnen, was daraus wird. Heute in 2013, also 9 Jahre später, haben wir eine Familienchronik von mehreren hundert Blättern und zum Teil eine Übersicht über die Familien von 9 Generationen.
Zu unsrer Chronik muss ich noch bemerken, dass sie nicht stammbaum-, sondern familien-orientiert ist.

Mein Ziel ist es, eine Familiendokumentation über das Leben unserer Ahnen und der heute lebenden Familien zu erstellen. So entsteht ein Einblick in die vergangenen ca. 300 Jahre. Sie wird weiter wachsen, denn meine Enkel sind schon sehr interessiert und helfen eifrig.

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1    Mrz 201310 Kommentare

Meine Familiengeschichte: Franz Peter Schmitz (Teil 2)

Und hier der zweite Teil von Franz Peters Familiengeschichte. Viel Spaß beim Lesen!

Franz Peter Schmitz

"Wenden wir uns nun dem anderen Namenspaar des Quartetts zu: Pieck und Atrott, wobei ich mit dem Familiennamen Atrott beginnen will.
Dieser Name findet sich, auch heute noch, in zwei Varianten: Atrott und Attrot (daneben fand ich noch die seltenere Schreibweise Adrott). Im IGI von Familysearch wurden mir fast 100 Einträge der gesuchten Variante Atrott angezeigt – aber keiner davon aus Praßlauken, sondern aus Orten des Nachbarkreises (Göritten, Pillupönen und Mehlkehmen); diese Einträge stammen aus einem Zeitraum von ca. 1730 bis 1823. Demnach ist der Name Atrott zumindest seit dem Beginn des 18. Jahrhunderts in der Region nachweisbar.

Schließlich ergab sich doch ein Volltreffer: Im Kirchenbuch Walterkehmen fand ich den Geburtseintrag der gesuchten Charlotte Atrott. Als Eltern waren angegeben: Johann Atrott und Charlotte Bartolain aus Praßlauken. Es hat nun leider den Anschein, dass die Quellen für Praßlauken und Walterkehmen für weiter zurückliegende Zeiten versiegt sind. Mit der Zeit ergaben sich Kontakte zu anderen Forschern, die ebenfalls diese Region bearbeiten und an dieser Stelle nicht entscheidend vorankommen. Von diesen Kontakten war einer besonders interessant. Der betreffende Kollege war bis zu einem Spitzenahn Heinrich Atrott in Praßlauken gekommen, der zu der entsprechenden Zeit dort gelebt hatte wie mein Johann Atrott. Waren diese beiden Brüder oder Vettern?

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28    Feb 20133 Kommentare

Meine Familiengeschichte: Franz Peter Schmitz (Teil 1)

Der Autor bei der Lektüre

Franz Peter Schmitz, Jahrgang 1949, westlich von Köln geboren, aufgewachsen am Niederrhein, hat in Köln und Aachen Chemie studiert. Es folgte eine Promotion 1978, Hochschultätigkeit in Aachen bis 1989, anschließend verschiedene leitende Positionen in der Klebstoffindustrie (in München, Lüneburg und Romanshorn/Schweiz), bis er sich selbständig als Technischer Berater machte.

In seiner Freizeit widmet er sich der Familienforschung: Seit 2008 beschäftigt er sich mit seinen Ahnen. Bei MyHeritage ist er bereits seit 2010, da er eine Plattform für seinen wachsenden Stammbaum gesucht hat. Besonders wichtig bei MyHeritage ist für ihn die übersichtliche Darstellung, vor allem wenn es darum geht, verschachtelte Verwandtschaftsverhältnisse optisch übersichtlich darzustellen. Außerdem hat er schon einige Smart Matches erhalten, die ihm an verschiedenen Stellen weiter geholfen haben.

Aufgrund des Umfangs dieser Geschichte, habe ich sie in zwei Kapitel geteilt. Morgen geht es weiter! Und jetzt gebe ich erstmal das Wort an Franz Peter weiter:

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14    Feb 2013Ein Kommentar

Valentinstag: Eure Geschichte

Heute werden weltweit Millionen Blumen verschickt oder verschenkt, Liebesbriefe geschrieben und "Ich liebe Dich" gesagt, um den Valentinstag zu feiern.

Wir haben alle unsere eigenen romantischen Geschichte. Egal ob der erste Kuss, die erste Liebe oder weil wir einen heimlichen Bewunderer entdeckt haben, all diese sind Teil unserer wichtigen Erinnerungen.

Bei MyHeritage wissen wir, wie wichtig Familie und Liebe für unser Leben ist. Von daher haben wir euch bei Facebook und Twitter gefragt, ob ihr eine schöne oder romantische Geschichte mit uns teilen möchtet.

Hier teilen wir mit euch ein paar von unserer Lieblingsgeschichten:

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28    Jan 20133 Kommentare

Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen

Diesen Spruch kenne ich in mindestens drei Sprachen, weil es kaum was menschlicheres gibt, als die Lust, Dinge, die wir nicht erledigen möchten, auf morgen zu verschieben.

Aber so eine Haltung, wenn wir von Ahnenforschung sprechen, kann extrem ungünstig sein.

Ich beobachte es immer wieder: Freunde, Nutzer oder Bekannte erstellen einen Stammbaum. Sie tragen die ersten Namen ein und sind erstmal begeistert, dass sie endlich für die Erhaltung der eigenen Familiengeschichte beitragen. Aber dann lassen sie die Dinge für später liegen, die sie nicht für so dringend halten - die Dokumentation zum Beispiel. Sie fügen vielen Namen hinzu, aber kein Datum, kein Foto, keine Urkunde. Dabei sind gerade diese vielen Einzelheiten, die die Familiengeschichte richtig lebendig und spannend machen.

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14    Jan 20130 Kommentare

MyHeritage: Ein großes Dankeschön an unseren Übersetzer

Von Zeit zu Zeit sprechen wir hier im Blog über die vielen Helfer, die uns ganz freiwillig helfen, die Qualität unserer Seite zu verbessern. Sie nehmen sich Zeit, um fehlende Texte zu ergänzen, bestehende Übersetzungen zu prüfen, korrigieren und validieren, sie senden uns Vorschläge, was für die Nutzer noch fehlt oder was bearbeitet werden soll, kurzum: Sie sind Teil von MyHeritage und wir bedanken uns sehr herzlich für solches Engagement.

Heute insbesondere möchten wir euch zeigen, wer vor kurzem Teil von unserem Übersetzer-Team geworden ist - Herr Franz Laslo. Herr Laslo hat sich bereit erklärt ein bisschen mehr über seine Familienforschung zu erzählen und hat uns folgende Fragen beantwortet:

Bitte stellen Sie sich kurz vor!
Ich heiße Franz Laslo und bin 57 Jahre alt. Geboren wurde ich im ehemaligen Jugoslawien. Genauer gesagt in Ost-Slawonien, das heute zu Kroatien gehört. Als ich zwei Jahre alt war, wanderten meine Eltern nach Deutschland aus. Meine Familie hat ungarische, deutsche, kroatische, rumänische und tschechische Wurzeln. Meine Frau stammt aus der ehemaligen Tschechoslowakei. Unser Sohn ist in Deutschland geboren und unsere Tochter in Israel.
Etwas mehr zu uns unter www.beitshalom4wn.de.

Familie Laslo: Josua, Tabea, Vera und Franz

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20    Dez 20120 Kommentare

Familienforschung: Eure Geschichte

MyHeritage-Nutzer

Viele MyHeritage-Nutzer weltweit haben im Laufe ihrer Ahnenforschung schon wichtige Entdeckungen gemacht.

Wir sind zum Beispiel sehr stolz darauf, den Halbgeschwistern Anna und Ronald nach einer 30jährigen Suche das Wiederfinden ermöglicht zu haben.

Franz Peter konnte mit Hilfe von SmartMatches Kontakt zu seinen amerikanischen Verwandten aufnehmen.

David Krüger zeigt, wie man mit nur 13 Jahren die Forschung der Familiengeschichte selbst in die Hand nehmen kann, in einem Alter, in dem sich die meisten Jungs eher für die Welt da draußen interessieren, als für die eigenen Wurzeln.

Wir veröffentlichen solche Geschichten, weil wir glauben, dass sie für uns alle in der eigenen Familienforschung eine große Inspiration sind. Man weiß ja nie, was für Geheimnisse wir enthüllen werden, wenn wir die nächste Person in unserem Stammbaum hinzufügen.

Falls ihr selber interessiert seid, eure Geschichte mit uns hier im Blog zu teilen, damit andere von euren Erlebnissen inspiriert werden, dann schreibt uns eine E-Mail an: germany@myheritage.com.

3    Dez 20120 Kommentare

Meine Familiengeschichte – Hans-Peter Geis Teil 3

Heute im Blog erzählte Herr Geis, wie er auf den Spuren seiner Ahnen nach Königsberg gefahren ist. Bewaffnet mit einer deutschen Stadtkarte, einem Wörterbuch und mit Hilfe eines netten Taxifahrers, konnte er erfahren, was von dem deutschen Ostpreußen seiner Vorfahren übrig geblieben ist.

Viel Spaß beim Lesen!

Nachdem ich auf den Spuren der Vorfahren meines Vaters in der Gegend von Limburg an der Lahn gewandelt war,  wollte ich auch Näheres über die ostpreußischen Vorfahren meiner Mutter wissen.

So sah die evangelische Kirche in Kleßowen in deutscher Zeit aus. Ein Urgroßvater wurde hier getauft.

Die Großmutter, geborene Christukat, war in Danzig geboren. Von dort erfuhr mein Vater, der Vater unserer Oma habe Eduard Christukat geheißen und sei in Rodaunen im Kreis Darkehmen geboren. Als er in der Kirche von Kleßowen getauft wurde, hieß er allerdings Eduard Kriszukat und der Geburtsort war Raudohnen.  Beim Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa hier in Oldenburg fand ich in einem Verzeichnis, dass Raudohnen nun Volkovo heißt und Kleßowen heißt Kutusowo. Eine neue polnische Karte zeigte, dass beide Orte im russischen Teil liegen.

Ausgerüstet mit den letzten genauen deutschen Karten fuhren meine Schwester und ich mit dem Omnibus einer Reisegesellschaft nach Königsberg. Das Hotel „Tourist“ war dann für einige Tage unser Heim.  Ein Betonkasten mit winzigen Zimmern, der schon lange auf eine Erweiterung wartete, gelegen im früheren Villenviertel Königsbergs, am Oberteich. In der Umgebung standen die meisten Villen noch, bewohnt, aber in keinem guten Zustand, mit verwilderten Gärten. Das was vom Zentrum übrig war, hatten die Sowjets platt gewalzt und durch moderne Plattenbauten ersetzt, das Schloss war gesprengt und auf seinen Grundmauern einen Betonkoloss als Rätehaus gestellt, in das aber noch niemand eingezogen war, weil er sich ein wenig zur Seite geneigt hatte.

Die evangelische Haberbergkirche in Königsberg in deutscher Zeit. Hier wurde unsere Urgroßmutter getauft.

Ein kräftiger Kerl mit drei Kumpanen teilte uns Nikolai, einen pensionierten Marineoffizier mit seinem Lada als „Taxi“ zu. Nikolai war jünger als wir, ein lieber Kerl. Er konnte nicht viel Deutsch, aber mit Hilfe eines Wörterbuchs verstanden wir uns einigermaßen.

Nikolai fuhr uns zunächst nach Raudohnen=Volkovo. Über Tapiau und Insterburg führte uns der Weg zunächst in die Kreisstadt Darkehmen, heute Ozersk. Vergammelte eingeschossige Gebäude bei der Einfahrt deuteten auf Kolchosen-Landwirtschaft. Zum Zentrum hin fuhren wir an zwei- bis  dreistöckigen Gebäuden vorbei. Schließlich kam ein riesiger asphaltierter Platz, auf dem Freund Lenin mit seiner rechten Hand den rechten Weg wies. Um ihn herum standen ein paar Häuser, die aus der Zeit um 1900 stammen konnten, dazwischen Plattenbauten und ein Kino in Bunkerarchitektur. Etwas abseits gammelte eine große Backsteinkirche vor sich hin, nachdem sie als Traktorenwerkstatt ausgedient hatte. Am Haus nebenan waren mehrere Farbschichten abgeblättert, darunter war in großen, schwarzen Buchstaben “Kaiserl.Post-Amt“ zum Vorschein gekommen. Die russische Post hatte es übernommen.

Ein solides Stallgebäude ist das einzige, das von Raudohnen übrig ist, wo unser Urgroßvater geboren wurde. Rechts steht Nikolai.

Nikolai fragte nach dem Weg nach Volkovo, niemand kannte den Ort. Wir fanden schließlich Raudohnen mit Hilfe der alten deutschen Karte. Kein Ortsschild, links der Straße eine leicht gewellte Landschaft mit abgeernteten Feldern, rechts der Straße nur die verhältnismäßig gut erhaltenen Mauern eines aus Feld- und Backsteinen gebauten Stalls. Im rechten Winkel dazu Mauerreste eines Gutshauses. Ein Haufen Steine, ein bisschen Mörtel unter Gestrüpp in der Nähe der Straße ist alles, was von den übrigen Häusern übrig ist, darunter der Kate, in der Eduard Kriszukat 1827 geboren wurde. In einem Nachbarort hatten sich 1990 zwanzig deutsche Familien aus Kirgisien niedergelassen.

Kleßowen, wo Eduard getauft worden war, war leichter zu finden. Es lag an der früheren Reichsstraße 137 und war der letzte Ort vor der heutigen polnischen Grenze. Von der Kirche ragte ein Stück Mauer von der einen Ecke aus dem Gestrüpp hervor, vom Rest der Grundmauern stand noch knapp ein Meter über der Umgebung. Eine alte Russin, die in dem wohnte, was vielleicht das Pfarrhaus war, erzählte, ja, damals seien die Leute wie verrückt gewesen, sie hätten alles kaputt geschlagen.

Meine Schwester steht vor der einen Ecke der Kirche in Kleßowen, die noch übrig ist.

Nikolai begleitete uns einen Tag in Königsberg auf den Spuren der Familie Sohn, deren Tochter Charlotte der Eduard ja geheiratet hatte. Dem Kirchenbuch zufolge wohnte sie in der Borcherstr.7, 1829 wurde die Charlotte wohl dort geboren. Die Straße heißt heute Ulica Elblongskaja. Sie war geprägt von sozialistischen Plattenbauten, ein Supermarkt zog sich von der einen Ecke bis zur nächsten. Gegenüber, wo das Haus Nr.7 gestanden haben mag, lag ein von etwas Grün und und jüngeren Bäumen umstandenes niedriges Gebäude, vielleicht ein Kindergarten.

Auch die Stelle der Taufkirche, St.Trinitatis- oder Haberbergkirche, fanden wir. Der Turm und weitere Teile wurden nach dem Krieg abgebrochen, an ihrer Stelle stand nun das Kino „Oktober“, in das eine oder zwei Wände der Kirche eingebaut waren, aber von außen konnte man das nicht sehen. Um das Kino herum, da wo ganz früher der zur Kirche gehörende Friedhof lag,  wuchsen Gras und ein paar Bäume.

Das Kino „Oktober“ hat in Kaliningrad den Platz der Haberbergkirche übernommen.

Wir dachten, wenn wir Glück haben, finden wir vielleicht die Gräber der Sohns auf einem zur Gemeinde gehörenden Friedhof. Da wo der „Alte“ Friedhof  der Haberberger Gemeinde lag, steht heute eine Schule. Von früherem Friedhof war nichts zu erkennen. Reichlich einen Kilometer vom alten befand sich der „Neue“ Friedhof. Da wir auf dem Stadtplan gesehen hatten, wo er gelegen hatte, konnten wir ihn in seinen Umrissen noch erkennen. Unter seinen hohen Bäumen und zwischen Resten von Ziersträuchern lag ein Vergnügungspark, dessen Grasfläche kreuz und quer von asphaltierten Wegen durchschnitten war. Ein Tanzboden war zu sehen, neben ihm eine einfache Schiffschaukel, und in der Nähe lagen die Reste eines Karussells. Einzig eine Büste von Jurij Gagarin, dem ersten Raumfahrer, gab dem Ort eine gewisse Würde. Keine Spur von Gräbern.

Eine Woche waren wir in Ostpreußen unterwegs, wir waren in den gut erhaltenen Königsberger Badeorten Crantz und Rauschen, wir waren auf der Kurischen Nehrung, wo wir die Vogelstation Rossitten besuchten, dort werden jetzt von russischen Vogelforschern die Zugvögel beringt. Wir waren in dem recht gut erhaltenen Tilsit, wir sahen die Memel. Wir besuchten die Ruine des Königsberger Doms mit dem Grab von Immanuel Kant. Es ist ein schönes Land mit lieben Menschen, aber es ist nicht mehr das deutsche Ostpreußen, es ist der zu Russland gehörende Oblast Kaliningrad.

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