24    Mrz 20140 Kommentare

Die Familiengeschichte von Sven Schomacker

Sven Schomacker ist 40 Jahre alt, lebt in Bremen und arbeitet als Krankenpfleger und Rettungssanitäter. Seit 8 Jahren forscht er (mal mehr, mal weniger) in der Geschichte seiner Familie.

Der Nachname "Schomacker" ist ein klassischer Berufename und ist die plattdeutsche Form
von "Schu(h)macher". Es gibt noch die häufigere Schreibweise "Schomaker".

Und nun viel Spaß mit dem Interview!

MH: Wie ist Ihr Interesse für die Ahnenforschung entstanden?

Sven: Ein gewisses Interesse war schon immer vorhanden, dies wurde allerdings nie in die praktische Dokumentation umgesetzt, ich hatte schon immer Probleme, mir Namen und die ganzen familiären Zusammenhänge zu merken.

Mit der Geburt meiner Tochter 2006 stand eine große Veränderung in meinem Leben an. Da begann ich mir zu überlegen, ob es nicht sinnvoll wäre, die ganzen Vorfahren zu erfassen, denn wenn sie groß ist und Fragen stellt nach ihrer Familie, ist es einfacher und umfangreicher. Es kam mir anfangs so vor, als ob vermehrt ältere Menschen in der Ahnenforschung tätig sind. Dabei hat man doch in jüngeren Jahren noch viel mehr Großeltern, die man direkt befragen kann, man muss eigentlich früh anfangen um noch möglichst viele Informationen sammeln zu können.

Also begann ich, nach und nach meine Ahnenforschung aufzubauen. Wobei ich dann auch immer mehr feststellte, dass auch jüngere Menschen sich mit dem Thema beschäftigen, was meinen anfänglichen Eindruck widerlegte. Ich las zum Beispiel Bücher wie "Von wem habe ich das bloß. Auf den Spuren der Ahnen" von Manuel Andrack, der sich selbst auf die Suche nach seinen Ahnen begeben hat und zeigt, dass dieses Thema viele lustige und aufregende Seiten hat. Es folgten Chroniken meiner Herkunftsorte, einige Kuriositäten aus Blbliotheken und vielerlei Dokumente, die Verwandte mir gaben.

Seitdem stecke ich mal mehr und mal weniger Zeit in die Erfassung, die letzten zwei Jahre habe ich wegen anderer ehrenamtlicher Arbeiten die Genealogie etwas vernachlässigt. In 2014 wollte ich aber versuchen, einige Standesämter zu besuchen um mehr über fehlende Zweige zu erfahren.

MH: Warum sollte man sich – Ihrer Meinung nach mit der Familiengeschichtsforschung beschäftigen?

Sven: Man lernt viel über die Ursprünge der Familie. Wo und wie haben Vorfahren gelebt und welche Berufe wurden ausgeübt. Je tiefer man einsteigt, desto mehr Wissen erhält man. Es kommen immer wieder geografische Themen auf, da sich die Familiengeschichte an vielen Orten abspielt und sich Fäden zwischen Orten auf der ganzen Welt spannen. Von vielen Orten hat man in seinem Leben noch nie gehört. Dazu noch der Bereich der Onamastik, die Namensforschung. Hierdurch lassen sich Berufe, Herkunft und andere Sachen ableiten. Ich hatte anfangs nicht erwartet, dass so viele weitere Bereiche in die Ahnenforschung eingreifen. Wer überlegt, sich mit der Genealogie zu beschäftigen, dem empfehle ich wirklich das Buch von Manuel Andrack als Einstieg.

MH: Wie weit geht Ihre Forschung in die Vergangenheit zurück und was haben Sie bis dato über Ihre Familiengeschichte entdeckt?

Sven: Aktuell geht mein Stammbaum bis ins Jahr 1505 zurück und ich habe mittlerweile 850 Personen mit insgesamt 205 eindeutigen Nachnamen in meiner Datenbank erfasst. Dabei versuche ich aber die Hauptzweige zu priorisieren. Ein großer Teil meiner Ahnen hat sich im Teufelsmoor nordöstlich von Bremen aufgehalten.

Dort wurde ab 1750 die Besiedlung des Moores durch Jürgen Christian Findorff begonnen und einfache Knechte und Mägde aus den umliegenden Gebieten zogen dorthin, um ihr Glück zu suchen. Es sind viele Höfe meiner Vorfahren in dem Gebiet vorhanden und die Bücher mit den Chroniken dieser Moordörfer lieferten mir die ersten Ansätze. In den Chroniken wurden die Hofbesitzer und deren Familien aufgelistet, die Hochzeiten untereinander erweiterten die Familien immens und ich bekam immer tieferen Einblick in meine Familiengeschichte.

Als ich diese Bücher komplett erfasst hatte, kam ich über die ältesten genannten Personen dann an die Ortsfamilienbücher. Hier konnte ich oftmals direkt anknüpfen und mir eröffneten sich unglaubliche Bestände an genealogischen Daten, die andere Familienforscher schon aus den Kirchenbüchern der Region zusammengesucht hatten. Das war eine wahre Fundgrube für mich.

MH: Erzählen Sie uns über Ihre Seite http://genealogy.schomacker.net/. Wie kamen Sie dazu diese zu erstellen?

Sven: Anfangs habe ich mit der Software "Gramps" an meinem Rechner
gearbeitet. Das ist eine sehr komfortable Software, doch über die Zeit habe ich gemerkt, dass es umständlich ist, die Daten nicht mobil verfügbar zu haben. Ich habe mich dann mit serverseitigen Tools beschäftigt und bin letztlich bei TNG von Darrin Lythgoes gelandet. Die Software ist sehr umfangreich und es gab ein ZusatzModul für das ContentManagementSystem Zikula, für das ich nebenbei programmiert habe und dann mit der Zeit das AhnenforschungsModul dann betreut habe zusammen mit Wendel Voigt, ebenfalls Ahnenforscher aus den USA.

Über die Verbesserung dieses ZusatzModuls kam ich dann vor ein einigen Jahren auch an bezahlte ProgrammierJobs wie zum Beispiel die Aktualisierung der Website der Eaton Foundation, die ihre riesengroße genealogische FamilienSammlung unter http://www.eatongenealogy.com/ betreiben und Daten seit dem 11. Jahrhundert führen.

Meine eigene Website ermöglicht mir, frei mit den Daten und der Gestaltung umzugehen. Und ich kann anderen Personen Zugänge erstellen, damit diese Zugriff erhalten können, um Daten zu lesen und eintragen zu können. Denn meine kompletten Daten möchte ich nicht öffentlich stellen. Hier muss auch der Datenschutz beachtet werden. Derzeit baue ich die Seite noch stark aus weil ich ein WordpressGerüst um die TNGDaten setze, dann kann ich besser Artikel dazu schreiben und gestalterisch habe ich mehr Freiheiten. Deswegen sieht die Seite ständig anders aus im Moment.

MH: Seit wann sind Sie bei MyHeritage registriert und was gefällt Ihnen auf der Webseite am Meisten?

Sven: Ich nutze MyHeritage vor allem für SmartMatches und den Kontaktaufbau zu anderen Forschern in der Welt. Meinen ersten Account habe ich vor einigen Jahren erstellt, aber nie wirklich genutzt. Vor einiger Zeit habe ich wieder mit einem neuen Account begonnen und möchte hier vor allem die RecordMatches aus den öffentlichen Datenbanken abgleichen mit meinen Datensätzen. Ich musste mich entscheiden, ob ich die Daten bei mir selbst pflege oder bei MyHeritage, habe mich dann aber damals für eine eigene Seite entschieden um einen kontrollierteren Zugriff und weniger Kosten zu haben. Ein Abgleich von zwei Systemen ist sehr aufwändig in der Pflege, was zwar durch den GEDCOM Export vereinfacht wird, aber natürlich auch jedes Mal Zeit kostet. Und da ich eh einen eigenen Server betreibe war meine Entscheidung noch einfacher. Ein paar Verwandte haben auch bei MyHeritage einen Account und so muss ich immer sehen, wen ich mit welchen Datensätzen füttere. ;)

MyHeritage bietet aber tolle Zusatztools wie den Abgleich mit öffentlichen Datenbanken wie die ZensusDatenbanken in den USA. Das kann eine eigene Software eher schlechter leisten. Man muss sich also genau überlegen, wie man selbst vorgeht. Wer mit Servern nicht am Hut haben will und bereit ist, Geld für sein Hobby Ahnenforschung auszugeben, ist mit den Leistungen von MyHeritage sicher sehr gut bedient.

MH: Hilft Ihnen Ihre Familie bei Ihrer Forschung?

Sven: Die meisten meiner Verwandten wissen schon, dass ich Familienforschung betreibe und geben mir immer gerne Informationen. Dadurch, dass meine Website ermöglicht, über Benutzerkonten Zugriff zu erlangen, stelle ich diese Informationen dann ja auch wieder zur Verfügung, wenn diese Daten suchen. So wächst der Datenbestand immer weiter.

Als meine Großtante vor ein paar Jahren starb und ihre Familie den Haushalt auflösen musste, kam eine Ahnentafel eines Familienzweiges im Keller zum Vorschein, den ich behalten durfte. Das hat mich sehr gefreut, aus dem Zweig hatte ich zu der Zeit auch sehr wenig Daten. So etwas funktioniert natürlich auch nur, wenn die Verwandten über mein Hobby Bescheid wissen. Vielleicht wäre das sonst wieder in irgendeinem Keller oder im Altpapier gelandet.

Ahnentafel, Originalzeichnung

MH: Wie viele Personen haben Sie in Ihrem Stammbaum und haben Sie schon Smart Matches erhalten?

Sven: Derzeit sind 850 Personen erfasst, hauptsächlich verteilt über Deutschland und die USA. Mit MyHeritage versuche ich SmartMatches zu bekommen; das sind aber meist schon mir bekannte Daten, da ich meine Seite bislang vorrangig über Daten aus dem Internetdatenbanken gespeist habe. Das haben viele andere natürlich ebenso gemacht. Ich finde aber interessant, wer die gleichen Daten benutzt und teilweise sehe ich auch zusätzliche Einträge, die ich übernehmen kann. Meist sind es übereinstimmende Daten aus den USA, dort scheint es unwahrscheinlich viele Ahnenforscher zu geben. ;)

Für Genealogen ist diese Funktion natürlich spannend. Allein, dass man in Kontakt zu anderen Forschern treten kann, die sich mit den selben Ahnen beschäftigen. Kein mühsames Suchen sondern direkte Benachrichtigung über identische Daten.

MH: Haben Sie unbekannte Verwandte bzw. Verwandte, die Sie gesucht haben, entdecken können? Wenn ja, sind Sie mit ihnen in Kontakt?

Sven: Es gibt Verwandte, die sich auch mit der Ahnenforschung beschäftigen, hier habe ich Kontakt aufgenommen, um Daten auszutauschen und mehr zu erfahren. Dort sind ganz spannende Geschichten für mich entstanden. Über Facebook habe ich Kontakt zu einem Namensvetter in Brasilien bekommen. Ob wir wirklich verwandt sind ist noch ungeklärt, aber ich konnte ihm viel zur Geschichte seines deutschen Nachnamens erzählen. Wenn ich vielleicht irgendwann mal in Brasilien sein sollte, dann versuche ich bestimmt, ihn zu besuchen.

MH: Wie hat sich Ihr Leben seitdem verändert?

Sven: Ich habe gelernt, dass Familien sehr komplex aufgebaut sind. Das war mir früher nie so bewusst. Und wie die Familienverbände früher mit den umliegenden Orten zusammenhingen ist wahnsinnig spannend. Im schon erwähnten Teufelsmoor waren die Höfe teilweise stark abgeschnitten von den umliegenden Orten, viele Torfbauern kamen nur per Kahn mal in die nächste größere Stadt Bremen, wenn die Torf zum Heizen dorthin lieferten. Dadurch spielte sich natürlich viel in der Dorfgemeinschaft ab. Eine wichtige Erfahrung habe ich durch meinen Einstieg in die Ahnenforschung auch machen müssen:

Früher war ich immer sehr bedacht auf die Schreibweise meines Namens mit "CK", das war die seltenere Form meines Namens hier in der Gegend. Doch je weiter ich zurück in der Geschichte forschte, desto schneller merkte ich, dass die Schreibweise oftmals stark von den jeweiligen Pastoren abhängig war. Nicht nur bei meinem Namen, sondern auch anderen Nachnamen meiner Vorfahren, in denen K, bzw CK vorkam, wurden einige Kinder mal mit K und mal mit CK in den Kirchbüchern geführt. Bei Schomacker aber auch zeitweise wieder zur hochdeutschen Form Schumacher. Und eben bei meinem Nachnamen ist die Forschung noch am wenigsten fortgeschritten. Zu den online verfügbaren Datenbanken konnte ich bislang noch keinen Bezug aufbauen, da sich erst bei meinem UrUrGroßvater die Schreibweise sich laut dem Standesamt verändert hatte von Schumacher zu Schomacker. Für 2014 habe ich mir vorgenommen, genau diesen Nachnamen genauer unter die Lupe zu nehmen.

MH: Würden Sie uns eine besondere Geschichte oder Erfahrung, die Sie durch Ihre Familienforschung erlebt haben, erzählen?

Sven: Zum Beispiel habe ich einiges über meinen Großonkel zweiten Grades Johann Klencke erfahren, der in den 60ern als Einsiedler im Wald gelebt hat. Er war Künstler und sein Neffe organisiert manchmal Ausstellungen von seinen Werken. Wenn man solche besonderen Personen in seinem Stammbaum erfasst kommen schon sehr interessante Geschichten zusammen. Der Neffe hat auch einen Teil seines Familienzweiges zusammengetragen und mir weitergegeben, die Daten konnte ich dann gut in meiner Datenbank einarbeiten. Und eine Website über meinen Großonkel gibt es auch von ihm, dort hat er Bilder und Artikel bereitgestellt.

Sehr gespannt bin ich auf den genealogischen DNATest, den ich jetzt durchführen möchte. Das ist ein für mich völlig neuer Bereich, der aber ganz spannende Details meiner Ahnen geben könnte.

MH: Was können Sie anderen Menschen empfehlen, die erst kürzlich mit der Ahnenforschung begonnen haben? Welche Tipps haben Sie?

Sven: Fragt in eurer Familie und notiert euch alle Infos genau. Vor allem die älteren Verwandten haben viele Geschichten parat, die die reine Erfassung von Terminen und Namen sehr schön ergänzen. Überhaupt zu erwähnen, dass man die Familiengeschichte erforscht, regt viele schon an, sich selbst damit zu beschäftigen und alte Unterlagen herauszukramen und Verwandtschaftsverhältnisse zu analysieren. Der familiäre Input ist mit der wichtigste.

Dokumente immer frühzeitig scannen oder fotografieren. Besonders alte OriginalDokumente müssen teils auch fachgerecht aufbereitet werden zur Archivierung. Alles, was digitalisiert ist, kann man besser sichern. Dazu kommt natürlich auch, dass man eine Sotware benutzt, die die Erfassung einfach und übersichtlich gestaltet. Wenn man Fotos und Dokumente einscannt ist die Verwaltung einfach und langfristig gesichert. Außerdem kann man über Netzwerke die Daten den anderen bereitstellen. Gerade Verwandte im Ausland freuen sich so auch über eine aktive Teilnahme. Die meisten Produkte erlauben auch GEDCOM Im- und Export (wichtig für Datensicherung und Synchronisation verschiedener SoftwareSysteme).

Achtet auf den Datenschutz. Daten und Fotos von lebenden Verwandten sind niemals öffentlich ins Netz zu stellen ohne deren ausdrückliche Erlaubnis. Und auch die Daten von bereits verstorbenen Personen unterliegen gewissen Schutzfristen. Jeder Ahnenforscher sollte sich mit diesen Vorschriften eingehend beschäftigen. Im GenWiki gibt es dazu nützliche Hinweise: http://genwiki.genealogy.net/Datenschutz

Und natürlich sind auch die Quellenangaben wichtig wenn Daten veröffentlicht werden sollen. Hier müssen Lizenzen und Urheber erwähnt werden, bzw erstmal um Erlaubnis zur Veröffentlichung gefragt werden.

Wir bedanken uns nun ganz herzlich bei Sven Schomacker und würden uns auch über EURE Familiengeschichte freuen. Schreibt uns unter germany@myheritage.com einfach mal an. ;)

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