17    Mrz 20140 Kommentare

Die Familiengeschichte von Barbara Schmidt

Barbara Schmidt, Jahrgang 1973 und gebürtig aus Lübeck in Schleswig-Holstein. Seit 13 Jahren lebt sie allerdings in Frankfurt am Main. Schon in jungen Jahren hat sie das Reisefieber gepackt. So hat sie in verschiedenen Ländern gelebt und gearbeitet, und dadurch auch verschiedene Sprachen gelernt. Land und Leute haben sie schon immer interessiert. Natürlich erschwert es die Forschung sehr, wenn man so weit von der Quelle entfernt wohnt. Aber das bedeutet nur, dass ihre Forschungsreisen genau organisiert werden müssen: wann besucht sie für wie lange welches Archiv und welche Dokumente, die vorbestellt werden müssen, möchte sie dort einsehen.

Wir haben mit Barbara ein Interview geführt und präsentieren euch heute ihre Familiengeschichte. Viel Spaß dabei!

MH: Wie ist Ihr Interesse für die Ahnenforschung entstanden?

BS: Ich komme aus einer relativ großen Familie und die Familie ist immer wieder zu Hochzeiten, Geburtstagen, Taufen und anderen Feiern zusammen gekommen. Bei einer dieser Familienfeiern bin ich bei den Erzählungen aus der Vergangenheit nicht mehr hinterher gekommen, wer wer ist und fing an, Namen und Verbindungen auf einen Zettel zu schreiben. Und kaum hatte ich angefangen, bekam ich auch schon die ersten Kommentare von Tanten, Onkeln und Großeltern, welche Verbindungen so nicht stimmten und welche fehlen würden. Das wurde mein erster Stammbaum. Und damit war das Interesse geweckt. Und aus dem Interesse ist nun ein 20jähriges Hobby geworden. Leider habe ich diesen Zettel nicht mehr. Schade, ich hätte den gerne gerahmt an die Wand gehängt.

Uroma Schmidt mit Kindern.


MH: Warum sollte man sich – Ihrer Meinung nach - mit der Familiengeschichtsforschung beschäftigen?

BS: Es verbindet Familien. Und man lernt etwas über die eigene Vergangenheit. Ich selber sehe mich als Produkt all meiner Vorfahren. Jeder meiner Vorfahren hat seine Erziehung und Werte an seine Kinder weitergegeben. Und so sind sie bei mir gelandet. Ich wäre nicht wer ich bin, wenn meine Eltern nicht von ihren Eltern und deren Eltern gelernt hätten. Dazu kommt, dass ich nie zuvor so viel über Geschichte gelernt habe. Geschichte ist sehr viel interessanter, wenn man sie in eine persönliche Beziehung setzen kann. Und ausserdem macht es einen riesigen Spaß!

MH: Wie weit geht Ihre Forschung in die Vergangenheit zurück und was haben Sie bis dato über Ihre Familiengeschichte entdeckt?

BS: Meine ältesten Vorfahren sind sieben Generationen von mir entfernt, geboren ca. 1775. Bei den Entdeckungen weiss ich gar nicht, wo ich anfangen soll. Vorherige Ehen und Kinder, von denen nie gesprochen wurde. Böswilliges Verlassen der Ehefrau und der Kinder gefolgt von einer Scheidung Ende des 19. Jahrhunderts. Auswanderungen nach Australien und in die USA. Von „erschlichenen“ Brautkränzen ganz zu schweigen. Junge Männer, die auf den Schlachtfeldern der beiden Weltkriege geblieben sind und Familien die sich nach dem 2. Weltkrieg nach der Flucht wieder getroffen haben.

Paul Hugo Rudolf - Militär Registrierungskarte 1942

MH: Erzählen Sie uns über Ihre deutschsprachige Onlinezeitung zum Thema Ahnenforschung. Wie kamen Sie dazu diese zu erstellen?

BS: Ich habe über twitter diverse englischsprachige Onlinezeitungen zum Thema „Genealogy“ gefunden, aber keine deutschsprachige. Also machte ich mich im Internet auf die Suche nach Inhalten zu den Themen Ahnenforschung, Namensforschung und Heraldik. Die erste Ausgabe war noch sehr dünn. Aber mit der Veröffentlichung habe ich jeden Leser aufgefordert, seine Beiträge im Internet mit dem tag #Ahnenforschung zu versehen. Und so wurde die Zeitung Woche für Woche inhaltsreicher und aussagefähiger. Es ist sehr faszinierend zu sehen, wieviel unterschiedliche Beiträge zu den Themen geteilt werden. Zudem denke ich, dass Social Media von den Ahnenforschern in Deutschland noch sehr viel offensiver genutzt werden kann, um sich die Forschung zu erleichtern. Die Zeitung ist hier zu finden: https://paper.li/BarbFFm/1390700342

MH: Seit wann sind Sie bei MyHeritage registriert und was gefällt Ihnen auf der Webseite am Besten?

BS: Oh, da musste ich wirklich nachgucken. Ich habe die Seite am 12. August 2010 erstellt. Und ich klicke am meisten auf die Übersicht auf den Profilseiten, wo ich auf einen Blick sehen kann, wie die Person mit mir verwandt ist.

MH: Hilft Ihnen Ihre Familie bei Ihrer Forschung? Sind Ihre Verwandten auch Mitglieder Ihrer Familienseite?

BS: Mein Vater ist Mitglied meiner Familienseite und dazu hat er eine eigene. Aber ich arbeite lieber alleine an meiner Seite. Ich bin sehr eigen mit den Daten, die dort eingestellt werden. Zu Beginn meiner Forschung war ich sehr nachlässig mit Quellnachweisen. Ich habe alles, was ich gefunden hatte und was einigermaßen Sinn machte, in meinen Stammbaum aufgenommen. Viel ohne Quellen. Das ging so weit, dass ich nicht mehr wusste, wer all diese Menschen in meinem Stammbaum sind und wie sie dort hinein gehören. Also machte ich einen harten Schnitt und fing wieder von vorne an. Das gute daran war, dass ich jedes Dokument, jede Email erneut durchgegangen bin und viele Hinweise gefunden habe, dir mir beim ersten Lesen entgangen sind.

Else Nicolaus (1901) Barbaras Großtante, die Halbschwester ihres Großvaters. Sie ist diejenige, die in die USA ausgewandert ist.

MH: Wie viele Personen haben Sie in Ihrem Stammbaum und haben Sie schon Smart Matches erhalten? Wenn ja, aus welchen Ländern stammen diese?

BS: Zur Zeit besteht mein Stammbaum aus 1679 Personen. Allerdings gehören da auch Schwiegerfamilien zu. Ich mache da keinen großen Unterschied. SmartMatches hatte ich auch schon. Allerdings mehr unpassende als passende. Es hilft auch nicht, SmartMatches von Stammbäumen zu erhalten, deren Eigentümer vor Jahren das letzte Mal angemeldet waren. Aber ich hatte auch schon den ein oder anderen SmartMatch, der wirklich einer war. Zum Beispiel Verwandte meiner australischen Auswanderer hier in Deutschland. So bin ich eigentlich erst auf die Linie gekommen.

MH: Haben Sie unbekannte Verwandte bzw. Verwandte, die Sie gesucht haben, entdecken können? Wenn ja, sind Sie mit ihnen in Kontakt? Wie hat sich Ihr Leben seitdem verändert?

BS: Ja, ich habe Kontakt zu den Nachfahren einer nach Australien ausgewanderten Linie aufnehmen können, allerdings besteht dorthin kein Kontakt mehr.

MH: Würden Sie mit uns eine besondere Geschichte oder Erfahrung, die Sie durch Ihre Familienforschung erlebt haben, teilen?

BS: Vor einigen Jahren erhielt ich eine email von einer Frau in meinem Alter aus den USA. Sie schrieb, sie wäre eine Nachfahrin meines Urgroßvaters. Ich habe das ehrlich gesagt zu Beginn nicht so ernst genommen. Aber nach einigen emails hin und her wurde es immer offensichtlicher, dass sie tatsächlich von meinem Urgroßvater sprach. Meine Großtante war damals noch am Leben. Wir hatten uns seit mehreren Jahren, fast Jahrzehnten nicht mehr gesehen.

Diese emails haben dazu geführt, dass ich sie angerufen und wieder getroffen habe. Und sie bestätigte eine erste Ehe nicht nur ihres Vaters, sondern auch ihrer Mutter. So kam ich also nicht nur zu vollkommen neuen Familienmitgliedern, sondern auch zu „alten“. Der Kontakt zu meiner Großtante hielt bis zu ihrem Tod und zu ihrer Familie hält er immer noch an.

Dieser amerikanische Zweig der Familie und die Geschichte deren Auswanderung ist für mich sehr faszinierend. Und seitdem ich in meinem Blog schmidtbarbara.wordpress.com über die Geschichte meiner Familie schreibe, habe ich einige sehr nette Genealogen weltweit kennengelernt, die mir mit meiner Forschung weitergeholfen haben. Genauso wie ich ihnen mit ihrer Suche in Deutschland.

MH: Was können Sie anderen Menschen empfehlen, die erst kürzlich mit der Ahnenforschung begonnen haben? Welche Tipps haben Sie?

BS: Mein erster Tipp wäre: Fangen Sie an. Warten Sie nicht, bis es zu spät ist, um mit den Eltern, Großeltern, Großtanten und sonstigen Verwandten zu sprechen. Versuchen Sie jeden zu interviewen, der ihnen in der Familie einfällt.

Machen Sie sich auf die Suche nach Fotos. Ich ärgere mich immer wieder, dass ich es nicht getan habe. Sammeln Sie soviel Erinnerungen wie möglich.

Mein zweiter Tipp: vergessen Sie nie Ihre Quellen. Ich hatte ja weiter oben schon angeführt, welche Fehler mir damit zu Beginn unterlaufen sind. Und was Quellen angeht: Seien sie kreativ. Es gibt nicht nur Standesamtsunterlagen und Kirchenbücher. Es sind soviel mehr Unterlagen und Dokumente in den Archiven, die weiterhelfen.

Mein dritter Tipp: vergessen Sie die „alten Familiengeschichten“ nicht, aber bereiten Sie sich schon mal darauf vor, dass sie nicht stimmen ;)

Mein vierter Tipp: haben Sie Spaß! Es gibt keinen Wettbewerb, keine Gewinner und Verlierer bei der Ahnenforschung. Es geht nicht darum, wer am meisten Personen in seinem Stammbaum hat. Sammeln Sie nicht nur Daten, sondern auch die Geschichten drum herum.

Wir bedanken uns ganz herzlich bei Barbara für das Interview und hoffen, dass es euch gefallen hat. Wenn auch ihr mit uns gerne eure Familiengeschichte teilen wollt (und entweder ein Familienseiten- oder Daten-Abo dafür erhalten wollt), dann sendet einfach kurz eine E-Mail an germany@myheritage.com. Wir freuen uns drauf!

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