20    Jun 2013Ein Kommentar

Das Ende der Reichsmark

Eine Umtauschstelle in Hamburg am 20. Juni 1948 (Wikipedia.de)

Es gibt Ereignisse in der Geschichte eines Landes, die auch für die Einzelperson von großer Bedeutung sind. Sie prägen uns und beeinflussen, wie wir uns verhalten.

Am Ende des Zweiten Weltkriegs erlebten die Bürger, was es bedeutet, eine Währung zu haben, die ihren Wert verloren hat. Deutschlands Städte waren zerstört, Millionen von Menschen waren tot, vermisst, krank oder verletzt. Die Leute hatten Hunger und mussten sich durchkämpfen, um zu überleben. Dazu der Währungsverlust infolge einer seit 1936 steigenden Geldmenge, verursacht durch die für die Finanzierung des Kriegs.

Es gab sehr wenig zu kaufen: Die Industrie produzierte im Nachkriegsdeutschland nur noch 27% der Höhe von 1936. Um die Grundversorgung der Bevölkerung zu sichern, führten die Alliierten die Versorgung mittels Lebensmittelkarten weiter, die schon während des Kriegs gegolten hatten. Das Wenige, was es zu kaufen gab, landete schnell auf dem Schwarzmarkt und wurde 20 bis 100fach teurer verkauft, als die offiziellen Preise.

Im Krieg mussten alle sparen, weil es einfach nichts zu kaufen gab. Nach dem Krieg aber, verloren die Menschen ihr ganzes Ersparte durch den Wertverlust.

Es kam zu einer Warentauschgesellschaft, bei der die Zigaretten die Oberhand hatten. Es wurde viel getauscht, damit man sich überhaupt noch ernähren konnte. Ein Bergarbeiter im Ruhrgebiet erzählte, dass er in der Woche 60 Reichsmark verdient hat, was eindeutig zu wenig war. Er hatte aber ein Huhn, das meist fünf Eier in der Woche gelegt hatte. Auf dem Schwarzmarkt tauchte er vier davon gegen 20 Zigaretten. Dadurch hat er wöchentlich 160 Reichsmark mehr, knapp dreimal soviel, was er als Bergarbeiter in sechs Tagen harter Arbeit verdient hatte (Quelle: Moneymuseum.com).

Man konnte ziemlich alles gegen Zigaretten tauschen: Butter, Schokolade, Kaffee, Seife usw. Der Handel mit Zigaretten war aber nicht nur für Privatpersonen, sondern auch für die Unternehmen üblich.

Gegen diesen Handel waren nicht nur die Polizei sondern auch die Alliierten machtlos. Nur eine Währungsreform könnte helfen, aber die Beteiligten der vier besetzen Zonen waren sich nicht einig. Im März 1948 entschieden die Westmächte, dass die sowjetische Besatzungszone nicht in der gemeinsamen Währungsreformpläne einbezogen werden sollte.

Alles wurde streng geheim gehalten und erst am 19.06.1948 erschienen Sonderausgaben der Zeitungen, um zu informieren, dass die Währungsreform in Kraft treten sollte.

Briten, Franzosen und Amerikaner verteilten über das ganzen Land 23.000 Holzkisten mit der harmlosen Aufschrift Türklinken (doorknobs). Ihr Inhalt war aber ein anderer: Die getarnten, in den USA gedruckten Banknoten der Deutschen Mark.

Habt ihr noch Reichsmark zu Hause? Oder D-Mark? Hat diese Zeit eure Familie in irgendeiner Weise geprägt? Habt ihr vielleicht Geld während eurer Familienforschung gefunden? Lasst es uns wissen in den Kommentaren unten, auf Facebook, Twitter oder Google+.

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  1. Bei den Berichten zum Ende der Reichsmark in den drei Westzonen wird immer wieder übersehen, dass der Umtausch einen Vorläufer hatte. Im Saarland galt die RM nur bis zum 16.6.1947. Sie wurde abgelöst durch die Saar-Mark zum Kurs 1:1. Die SM wurde wiederum abgelöst durch den Französischen Franken am 20.11.1947 zum Kurs 1 SM : 30 FFrs. Ab 1954 gab es dann Saar-Franken als Münzen, die keine eigene Währung darstellten. Der Francs wurde schließlich am 5.7.1959 im Verhältnis 100 Ffrs : 0.8507 DM getauscht.

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