28    Feb 20133 Kommentare

Meine Familiengeschichte: Franz Peter Schmitz (Teil 1)

Der Autor bei der Lektüre

Franz Peter Schmitz, Jahrgang 1949, westlich von Köln geboren, aufgewachsen am Niederrhein, hat in Köln und Aachen Chemie studiert. Es folgte eine Promotion 1978, Hochschultätigkeit in Aachen bis 1989, anschließend verschiedene leitende Positionen in der Klebstoffindustrie (in München, Lüneburg und Romanshorn/Schweiz), bis er sich selbständig als Technischer Berater machte.

In seiner Freizeit widmet er sich der Familienforschung: Seit 2008 beschäftigt er sich mit seinen Ahnen. Bei MyHeritage ist er bereits seit 2010, da er eine Plattform für seinen wachsenden Stammbaum gesucht hat. Besonders wichtig bei MyHeritage ist für ihn die übersichtliche Darstellung, vor allem wenn es darum geht, verschachtelte Verwandtschaftsverhältnisse optisch übersichtlich darzustellen. Außerdem hat er schon einige Smart Matches erhalten, die ihm an verschiedenen Stellen weiter geholfen haben.

Aufgrund des Umfangs dieser Geschichte, habe ich sie in zwei Kapitel geteilt. Morgen geht es weiter! Und jetzt gebe ich erstmal das Wort an Franz Peter weiter:

"Mein ostpreußisches Viertel

Als ich vor einigen Jahren begann, mich damit zu beschäftigen, woher meine Vorfahren kamen und wer sie überhaupt waren, ahnte ich noch nicht, wohin mich die Nachforschungen führen würden. Es wurde regelrecht eine Reise durch mehrere Jahrhunderte und durch verschiedene Regionen Europas, wobei diese Reise noch nicht zu Ende ist – und auch nie sein wird, wie ein jeder weiß, den das Virus der Ahnenforschung infiziert hat.

Es begann damit, dass mich eine Cousine einlud, an einem Stammbaum mitzuarbeiten, der seinerzeit auf verwandt.de (wurde 2010 von MyHeritage übernommen) erstellt wurde. Ich sah mir die Sache an, ergänzte den Stammbaum um Personen und Daten, die mir bekannt bzw. leicht zugänglich waren, bis hin zu meinen Großeltern. Dann überlegte ich, wie ich an weitere Daten gelangen könnte. Mir fiel ein, dass unter den Hinterlassenschaften meines Großvaters mütterlicherseits noch Informationen vorhanden sein könnten, ich wurde fündig – und die Reise begann. Von dieser Reise, die sozusagen bei meinem Großvater ihren Ausgang nahm, will ich nun erzählen.

Mein Großvater stammte aus Ostpreußen. Er war als Maurergeselle auf seiner Wanderschaft in Köln geblieben, wo er seine spätere Frau traf, ein Mädchen aus der Eifel, das in Köln als Hausangestellte beschäftigt war. Mehr als die Daten meiner Großeltern hatte ich zunächst nicht; ich konnte mich lediglich daran erinnern, dass ich irgendwo in alten Papieren darauf gestoßen war, dass die Mutter meines Großvaters mit Mädchennamen Pieck geheißen hatte – das war’s. Zum Befragen war niemand mehr da; sowohl mein Großvater als auch meine Mutter lebten nicht mehr, ebenso wenig wie ein Großonkel, der in Duisburg gewohnt hatte. Und das waren schon die drei einzigen Personen dieses Familienzweigs, die ich jemals kennengelernt hatte. Meine Großmutter war schon verstorben, als meine Mutter noch ein Kind gewesen war.

Ich machte mich, allerdings ohne viel Hoffnung, auf die Jagd nach alten Schriftstücken. Ob nach Haushaltsauflösungen und vielen Umzügen überhaupt noch etwas aufzufinden war? Bekanntlich geht ja dabei immer irgendetwas verloren, das man später vermisst. Doch dann, oh Wunder: In einem kleinen Stapel alter Papiere, die noch von meinem Großvater stammten und eigentlich vieles enthielten, das für mich ohne Belang war, fand ich ein zusammengefaltetes Blatt Papier. Ich entfaltete es und konnte mein Glück kaum fassen: Hier stand aufgelistet die Familie meines Großvaters – Eltern und Geschwister mit allen wichtigen Daten, und zudem die Namen der Großeltern, Onkel und Tanten meines Großvaters! Sogar Todesursachen waren teilweise angegeben. Wahrscheinlich waren die Daten für einen Ahnenpass oder Ähnliches zusammengetragen worden. Nun war ich einen großen Schritt vorwärts gekommen! Ohne diese Daten hätte ich doch erhebliche Schwierigkeiten gehabt! Sofort trug ich die neuen Erkenntnisse in den Stammbaum ein und freute mich, dass mein Bäumchen wuchs.

Doch wie nun weiter vorankommen? Ich hatte nun ein Quartett von Nachnamen beisammen, und zudem die Namen der Geschwister, Onkel und Tanten meines Großvaters. Nachdem ich nun die Daten in den Stammbaum eingetragen hatte, veröffentlichte ich diesen Stammbaum auf verschiedenen Internetportalen, in der Hoffnung, dass irgend jemand im weiten Web zu den gleichen Namen forschte und auf meinen Stammbaum stoßen würde. Diese Annahme sollte sich als zutreffend erweisen!

Die vier Familiennamen meiner Ururgroßeltern, die ich in den Aufzeichnungen meines Großvaters gefunden hatte, lauteten: Nickoleit, Kamrowski, Pieck und Atrott. Ich will nun für jeden dieser Namen erzählen, zu welchen Erkenntnissen ich gekommen bin.
Fangen wir mit dem Familiennamen meines Großvaters an. Wie ich von meiner Mutter wusste, birgt der Name „Nickoleit“ eine Reihe von Möglichkeiten ihn „nach Gehör“ unterschiedlich zu schreiben: statt „ck“ ein „k“ oder ein „c“, und auch bei der Endung gab es verschiedene kreative Ansätze: -ley, -lait, -lay und weitere. Ich musste also bei meinen Nachforschungen alle diese Schreibvarianten berücksichtigen.

Mein Großvater Otto Nickoleit

Der Name selbst ist, wie ich herausfand, wohl litauischen Ursprungs und geht auf den Vornamen „Nikolaus“ zurück. Demnach stammten die Vorfahren meines Großvaters in väterlicher Linie offenbar aus den litauischen Regionen, waren somit womöglich „alteingesessen“; immerhin trug das nordöstliche Ostpreußen von der Region um Gumbinnen bis hinauf nach Memel früher die offizielle Bezeichnung „Preußisch Litauen“.

Über eine Internetrecherche stieß ich auf die Adressbücher von Gumbinnen, und dort fand sich in der Ausgabe von 1895 tatsächlich ein Eintrag, meinen Urgroßvater betreffend: Fritz Nikoleit, Maurer, Wohnort Pruszischken bei Gumbinnen. Dieses Pruszischken, ein Dorf an der Rominte unweit der Kreisstadt Gumbinnen, war auch der Geburtsort meines Großvaters; später zog die Familie dann wohl nach Gumbinnen, wie Adressbücher aus nachfolgenden Jahren belegen.

Den Heiratseintrag des Friedrich/Fritz Nickoleit fand ich schließlich beim Durchstöbern von Kirchenbüchern in einem Forschungszentrum der LDS (Latter-Day Saints, landläufig „Mormonen“), leider waren allerdings nur die Väter der Brautleute angegeben. So erfuhr ich, dass Friedrich der zweite Sohn des Maurers David Nicoleit war, und als Trauzeuge wurde ein Emil Nicoleit aufgeführt, von Beruf ebenfalls Maurer. Über Generationen hinweg waren die Nickoleits also Maurer! Bei diesen beiden Fundstellen war ich auch auf zwei abweichende Schreibweisen des Familiennamens gestoßen, wie im Endeffekt zu erwarten gewesen war.

Das Veröffentlichen des Stammbaums auf den diversen Internet-Plattformen förderte dann auch noch entfernte Verwandtschaft zutage, als sich eine Nachfahrin einer Urgroßtante bei mir meldete!

Das war es dann allerdings auch mit der Nickoleit-Linie – zumindest vorläufig. Bisher habe ich die Kirchenbücher von Gumbinnen noch nicht einsehen können; zum einen fehlte die Gelegenheit für eine Reise nach Berlin bzw. Leipzig, zum anderen waren die Bände bei der LDS bisher nicht zum Ausleihen verfügbar. Also, hier warten noch Arbeit und Entdeckungen!

Der nächste Name in meinem „Namensquartett“ war: Kamrowski. Dieser Name deutet mit seiner Endung auf einen slawischen Ursprung hin. Aufgrund der räumlichen Zuordnung und der Siedlungsgeschichte Ostpreußens kann man wohl am ehesten einen masurischen Ursprung annehmen, aber auch eine polnische Quelle ist denkbar – zum jetzigen Stand ist das allerdings nur Mutmaßung.

Nach Trägern dieses Namens habe ich lange vergeblich gefahndet. Es schien diesen Namen einfach nirgendwo mehr zu geben oder gegeben zu haben. Dann fand ich im Kirchenbuch Walterkehmen den Heiratseintrag für Friedrich Nickoleit und Maria Kamerowski, mit einem Querstrich über dem „m“, der für eine Dopplung des Konsonanten steht (was früher üblich war). Da hatte ich nun eine differierende Schreibweise nicht nur für Nickoleit, sondern auch für „Kamrowski“! Offenbar hatte mein Großvater diesen Namen „nach Gehör“ geschrieben oder es gab tatsächlich unterschiedliche Schreibweisen? Zumindest wusste ich nun, dass ich nach zwei weiteren Schreibweisen suchen muss: Kamerowski und Kammerowski. Es bestätigte sich wieder einmal, dass man nach keinem Namen suchen sollte, ohne alternative Schreibweisen zu berücksichtigen!

Der Name, in beiden Schreibweisen, ist extrem selten. Es gibt in Deutschland für beide Schreibvarianten kaum Namensträger; aber ob die dann mit „meinen“ Kam(m)erowskis verwandt sind?

Wie schon oben erwähnt, waren im Heiratseintrag nur die Namen der Väter angegeben. Zwar fand ich auch noch einen Eintrag für die Geburt der Maria Kammerowski (1853), aber lediglich in einem Geburtsregister, und wieder war nur der Name des Vaters, Wilhelm Kammerowski, eingetragen – leider! Kammerowskis fand ich nun in den Kirchenbuch-Listen und -Eintragungen in größerer Anzahl (und in unterschiedlichster Schreibweise), wobei allerdings unklar blieb, ob und welche verwandtschaftlichen Beziehungen zwischen diesen Personen bestanden, da ich (noch?) keine älteren Unterlagen gefunden habe, die hierüber Aufschluss geben könnten.

Wilhelm Kammerowski wird noch einmal erwähnt, und zwar 17 Jahre nach der Geburt von Maria als Vater eines Sohns. Hier ist auch die Mutter angegeben: Elisabeth Kablechner. Waren diese beiden auch die Eltern der Maria? Noch muss auch hier das Fragezeichen bleiben… Auch Versuche, über den Namen der Mutter an Informationen über dieses Paar zu gelangen, schlugen bisher fehl. Der Name „Kablechner“ scheint nicht zu existieren. Lediglich einmal ergab sich bei einer Internet-Suche ein Treffer, doch dann stellte sich heraus, dass es sich um eine Person mit dem Namen „Koblechner“ handelte, und dass dieser Name offenbar falsch übertragen worden war – eine Parallele zum Kirchenbucheintrag? Koblechners wiederum gibt es, sie stammen aus dem südlichen Bayern, als aus einer Gegend, durch die die Salzburger Exulanten-Trecks (davon an anderer Stelle mehr!) gezogen waren. Hatte sich womöglich dort jemand einem solchen Treck angeschlossen? Man sieht, auch hier stehen am bisherigen Ende der Entdeckungsreise mehr Fragen als zu Beginn!"

Kommentare (3) Trackbacks (0)
  1. Hallo,

    ich betreibe "nbenbei" auch Ahnenforschung und könnte evtl. weiter helfen, was den Namen Kamerowski betrifft, da ich unter diesem geboren wurde. Mein Stammbaum ist unter anchestry zu finden
  2. Hallo,
    vielen Dank für die Rückmeldung, das interessiert mich natürlich sehr!
    Unter welchem Stichwort sollte ich bei ancestry suchen? "Kamerowski" ergibt leider keine Treffer bei den Stammbäumen und Mitgliedern...
    Gruß
    Franz Peter
  3. Hallo Franz Peter,

    bei verwandt.de habe ich gelesen, dass du auch nach Bartolain suchst. Ich bin ein Nachfahre von Schweizer Siedler dieses Namens aus der Gemeinde Walterkehmen bei Gumbinnen.
    Würde mich über eine email freuen.

    Gruß Rene

    mail: wtst at gmx.de

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