15    Jan 20130 Kommentare

Heute vor 41 Jahren: Skandal um Straßenfeger-Finale

So spannend waren sie, dass die Straßen praktisch menschenleer waren, also, wie leer gefegt - so wurden Sendungen des deutschen Fernsehens Ende der 1950er, Anfang der 1960er Jahre mit sehr hohen Einschaltquoten bezeichnet.

Aufgrund des großen Erfolgs der mehrteiligen Paul-Temple-Hörspiele von Francis Durbridge, entschied man sich beim WDR, das Format auch im Fernsehen zu benutzen. Nach und nach wurden mehrteilige Kriminalfilme produziert, die wie die Hörspiele auf Drehbüchern des britischen Kriminalschriftstellers Durbridge basierten.


Im Januar 1962 lief dann der dritte Durbridge-Film "Das Halstuch" im deutschen Fernsehen und löste eine unglaubliche Begeisterung in allen Bevölkerungsschichten aus. Alle blieben zu Hause. Theater, Kinos, Volkshochschulen waren praktisch leer, die Taxis fuhren nicht; Arbeiter, die Nachtschichten machen mussten, fielen aus; Parlamentarier im Kieler Landtag kürzten ihre Reden, um früher zu Hause sein zu können - alle wollten wissen, ob der Polizeiinspektor Harry Yates den Mörder von der jungen Faye Collins finden würde.

Und die Bundesrepublik war empört, als der Berliner Kabarettist Wolfgang Neuss in der Berliner Boulevardzeitung "Der Abend" einen Tag vor Ausstrahlung der letzten Folge eine Zeitungsannonce für seinen Kinofilm schaltete, um das Publikum aufzufordern ins Kino zu gehen, anstatt das große Finale anzuschauen: "Ratschlag für morgen (Mittwoch Abend): Nicht zu Hause bleiben, denn was soll's: Der Halstuchsmörder ist Dieter Borsche... Also: Mittwochabend ins Kino! Ein Kinofan (Genosse Münschhausen)."

Wolfgang Neuss (3.v.l.) bei der Verleihung des Berliner Kunstpreises für Film und Fernesehn (1964)

Neuss bekam infolge seiner Annonce Morddrohungen und die Bild-Zeitung bezeichnete ihn als Vaterlandsverräter. Neuss erklärte bis zu seinem Tod im Jahr 1989, den Mörder lediglich richtig erraten zu haben, aber es gab auch Hinweise, dass Neuss' Mutter und die Ehefrau des mitwirkenden Schauspielers Dieter Borsche dieselbe Pediküre in Berlin besuchten und dabei die streng vertrauliche Information weitergegeben worden sein könnte.

Könnt ihr euch noch an diesen Straßenfeger erinnern? Oder vielleicht an einem anderen? Habt ihr zusammen mit eurer Familie oder mit Nachbarn die Halstuch-Folge angeschaut? Gibt es heute noch Kriminalfilme, die die Bezeichnung Straßenfeger verdienen?

Quelle (Bilder + Text): Wikipedia.de

Kommentare (0) Trackbacks (0)

Zu diesem Artikel wurden noch keine Kommentare geschrieben.


Kommentar schreiben

Abschicken

Bitte Ihren Kommentar schreiben
Bitte geben Sie Ihren Namen ein
Bitte geben Sie Ihre Email-Adresse ein

Noch keine Trackbacks.

Über uns  |  Datenschutz  |  Weiterempfehlen  |  Support  |  Sitemap
Copyright © 2014 MyHeritage Ltd., Alle Rechte vorbehalten