9    Jan 201310 Kommentare

Ahnenforschung – Sternenkinder

"Kleinstkindergrab" auf dem Hauptfriedhof Karlsruhe. Im Gemeinschaftsgrab im Vordergrund werden fehlgeborene Kinder beigesetzt. Im Hintergrund sid Einzelgräber totgeborener und früh verstorbener Kinder. Quelle: Wikipedia.de

Was macht ein Mensch zu einem Mensch? Ab wann ist ein Fötus so weit, dass er als Person gilt und in dem Familienbuch der Eltern eingetragen werden darf? Wieso darf ein Kind nicht bestattet werden, wenn es das Gewicht von 500 Gramm nicht erreicht hat?

Mit diesen und anderen Fragen sind "Eltern" konfrontiert, die eine Tot- oder Fehlgeburt hinter sich haben. Wenn das Gewicht von 500 Gramm nicht erreicht wird, gilt nicht einmal die Bezeichnung Eltern, da laut dieser Definition das Kind nie existiert ist.

Hierzulande gilt die Personenstandsgesetzgebung, die besagt, dass ein Eintrag von Kindern von weniger als 500 Gramm in das Personenstandsregister nicht zugelassen ist. Viele Friedhöfe verweigern eine Bestattung in solchen Fällen, da nur Personen beerdigt werden dürfen, aber keine Totgeborenen. Diese stehen formal "auf einer Stufe mit 'Kliniksondermüll' wie herausoperierten Blinddärmen oder Geschwüre" und werden in einigen Krankenhäusern entsprechend entsorgt (Die Welt).

Um diese Lage zu ändern hat das hessische Elternpaar Barbara und Mario Martin, das 2007 und 2008 drei Kinder früh verloren hatte,  eine Petition über eine Änderung der Personenstandsgesezgebung an den Bundestag gerichtet. Das Ziel ist es, dass auch ein totes Kind mit weniger als 500 Gramm auf dem zuständigen Standesamt beurkundet werden kann. Idealerweise solle eine Eintragung für alle fehlgeborenen Kinder ab Feststellung der Schwangerschaft möglich werden. Diese Kinder werden oft Sternenkinder genannt, die "den Himmel (poetisch: die Sterne) erreicht haben, noch bevor sie das Licht der Welt erblicken dürften" (Wikipedia.de).

Mich hat diese Diskussion um die Sternenkinder vor allem interessiert, weil mich vor kurzem eine Freundin gefragt hat: "Wie ist es in der Ahnenforschung, wenn ich ein Sternenkind hatte? Darf ich seinen Namen auf meinen Stammbaum eintragen? Oder ist es nicht erlaubt?"

Dieses ist natürlich ein sehr ergreifendes Thema, aber im Rahmen der Ahnenforschung kann ein Sternenkind z.B. als ein Totgebores eingetragen werden.

Was denkt ihr darüber? Habt ihr solche Fälle in der Familie? Wie habt ihr euch entschieden? Wurden die Sternenkinder in den Stammbaum eingetragen?

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  1. Ich trage meine Sternenkinder immer bei mir und gebe sie auch immer an. Sie haben meiner Meinung nach ein Recht darauf angegeben zu werden. Sternenkinder sind in meinen Augen, auch wenn sie weniger wie 500 g hatten, Menschen. Ihre Herzchen haben geschlagen nur leider waren sie zu schwach.
  2. Wir haben 2 Kinder verloren, eines um die 20. Woche und das andere um die 24./25. Woche herum. Das eine konnte ich sehen und es hatte alles an sich, was einen Menschen ausmacht! Es war eben nur um einiges kleiner als ein Neugeborenes. Unser Sohn wog etwas über 600 g, die Tochter etwas weniger. Ich habe beide gespürt, als sie noch lebten. Uns hat dieses Thema damals sehr beschäftigt. Wir kamen zu dem Schluss, dass wir sie beide in unseren Familienstammbaum bzw. in unseren Familiengruppenbogen eintragen, u.z. mit dem Sterbedatum. Sie bekamen beide Namen. Leider war es damals noch nicht üblich, dass man sie in einem Gräberfeld für Sternenkinder beerdigen konnte, es hätte mir viel bedeutet. Aber das kam erst kurz danach auf. Für uns sind sie ein Teil der Familie und wir wissen, dass sie dort sind, wo wir alle einmal hingehen werden - dort warten sie auf uns!
  3. Gut, dass dieses Thema endlich publik gemacht wird.
  4. Unsere Kinder sind zum Geburtstermin gesund zur Welt gekommen! Aber das ist nicht unser Verdienst, sondern großes Glück, andere Eltern hatten dieses Glück nicht und haben nicht einmal einen Ort, wo ihr Kind begraben ist und sie ihm nahe sein können.
    Natürlich dürfen, sollen, MÜSSEN auch die Totgeburten eingetragen ( und beerdigt) werden, egal ob sie im 5.Monat der Schwangerschaft oder erst im neunten Monat direkt vor der Geburt im Mutterleib gestorben sind!
    Es ist doch Schicksal, ein Kind mit 550 Gramm kommt lebend zur Welt und wird durch die Medizin-Fortschritte gerettet, ein anderes Kind kommt vielleicht 2000 Gramm schwer, tot zur Welt- oder eben umgekehrt! Beide sind doch unsere Kinder!! Wer, ausser den Eltern, hat zu entscheiden, wie man damit umgeht? Man kann nur hoffen, dass sich auch gesetzlich bald etwas ändert. Die Eltern sollten ermutigt und in ihrer Trauer begleitet werden,um so ihr Schicksal anzunehmen und dadurch den Verlust zu verarbeiten.
  5. Richtig, Christiane, man sollte die Entscheidung über das Vorgehen den Eltern überlassen.
    Warum mischt sich der Staat da ein? Da gäbe es Dringenderes, das reglementiert werden müsste....
  6. Meine Eltern haben drei Kinder verloren - einmal Zwillingsjungs 1946 und 1951 einen einzelnen Jungen. Das war aber bevor ich geboren wurde und ich kann meine Eltern nicht mehr dazu befragen - ich habe sie auch nicht im Stammbaum eingetragen.
    Nachdem ich dann endlich auf der Welt war, wurde nicht mehr viel darüber gesprochen, aber ich weiß, daß meine Eltern sehr darunter gelitten haben, sie nichtmal richtig beerdigen zu können ...
    Nach Unterlagen zu forschen wäre wohl heutzutage sowieso sinnlos.
  7. Ich trauere um drei Enkelkinder, die sternenkinder geworden sind. Für meine Tochter ist es ganz wichtig, dass es in Hannover für diese Kleinen einen Platz auf dem Friedhof gibt. In unseren Herzen bleiben Sie für immer!
  8. ach fps, ich wohne nicht in Deutschland, aber imer wenn ich besuch komme, finde ich: In Deutschland ist alles reguliert oder verboten. Der Staat reglementiert doch schon viel zu viel.
    Das ist aber von tema ab.Meine Grosmutter war in Deutschland geboren und hatte 13 Kinder geboren, 7 sind gleich nach der Geburt oder naechster tag odee zwei Tage spaeter geboren. Es tut mir in meiner Seele weh, wenn ich daran denke was hat sie nur mit
    den kleinen Wesen getan. Damals war noch kein Hospital geburten.
    Und nun ist das immer noch so? da koennte man nur weinen. man denkt da ja nicht daran, wen mann nicht damit confrontiert wird.
    Man kann nur duer sie beten.
  9. Auch "Sternenkinder" sind - meist - "Kinder der Liebe" und sollten völlig zu Recht nicht vergessen zu werden ... ich votiere für "eintragen" ...
  10. Selbstverständlich habe auch ich alle Totgeburten in meiner Ahnenforschung aufgenommen. Die Eltern haben auch zu diesen Kindern vor der Geburt eine Beziehung aufgebaut.

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