16    Nov 20124 Kommentare

Meine Familiengeschichte: Hans-Peter Geis

Hans-Peter Geis

Vor kurzem hat Hans-Peter Geis MyHeritage entdeckt, nachdem er unseren Blogpost über die gemeinsamen Vorfahren und Sprachwurzeln zwischen Briten und Deutschen gelesen hat. Herr Geis hat ein sehr interessantes Buch geschieben: "Bauer Bürger Arbeitsmann. Geschichte der Menschen deutscher Sprache" und hat sich netterweise bereit erklärt, über Ahnenforschung, seinen Stammbaum und sein Buch zu sprechen.

Das Ergebnis ist eine 3-teilige Reihe, die wir heute anfangen! Die nächsten zwei Blogposts werden nächsten und übernächsten Freitag erscheinen.

Viel Spaß beim Lesen!

"Ja, auch ich "betreibe" Genealogie. Wenn man damit die Beschäftigungm it seinen Vorfahren meint. Nachdem ich Rentner geworden war, hatte ich all das hervor gekramt, was mein Vater mir hinterlassen hat. Dazu gehörte sein "Ahnenpass", mit dem er, wie die meisten damals, nachweisen musste, dass unter seinen Eltern und Großeltern und denen seiner Frau keine Juden waren. Und all die Briefe an Standesämter und Pfarrämter, die zu schreiben waren, um etwas über seine Vorfahren zu erfahren und die Antworten darauf. Ich erinnere mich noch, wie spannend für mich als 12-13-Jährigen das Puzzlespiel war, um jedem Verwandten seinen Platz im Stammbaum zuzuweisen. Mein Vater, meine Mutter und ich, wir sprachen viel darüber, wenn wieder eine Antwort kam, die ihn - und uns - ein Stückchen weiter brachte und uns ein bisschen mehr über unsere Vorfahren erfahren ließ. Und jedes Mal, wenn er einen neuen gefunden hatte, bekam er Lust, dessen Vorfahren weiter zurück zu verfolgen.

Denn was wussten wir schon über sie? Ziemlich wenig. Dass die namengebende Familie meines Vaters von der Lahn aus der Limburger Gegend kam, seine Mutter aus Mainz. Dass der Vater meiner Mutter aus der Altmark kam (ich hatte keine Vorstellung davon, was das war, die "Altmark"), einer seine Brüder war nach Amerika ausgewandert, und ihre Mutter war aus Danzig, mit Wurzeln in Ostpreußen.

Da taucht dann ein Martin Schmitt aus Hagenau auf, na ja, da weiß man, das liegt im Elsass. Und ein Heinrich Christoph Nödling aus Flarchheim, der 1789 eine Katharina Christina Meister aus Ufhoven heiratet, und ein Franz Josef Ziegelmair aus Hochaltingen heiratet 1790 die Catharina Barth aus Presberg - von dem Ort wissen wir wenigstens, dass er im Taunus liegt, aber die Namen der anderen Orte - es waren noch mehr - hatten wir nie gehört.

Am weitesten zurück kamen wir beim Großvater der obigen Katharina Christina Meister, der im Jahr 1672 geboren wurde. Von dessen Vater kennen wir immerhin noch den Namen. Auf der Geis-Linie kamen wir nur zurück zum Johann Georg Geiß, geboren 1738 in Villmar an der Lahn, meinem Ur-Ur-Ur-Großvater. Die Schreibweise "Geis" beginnt übrigens mit seinem Enkel, meinem Urgroßvater.

Bei einer der Großmütter meiner Mutter ließ sich deren Vater in keinem Kirchenbuch finden. Der Name Benjamin Sohn, Beruf "Kleidermacher" in Königsberg, könnte darauf deuten, dass er Jude war. Für uns hatte das keine Konsequenzen.

Und dann waren da noch mehrere Kartons voller Familienbilder. Gott-sei-Dank hatte ich meinen Vater auf seine alten Tage noch dazu gebracht, auf die Rückseiten der Bilder die Namen der Abgebildeten zu schreiben. Schön, dass man sehen kann, wie alle die Verwandten ausgesehen haben, deren Namen ich vielleicht kannte, die ich aber nie gesehen hatte. Doch: Was nutzen Bilder in einem Karton? Heute kann man sie einscannen und ins Netz stellen - das habe ich auch gemacht. Aber damals - es war lange vor dem Internet - gab es so etwas noch nicht. So wollte ich mit ihnen einen illustrierten Familienstammbaum zusammen stellen.

75.Geburtstag meines Großvaters zusammen mit Frau, Kindern und Schwiegerkindern

Vorher musste ich noch ein paar Löcher stopfen. Zuerst wollte ich wissen, ob man die Geise nicht noch über den Johann Georg hinaus verfolgen kann. Da musste ich in den alten Kirchenbüchern suchen, die liegen in Limburg an der Lahn, im Archiv des Bistums. Das hatte damals schon einen eigenen Lesesaal, der so gut besucht war, dass ich mich eine Weile vorher anmelden musste. Der Johann Georg war bald gefunden, geboren 1738 in Villmar als Sohn des Johannes Geiß, doch der Pfarrer schrieb neben den Geburtseintrag, er sei im Alter von 7 Jahren gestorben. Aber 1776 taucht gar nicht so weit weg in Elz ein Johann Georg Geiß auf, der dort die Barbara Müller ehelicht. Hat der Pfarrer in Villmar sich geirrt, als er den Eintrag von seinem Tod ins Kirchenbuch machte, vielleicht den Überblick verloren? Andererseits muss er den Johannes Geiß, den Vater von Johann Georg, gut gekannt haben, denn der war im Gemeinderat. So steht heute auf meinem Stammbaum zwischen dem Vater Johannes und dem Sohn Johann Georg ein Fragezeichen.

Ausgehend vom Johannes ließ sich des Name Geiß fünf Generationen zurückverfolgen bis zu Eberhard Geiß, der etwa 1570 geboren sein muss. Dass mir das gelang, das war das schönste Erlebnis meiner Ahnenforschung.

Aber da waren noch weitere Löcher: Daten hatte ich nur für die Generation meiner Eltern und die davor. Ohne die Daten meiner eigenen Generation schien mir mein Stammbaum unvollständig. Meine Mutter hatte keine Geschwister, zwei Vettern und eine Kusine in Amerika waren jung gestorben. Ein älterer Bruder meines Vaters war in die Berliner Gegend gezogen und im ersten Weltkrieg vermisst. Er hatte Kinder. Ein Sohn hatte uns einmal besucht. Und eine Schwester meines Vaters hatte nach Holland geheiratet. Auch sie hatte Kinder. Ich hatte einige Adressen, und über die bekam ich Kontakt in beide Richtungen, bekam weitere Adressen, Geburtsdaten und Bilder. Die Arbeit mit dem Stammbaum konnte beginnen.

Als der fertig war, lud ich alle Lebenden ein, mit mir zusammen dort meinen 70.Geburtstag zu feiern, wo die Geise herkommen, an der Lahn. Sie kamen, darunter aus der früheren DDR, aus Holland, aus Norwegen, ja sogar aus Australien.

Deutsche und holländische Verwandte suchen bei der Feier zu meinem 70.Geburtstag ihren Platz auf dem Stammbaum.

Wie der Stammbaum aussieht, darüber schreibe ich im nächsten Blog. Außerdem über Orte, an denen meine Vorfahren lebten und die ich besucht habe, unter anderem in Ostpreußen."

Wir bedanken uns sehr herzlich bei Herrn Geis und freuen uns schon auf die zwei weiteren Teile seiner Geschichte! Wer mehr über sein Buch erfahren möchte, kann es unter http://www.bauer-buerger-arbeitsmann.de/ lesen.

Kommentare (4) Trackbacks (2)
  1. Ich finde es toll, wenn man von seinen Vorfahren mehr als nur die Namen und vielleicht noch Geburts / Sterbe daten kennt. Sie haben allen Grund auf Ihre Arbeit stolz zu sein.
  2. Lieber Herr Geis. ich weiss wieviel Arbeit und auch Freude in einem Stammbaum stecken. Das Ungewisse wo die Forschung uns auf diesen Erdball oder Gegend uns treibt, wo unsere Lebenslinien uns führen, dass macht doch die Genealogie aus.
    Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihren Forschungen mit diesen tollen PC-Programm
  3. Mir gefällt, was Herr Geis zu seiner Familie schreibt. Ich kann ihn nur beneiden um die offensichtlich doch reichlich vorhandenen Quellenangabe und noch vorhandenen persönlichen Unterlagen und Fotos. Leider bin ich nicht in der gleichen Situation. Als Umsiedler haben mir meine Eltern leider keinerlei Unterlagen zu unserer Familie hinterlassen, ja selbst Fotos sind nicht vorhanden, die ich zuordnen könnte, da Personenangaben dazu fehlen. Leider bin ich erst im Rentenalter auf den Gedanken gekommen, mich näher mit meinen Ahnen zu befassen und darum ist mein Stammbaum sehr dürftig. Auch finde ich nur geringe Unterstützung von meinen lebenden Verwandten bei meinem Bemühen, die Geschichte der Familie zu erforschen und für die Nachwelt zu sichern.
    Ihnen Herr Geis weiter viel Erfolg dabei.
  4. Wertvoll sind Menschen,
    die es schaffen,
    anderen Menschen ein Lächeln ins Gesicht zu
    zaubern... einen Tollen Freitag ,,Merci
    Shalom

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