24    Mai 201216 Kommentare

Kriegsgefangener in Deutschland

Kriegsgefangener Roger Dubuc 67838 AK 7106

Vor zwei Monaten haben wir euch unsere französische Kollegin Elisabeth hier im Blog vorgestellt. Sie selbst ist begeisterte Ahnenforscherin und sucht seit längerem nach Informationen zu ihrem Großvater. Der Beitrag von heute ist eine Übersetzung aus ihrem französischen Blog. Wir hoffen, dass die deutschsprachigen Leser Elisabeth bei der Suche weiterhelfen können.

Während des Zweiten Weltkrieges waren fast eine Million Franzosen und 225.000 Belgier Häftlinge in Deutschland.

Mein Großvater mütterlicherseits war einer von ihnen. Ich weiß sehr wenig über diese Zeit seines Lebens, und ich muss umfangreiche Forschungen unternehmen, um viele Fragen beantworten zu können, beginnend mit der Suche nach seinen militärischen Datensätzen in den Abteilungs-Archiven, um seine Einarbeitungsnummer zu erhalten.

Als Gefangener in Stalag XB, in der Nähe von Sandbostel, in Niedersachsen, hat er wie viele andere Gefangene auf einem Bauernhof gearbeitet. Der besondere Umstand dieser gemeinsamen Situation ist, dass mein Großvater sein ganzes Leben lang mit der deutschen Familie, für die er arbeitete, per Brief in Kontakt gewesen ist. Als meine Mutter im August 1950 geboren wurde, war eines der Geschenke meines Großvaters ein ziemlich süßes Kleid, das aus Deutschland kam.

Ich habe leider nicht die Möglichkeit gehabt meinen Großvater kennenzulernen. Er starb im Alter von 53 Jahren, als ich gerade mal 5 Monate alt war. Und die Briefe, die er mit dieser Familie ausgetauscht hat, sind zurzeit nicht verfügbar.

Mein Großvater (links) und die deutsche Familie, die ich suche (in Sandstedt?)

Kriegsgefangener Roger Dubuc 67838 AK 7106, im November 1941

Ich arbeite jetzt an einer neuen Forschungsgeschichte meiner Familie: ich sammle alle möglichen Informationen über diese bedeutende Zeit im Leben meines Großvaters. Und vor allem die Identifizierung und Lokalisierung der deutschen Familie.

AK 714

Erste Enttäuschung: es fehlen die offiziellen Listen der französischen Gefangenen in den deutschen Militärbehörden zwischen August 1940 und Juni 1941. Die vier "Roger Dubuc", die identifiziert wurden, sind Homonyme.

Nach Kontaktaufnahme mit der Stiftung Lager Sandbostel (Dokumentationszentrum und Gedenkstätte des Lagers Sandbostel), habe ich die ersten (mageren) Informationen geerntet: seine Gefängnis-Nummer (67838) wird durch die Anzahl entsprechend dem Arbeitsplatz gefolgt. AK 714 (AK = Arbeitskommando) bezeichnet die kleine Stadt Sandstedt bei Bremen. Aber was ist mit AK 7106? Nächster, deutscher Schritt: die Wehrmachtsauskunftsstelle (Deutsche Dienststelle) in Berlin, die hoffentlich weitere Informationen zur Verfügung stellen können.

Einige von euch haben wahrscheinlich solche ähnlichen Erfahrungen in der eigenen Ahnenforschung gemacht.

Ich lade euch herzlich ein mit uns die Geschichte dieser Forschungen in den Kommentaren unten zu teilen.

Kommentare (16) Trackbacks (0)
  1. Am Bauernhof meines Großvaters in Österreich lebte auch in den Kriegsjahren ein Franzose namens Rogy, von dem mein Vater viel erzählte. Er lernte am Hof eine weitere Kriegsgefangene, Maria aus der Ukraine, kennen, die von ihm in den letzten Kriegsmonaten ein Kind erwartete.
  2. Meine Mutter erzählte einige Male von einem französischen Arbeiter auf einem Spargelhof in Beelitz bei Berlin. Meine Eltern waren dorthin ca. 1943-44 aus Berlin evakuiert worden und von dort im April '45 nach Elmshorn geflüchtet.
    Dieser Arbeiter hiess wohl Mathieu. Ob er Kriegsgefangener war oder Zwangsarbeiter ist mir nicht bekannt.
    Vielleicht liest dies jemand in Frankreich und weiss mehr.
  3. Vielleicht kann die Gedenkstätte des ehemaligen Stalag-Lagers Trutzhain weiterhelfen. Trutzhain ist heute ein Ortsteil von Schwalmstadt - Ziegenhain in Hessen. Dort waren auch Franzosen inhaftiert. Sogar ein späterer ehemaliger Franz. Staatspräsident.
  4. Der Sprachgebrauch ist an ein paar Stellen nicht korrekt. Hier dreht es sich um Kriegsgefangene und nicht um Gefängnisinsassen. Es waren also nicht 1 Million Franzosen und 225000 Belgier in Deutschland als "Häftlinge". Sie hatten also keine "Gefängnisnummern" sondern "Kriegsgefangenen-Nummern". Die Behandlung der westlichen Kriegsgefangenen, ihre Unterbringung, ihr Einsatz geschah streng nach den Regeln des Völkerrechts.

    Die vielen, die auf Bauernhöfen arbeiteten, ersetzten dort - verrückte Welt - den Familienvater, der zur Wehrmacht eingezogen war. Wie vertraut das Verhältnis der Kriegsgefangenen zu "ihren" Famlien war, deuten die beiden Fotos an. Ich habe es selbst als Arbeitsdienstmann auf einem Bauernhof im Hunsrück erlebt.
  5. Das erste Foto zeigt meines Erachtens eindeutig auf den kleinen Ort Sandstedt in der Nähe von Hagen, zwischen Bremen und Bremerhaven gelegen, hin Im Hintergrund ist die Kirchturmspitze zu sehen, deren Turmhelm in sich gedreht ist. Ich kenne die Kirche, weil ich beruflich mit der Renovierung zu tun hatte.
  6. Bin auch auf MKVille gestodfen, hab dann aber die Datei im Ordner Application Data' nicht gefunden. Sie sind natfcrlich im Ordner Anwendungsdateien'. Danke, hast mir sehr gloeefhn!
  7. Mein Vater Kriegsgefangener aus Serbia in Stalag XIIIA , Er arbeit auf eine Farme in Dorf Straubing in eine zer gute Familie.
    Mein Vater ist tot. Ich schreibe buch mit photographi meine Familie. Ich habe photographi mein Vater auf Farme. Mein Varet heise Milovan Nikolic. Ich wunsche kontak mit Familie aus Straubing.
    Dank schon.
    Slavica
  8. Hallo, bin durch Zufall darauf gestossen: Ich lebe in der Nähe von Sandstedt und werde Dir die Adresse zukommen lassen. ok?
  9. Hallo Berend, welche Adresse möchtest du uns zukommen lassen?
  10. Hallo,
    ist die Adresse wo das Foto mit dem Großvater gemacht wurde, inzwischen bekannt?
    Ich wohne in Sandstedt und habe über ältere Dorfbewohner erfahren, bei welcher Familie in Sandstedt das Foto gemacht wurde.
  11. Hallo Saans,

    das ist ja großartig! Nein, die Adresse ist noch nicht bekannt. Wärst du so nett und würdest mich über germany@myheritage.com anschreiben?

    Schöne Grüße
    Silvia
  12. Bei meinem Großvater im Kreis Annaberg / Erzgebirge war ein französischer Kriegsgefangerner ,namens Michel aus Paris als Helfer in der Landwirtschaft tätig.
    So wie meine Mutter und Opa immer von ihm gesprochen haben,war kein Feind,sondern ein Soldat ,der in den Wahnsinnskrieg reingezogen wurde ,wie so viele andere auch .

    Ich wurde im September 1945 geboren. In einem Streit mit einer meiner Schwestern sagte sie mir : "Du siehst ganz anders aus und bist auch ganz anders als wir". Mit dem "wir" meinte sie sich und noch zwei meiner älteren Schwestern.
    Ich war damals 1975 dreisig Jahre alt. Als ich meine Mutter gefragt habe,meinte sie ,es sei nicht wahr. Nun bin ich intwischen 68 Jahre und die Ungewissheit,ist der Vater meiner Schwestern auch meiner? Er ist im Januar 1945 im Lazarett gestorben. Meine Wesensart und mein Aussehen weicht schon etwas von den Schwestern ab. Ich bin sehr familiär und gefühlvoll.Vor vierJahren (2000)fiel mir das Familien-Stammbuch von meinen Eltern in die Hände und entdeckte ,dass meine drei Schwestern eingetragen waren ,nur ich nicht. Meine Mutter ist leider 1989 gestorben und kann diesbezüglich nicht mehr fragen.
    Auf der Geburts-Urkunde steht aber der Name vom Vater meiner Schwestern.
    Eine Angestellte von einem Standesamt erklärte dass dies wahrscheinlich damals so gehandhabt wurde ,um Nachteile für das Kind zu vermeiden.
    Kann jemand diese Vorgehensweise bestätigen ? Für eine Antwort bedanke ich mich schon im Voraus.
  13. Hallo Ruth,

    da zwischen dem Tod "des Vaters Deiner Schwestern" und Deiner Geburt weniger als 9 Monate lagen (wenn auch knapp), gab es für die Standesbeamten nicht unbedingt einen Grund, einen anderen Vater einzutragen oder auch nur deswegen nachzuhaken. Deine Mutter wäre nicht gut beraten gewesen, irgend etwas zu verlautbaren. So konnten Nachteile für alle Beteiligten vermieden werden.

    Wenn Du es aber unbedingt genau wissen willst: das wäre ein typischer Fall, wo eine DNA-Analyse Klarheit bringen könnte.

    Gruß, fps
  14. Hallo fps ,

    ich freue mich,dass Du auf meinen Beitrag so schnell geantwortet hast. Dafür ein Dankeschön an Dich.

    Der Vater meiner Schwestern ( und vielleicht auch meiner) hat am 10.12.1944 ,wegen der Taufe meiner Schwester , Urlaub gemacht.
    Es ist der letzte Urlaub gewesen ,weil er zu diesem Zeitpunkt schon an Malaria erkrankt war. So wie meine Mutter immer erzählt hat ,soll er damals schon geäußert haben,dass er nicht mehr nach Hause kommt.
    Er ist zwei Wochen später im Lazarett Frankfurt / Oder verstorben .
    Von dem Urlaub, bis zu meiner Geburt waren genau neun Monate vergangen.

    Eigentlich wäre ein Zweifel nicht angebracht ,wenn die Frau , die bei meiner Geburt dabei war ,die oben geschilderte Äußerung meiner Schwester nicht zugetragen hätte.

    Die Frau war immer bei uns ,wenn meine Mutter krank war.
    Also war sie über unser Familienleben informiert.
    Leider war sie schon verstorben ,als ich von Allem erfuhr.

    Die Idee mit einer DNA-Analyse habe ich auch schon in Erwägung gezogen ,aber da muss die Schwester eine Speichel-Probe abgeben ,und somit der Untersuchung zustimmen. So ist jetzt die Gesetzgebung .

    Gruß Ruth
  15. Hallo Hans -Peter Geis,

    Ihr Kommentar weckt bei mir Erinnerungen ,die meine Mutter und meine große Schwester oft erzählt haben.
    Mein Opa hatte eine Landwirtschaft und weil mein Vater in Italien als Kriegsgefangener war,fehlte auf dem Hof eine "Arbeitskraft".

    Ein Bote von der Gemeinde sei zu Opa gekommen ,um zu fragen
    ob er Hilfe brauche ?
    Er habe einen Franzosen ,der bei einem Bauer ist ,aber nicht gut behandelt wird.
    Opa war einverstanden ,und bekam gleich die Vorschrift ,wie er ihn zu behandeln hat.
    Also,er dürfe beim Essen icht mit am Tisch ,sondern an einem kleinen Tischchen abseits sitzen.
    Opa hat zu dem Gemeinde-Diener gesagt : "Wer mit mir arbeitet,der darf auch mit an meinem Tisch essen".

    Der Franzose sei so dankbar gewesen und hat seine Schwester in Frankreich beauftragt ,eine Puppe für meine Schwester zu schicken.
    Sie bekam tatsächlich eine Celluloid -Puppe ,die von ihr geliebt wird, bis zum heutigen Tag.

    Als die Kriegsgefangenen abgezogen wurden war die Freude auf sein Zuhause groß,aber auch traurug,dass er "seine Familie"
    verlassen musste.

    Mein Vater ist wie oben erwähnt ,nicht mehr aus dem Krieg zurückgekommen und deshalb war das Thema "Kriegsgefange" oft im Gespräch.

    Gruß Ruth
  16. Ich heisse B.LANGEVIN, Ich wohne in Frankreich und schreibe im Namen meiner Nachbarin Marie-Andrée TAMION
    Sie mÖchte Informationen über ihren Vater erhalten, der
    Kriegsgefangener war und arbeitete in Bauernhöfe in Pansdorf und Luschendorf.

    GOSSELIN, André ; Geburtsdatum : 14/02/1906 in La Caule Saint Beuve ( Seine Inférieure )
    STALAG X A
    N° 43196
    A K D O 764
    Ich danke Ihnen, mein Kommentar zu lesen und warte auf eine Antwort.

    Danke vielmal.

    Brigitte Langevin
    tifois@wanadoo.fr

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