11    Jul 20110 Kommentare

Ausstellung: Den Kelten auf der Spur

Wer waren die Kelten? Die Kenntnis dieser frühgeschichtlichen Gruppe ist bescheiden. Die einen denken an Asterix und Obelix, die anderen an Tier- und Menschenopfer. Ganz gerecht wird man den Menschen, die zwischen dem 6. und 1. Jahrhundert vor Christus nördlich der Alpen siedelten, mit beiden Klischees nicht. Sie schufen schönen Schmuck und Keramik, trieben Handel mit Italien und Griechenland und waren mutige Kämpfer. Nur eines taten sie nicht: „Es gibt keine schriftlichen Quellen zur eigenen Geschichte, nur Inschriften auf Schwerten, Gräbern oder Münzen“, sagt Caroline von Nicolai, Archäologin am Archäologischen Landesmuseum in Konstanz.

Die Darstellung der Kelten auf einem Gemälde.


Was man über die Kelten weiß, erfährt man über ihre Gräber und ihre Siedlungsreste. Dort findet man Schmuck und Grabbeigaben, kann Rückschlüsse über die Größe von Städten, deren Befestigung und über die Handelsströme ziehen. Langsam gewinnt das Bild Kontur. Erst im Dezember 2010 fand man ganz in der Nähe der Heuneburg bei Sigmaringen ein keltisches Fürstengrab aus dem 6. Jahrhundert vor Christus. Die Heuneburg gilt als älteste frühstädtische Siedlung nördlich der Alpen. Bis zu 5000 Menschen sollen dort gelebt haben. Anfangs waren es nur ein paar Bauernhöfe, später entstanden eine Burg und ein stadtähnliches Zentrum.

„Kelten“ nannten sich die Bewohner jedenfalls nicht. „Kelten – das war eine Fremdbezeichnung der Griechen und Römer“, sagt Dirk Krausse vom Landesamt für Denkmalpflege. Er leitet die Ausgrabungsarbeiten auf der Heuneburg. Bei den Griechen hießen sie „Keltoi“, bei den Römern „Galli“, also Gallier. Ob diese sich als Volk empfunden haben, muss zumindest bezweifelt werden. Die Menschen fühlten sich wohl eher als Häduer, Helvetier oder welchem Stamm sie eben angehörten.

Die einen paktierten mit den Römern, die anderen kämpften gegen sie. „Ein Gemeinschaftsgefühl hat sich wohl erst gegen diesen gemeinsamen Angreifer eingestellt“, sagt Krausse. Ihre früheste Erwähnung datiert von 600 v. Christus, als der griechische Geschichtsschreiber Herodot eine Polis (eine Stadt) der Kelten namens Pyrene an der Donau erwähnte. Da es keine anderen Fundstätten gibt, vermuten viele Archäologen, dass es sich dabei um die Heuneburg gehandelt haben könnte.

Im ersten Jahrhundert vor Christus kamen die Germanen. „Die Region wurde vollkommen germanisiert“, sagt Krausse. Die Helvetier wurden zwischen Germanen und Römern regelrecht zerrieben. Spätestens im 4. Jahrhundert verschwanden dann auch die keltischen Sprachen vom europäischen Festland. Nur Irisch-Gälisch, Altschottisch, Walisisch und Bretonisch lassen sich heute darauf zurückführen. Bei uns erinnern nur noch Namen wie Rhein (Renos), Dreisam (Tragisama), Bregenz (Brigantia) oder Genf (Genava) daran. Auch Gewannnamen wie „Aschäcker“ oder „Zimmerfeld“ verweisen auf keltische Brandgräber.

Es ist zwar noch etwas hin, aber vom September 2012 bis zum Februar 2013 werden die Funde der Heuneburg und vieles mehr in der großen Landesausstellung „Die Welt der Kelten“ in Stuttgart gezeigt. Mehr auch auf kelten-stuttgart.de.

Quelle: südkurier.de

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