15    Apr 2011Ein Kommentar

Geschichtswerkstatt schließt Ahnenliste ab

Heute um 19:30Uhr stellt die Geschichtswerkstatt Gieboldehausen ihr Ahnen-Projekt im Saal des Pfarramtes, Mittelstraße 1, vor.

Nach dreieinhalb Jahren und hochgerechnet mindestens 3300 Stunden mühsamer und unentgeltlicher Kleinarbeit, haben die Mitglieder der Geschichtswerkstatt Gieboldehausen nach dem Häuserbuch ein weiteres Großprojekt abgeschlossen: Die Erfassung der Kirchenbücher des Fleckens mit allen Taufen, Eheschließungen und Beerdigungen von 1694 bis 1910. Aus Datenschutzgründen dufrten Sie nicht näher an die Gegenwart heranrücken. Die chronologische Untergrenze setzte der große Brand von 1694. „Alles, was vorher war, ist in Flammen aufgegangen“, sagt Wehking.

Wehking ist mit 55 Jahren das Küken im Team. „Geduld und Ausdauer für diese Arbeit hat man wohl erst ab einem gewissen Alter“, schmunzelt Ortsheimatpfleger Gerhard Rexhausen (78). Dabei seien die Kirchenbücher noch ein Vergnügen gewesen im Gegensatz zur bereits zuvor erfolgten Aufarbeitung des Pfarrarchivs aus völlig ungeordneten Aktenbergen auf dem Dachboden des Pfarrhauses.

Aus Datenschutzgründen noch nicht erfasst: die Hochzeit von Maria Reimann und Adolf Adenau im Jahr 1924 .

Das Kirchenbuchamt der Diözese Hildesheim hat der Geschichtswerkstatt die eingescannten Seiten auf etlichen DVDs zur Verfügung gestellt, die Kirchenbücher der evangelischen Gemeinde ab 1861 wurden abfotografiert. Die bis dato wenigen Protestanten im Ort wurden von der katholischen Kirche mit aufgelistet. Erst in nachnapoleonischer Zeit wurde das Latein durch Deutsch ersetzt, die Angaben ausführlicher mit Nennung auch von Berufen, Todesarten und unehelichen Geburten. Abgerundet wird das Panorama der Gieboldehäuser Einwohnerschaft durch Personenbilder, die – soweit vorhanden – in die Datenbank eingearbeitet wurden.

Alle Einträge mussten entziffert, textgetreu abgeschrieben und in Tabellenform gebracht werden. Einfach war das nicht in einem Ort, in dem fast die Hälfte der Bevölkerung Döring oder Gerhardy hieß und auch viele Vornamen übereinstimmten. So gab es 194 Franz Sommer und 152 Maria Sommer von 1694 bis 1910. Unter den insgesamt 21 433 Personen der Datenbank, die zumeist gleich mehrfach als Täuflinge, Brautleute, Taufpaten, Trauzeugen und Verstorbene auftauchen, finden sich 1386 Dörings, 978 Gerhardys und 932 Mitglieder der Familie Sommer. „Daneben nehmen sich die Familien Bode und Grobecker mit 560 und 343 Mitgliedern vergleichsweise bescheiden aus“, bilanziert Wehking. Bei den Vornamen waren Maria (3668) und Johannes (3980) die Renner.

Aufschluss geben die Kirchenbücher im 19. Jahrhundert auch über die hohe Kindersterblichkeit, widrige Lebensumstände und bizarre Todesfälle – vom Verschlucken einer Stricknadel über den Stoß eines Ziegenbocks bis zum Pfarrer, der 1824 „am Altare beim Hochamte vom Schlage gerühret wurde“. „Wir haben Einblick in viele traurige Familienschicksale bekommen“, sagt Wehking und erwähnt auch „unseren Kriminalfall“ in einem Jahr, in dem im Ort auch die Cholera mit vielen Todesopfern ausbrach: Der Ackermann Adam Rudolph wurde am 29. August 1850 um 12 Uhr mittags am Kirchhof von seinem Schwiegersohn Lorenz Stölterbach erschossen. Wehking: „Wir wüssten gern, aus welchem Motiv, aber derartige Fragen bleiben leider offen.

Quelle & Bild: goettinger-tageblatt.de

Kommentare (1) Trackbacks (0)
  1. Wow, da kann man die Herren ( und Damen?) nur zu dieser grandiosen Leistung beglückwünschen. Ich weiss von einem bekannten was so eine Aufarbeitung für eine Wahnsinnsarbeit ist.

    Viel Erfolg und viele Interessierte für das heutige Event. ich hoffe es wird angemessen gewürdigt.

Kommentar schreiben

Abschicken

Bitte Ihren Kommentar schreiben
Bitte geben Sie Ihren Namen ein
Bitte geben Sie Ihre Email-Adresse ein

Noch keine Trackbacks.

Über uns  |  Kontaktieren Sie uns  |  Datenschutz  |  Weiterempfehlen  |  Support  |  Sitemap
Copyright © 2014 MyHeritage Ltd., Alle Rechte vorbehalten