16    Mrz 2011Ein Kommentar

Buchtipp: “Das Geheimnis des Notizbuches”

Bei der Suche nach ihren Familienwurzeln stößt die Deutsch-Britin Eve Haas auf Intrigen am preußischen Hof, eine tragische Liebe und ihre Verwandtschaft mit der britischen Königin.

Die gebürtige Berlinerin (heute 86 Jahre alt) lebt im Nord-Londoner Stadtviertel Highgate, ihr Vater Hans Jaretzki war ein bekannter Architekt, der seine Familie noch vor dem Zweiten Weltkrieg aus Deutschland retten konnte.

Eve Haas war 16, als er sie in ein lange gehütetes Familiengeheimnis einweiht, das sie mehr als sechs Jahrzehnte nicht mehr loslassen sollte. Die Lösung des Rätsels führt sie auf eine lange Reise in die Vergangenheit, die sich als ein abenteuerliches Unterfangen gestaltet und historisch so interessant ist, dass die Deutsch-Britin ihre spannende Suche jetzt in dem Roman „Das Geheimnis des Notizbuchs“ zusammengefasst hat.

Nach einem nächtlichen Luftangriff legte Hans Jaretzki 1940 seiner Tochter ein sehr altes, ledergebundenes Notizbuch in die Hand: „Die schöne Besitzerin dieses Buches ist mir kostbarer als mein eigenes Leben – August, Dein Beschützer“, lautete die Widmung in dem schmalen Band.

Die Besitzerin hieß Charlotte Gottschalk, Eves Urgroßmutter. Sie war, sagt Jaretzki, die Tochter von Prinz August von Preußen und Emilie Gottschalk, einer jüdischen Schneiderstochter. Mehr weiß der Vater allerdings nicht zu erzählen und ermahnt Eve Haas, keinesfalls weitere Fragen zu stellen.

Stammte sie tatsächlich vom preußischen Hochadel ab? „Mein Vater meinte, die Sache ließe sich nicht beweisen. Wir könnten uns nur lächerlich machen“, erinnert sich Eve Haas. Natürlich hatte er damit erst recht die Neugier des Teenagers geweckt.

Das Familienandenken verschwindet in einem Sekretär, es gibt wichtigere Dinge, die eine Emigrantenfamilie inmitten des Zweiten Weltkrieges zu bedenken hat. Zum Beispiel, was aus Anna, der geliebten Großmutter geworden ist, die in Prag zurückblieb und womöglich in die Hände der Nazis geraten war.

Eve Haas lässt die Sache auf sich beruhen, heiratet einen deutschen Emigranten und zieht drei Söhne groß. Sie arbeitet in einer Galerie, erledigt die Bestellungen von Queen Mary und schreibt für ein Lokalblatt. Erst als Vater und Mutter gestorben sind, begibt sie sich schließlich doch auf Ahnenforschung.

Nachdem eine Reise ins Zentralarchiv Preußischer Kulturbesitz in Berlin Dahlem kein Ergebnis bringt, überredet sie ihren Mann Ken zu einem Besuch des DDR-Archivs Merseburg. “Der britische Konsul warnte uns, dass er im Falle einer Festnahme nichts für uns tun könne”, erinnert sich die 86-Jährige mit einem schalkhaften Lächeln im Gesicht.

Von da an liest sich die Beschreibung ihrer Recherchen wie ein Spionagekrimi. Was Historikern Jahrzehnte lang verweigert wurde, gelingt Eve Haas mit Hartnäckigkeit, Charme und viel Glück. Die ostdeutschen Behörden erlauben ihr (in der Hoffnung ihren Mann als Spion zu gewinnen), Dokumente zu sichten, die vermutlich seit mehr als hundert Jahren niemand mehr in Händen hielt.

Hinter dem Eisernen Vorhang entdeckt sie, dass ihre Ururgroßmutter weder Gottschalk hieß, noch eine jüdische Schneiderstochter war. Emilie stammte in Wahrheit aus einer polnischen Adelsfamilie und hatte August, den schwerreichen Helden der napoleonischen Kriege, 1832 bei einem Ball kennen gelernt. Der Prinz, damals bereits über 50 und ein Lebemann, verliebte sich in das 15-jährige Mädchen und heiratete sie. Allerdings ohne die Zustimmung des Königs, der ihm bereits lange zuvor eine schwerwiegende Unterschrift abverlangt hatte: Prinz August hatte sich verpflichtet, keine legitimen Nachfahren zu hinterlassen. So war sicher gestellt, dass das Vermögen Augusts nach seinem Tod an die Krone zurückfiel.

Ich wollte meinen Vorfahrinnen Emilie, Charlotte und Anna ihre Identität zurückgeben”, erklärt Eve Haas ihre Suche und freut sich, dass der ehemalige Bundespräsident Horst Köhler sie vor ein paar Jahren nach Schloss Bellevue, in das frühere Zuhause Augusts, einlud. Aber dass die britische Queen, mit der sie über George I entfernt verwandt ist, um ein Exemplar ihres Buches bat, freut Eve Haas vielleicht noch mehr.

Quelle: Text und Bild: focus.de

Kommentare (1) Trackbacks (0)
  1. Eine wahre Geschichte???
    Nur wenige Recherchen zeigen, dass vieles in dem Buch zweideutig ist. Abbildungen der angeblichen Dokumente, welche die Geschichte bewiesen hätten, fehlen.

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