11    Feb 2011Ein Kommentar

Woher komme ich? Bericht von Familienforschern in Passau

Alte Schriften im Archiv

Archivgut

Die erste Frage, die jemand mit Interesse an der Familienforschung stellt ist: Woher stamme ich? Diese Frage beschäftigt heute immer mehr Menschen. Die Zahl derer, die nach ihren Vorfahren forschen wächst ständig, die Mittel zur Forschung ändern sich auch. Aber eins bleibt immer gleich: Die Suche ist meist spannend, zuweilen mühsam, aber vor allem eines: endlos.

Hubert Riesinger ist beispielsweise das 1000. Mitglied des Bayerischen Landesvereins für Familienkunde (BLF). Er hat zunächst auf eigene Faust nach den Vorfahren geforscht. Anhaltspunkte waren unter anderem alte Fotos und Geschichten in der Familie über den berühmten Onkel in Amerika.  Ein Höhepunkt seinerFamilienforschung war der Besuch der Familie in Amerika. Doch ist er mit seinen Forschungen noch lange nicht am Ende.

Zu einer seiner wichtigen Entdeckungen gehört eine Chronik, die bis ins Jahr 1701 zurückreicht. Leider sind darin immer nur die männlichen Familienmitglieder erwähnt. Hier stieß er auf ein bekanntes Problem in der Ahnenforschung: Die Frauen wurden in den Heiratsdokumenten häufig ohne Geburtsdatum vermerkt. Mütterlicherseits fehlen ihm deshalb viele Informationen über die Familie. Da er noch viele Lücken in seinem Stammbaum hat, trat er dem Landesverband für Familienkunde bei.

Hier bekommt er Hilfe von Wolfgang Gerauer, der im Verein für die Region Niederbayern zuständig ist und zu den „alten Hasen“ auf diesem Gebiet gehört. Wie geht man bei der Forschung vor? Der Passauer rät seinen Neulingen zuerst den Gang zu Eltern bzw. Großeltern, ganz traditionell. „Die direkten Verwandten wissen oft eine Menge Hilfreiches.“ Weiter führt die Recherche dann im Idealfall über Standesämter, Staatsarchive oder Kirchenbücher. Zusätzlich hilft das Netzwerk des Vereins. Regelmäßig finden Stammtische in Niederbayern statt, die einen Austausch der Mitglieder ermöglichen. „Immer wieder trifft man da Menschen, die man noch nie gesehen hat und die trotzdem über viele Ecken mit einem verwandt sind“, erklärt Gerauer den Vorteil.

Die anderen Familienforscher haben manche Überraschung parat: „Du hast aber eine schöne Verwandtschaft“, ist der Rentner eines Tages beim Stammtisch von seinen Forscher-Freunden begrüßt worden. Sie hatten zu Tage gebracht, dass ein Raubmörder namens Gerauer bei der letzten Hinrichtung in Passau sein Leben lassen musste. „Daraufhin habe ich sofort Nachforschungen angestellt und bin zu dem freudigen Ergebnis gekommen, dass dieser Kriminelle nicht mit mir verwandt ist“, erzählt Gerauer erleichtert.

Eine immer wichtiger werdene Funktion in der Ahnenforschung ist das Internet − denn auch die Ahnenforschung ist im 21. Jahrhundert angekommen. Kalte, dunkle und staubige Räume, in denen Genealogen Stund’ um Stund’ zwischen meterhohen Stapeln alter Schriftstücke ausharren − dieses Bild gehört in der Regel der Vergangenheit an. Das Internet hat sich als wahres Paradies für Ahnenforscher entpuppt. Diverse Internetportale und -foren sorgen für besseren Informationsfluss. „Die Suche nach der Vergangenheit wurde dank der modernen Technik weitaus einfacher“, sagt Gerauer.

Heute findet man die Kirchenbücher aller katholischen Pfarreien in Passau und dem Bayerischen Wald von Überlieferungsbeginn um 1600 bis ins Jahr 1890 online − die jüngere Vergangenheit darf aufgrund des Datenschutzes nicht preisgegeben werden.

Die digitale Erfassung im Archiv findet auf zwei Arten statt. „Erstens speichern wir die Informationen aus den Matrikelbüchern in eine extra dafür konzipierte Datenbank“, erklärt der Archivdirektor, Dr. Herbert Wurster, „zum Zweiten scannen wir alle Buchseiten ein.“ Damit ist Passau Vorreiter auf diesem Gebiet. In Regensburg zum Beispiel arbeitet das Archiv noch mit der Technik des Mikrofishs, analogen Abbildungen von gedruckten Vorlagen. Darauf ist die alte Schrift teilweise schlecht zu lesen, „oft sogar noch schlechter als in den alten Büchern“, betont Wurster. Die moderne Variante im Internet ist hingegen ein wahrer Gewinn für die Ahnenforschung. „Man kann die Farbkontraste der Schrift schärfen, die Buchstaben zoomen. Außerdem werden die Bücher geschont.“

Da bis heute nicht der gesamte Bestand online verfügbar ist, bleibt stundenlanges Stöbern in den Besucherräumen der Archive nicht aus. „Das ist ein mühsames Hobby“, hat auch Neuling Riesinger bereits festgestellt. Wie kommt man zu einem solch anstrengenden Hobby? „Am Anfang steht oft ein ganz bestimmter Anlass“, weiß Gerauer vom BLF. Man möchte z. B. wissen was der Großvater im zweiten Weltkrieg erlebt hat. „Aber dann entdeckt man immer mehr Details und es lässt einen nicht mehr los.“ Besonders die Sozialstrukturen der früheren Generationen seien sehr interessant:„Familienkunde weitet den Blick“ „Man lernt eine Menge über das Leben damals und stößt auf spektakuläre Ereignisse.“ Der freiberufliche Genealoge Tobias Weber, der an der digitalen Erfassung der Kirchenbücher beteiligt war, kann dies unterstreichen. Bei Nachforschungen im Altöttinger Raum hat er Kurioses festgestellt: „Schon vor 300 Jahren kam es vor, dass Männer den Nachnamen ihrer Frau angenommen haben − fortschrittlich für damalige Verhältnisse.

Lange Zeit haftete der Genealogie ein schlechter Beigeschmack an. „Die Nationalsozialisten haben die Forschung missbraucht, um ihre Rassenlehre zu propagieren“, bestätigt der Archivdirektor. Diese Fehlinterpretation habe mit dem eigentlichen Ziel jedoch nichts zu tun. „Ahnenforschung bedeutet Suchen − nach der Familiengeschichte und den eigenen Wurzeln.

Quelle: Passauer Neue Presse

Kommentare (1) Trackbacks (0)
  1. Verlange nichts von anderen,
    was Du nicht selbst bereit
    bist zu geben. Tollen Mittwoch ,,,Merci

Kommentar schreiben

Abschicken

Bitte Ihren Kommentar schreiben
Bitte geben Sie Ihren Namen ein
Bitte geben Sie Ihre Email-Adresse ein

Noch keine Trackbacks.

Über uns  |  Datenschutz  |  Weiterempfehlen  |  Support  |  Sitemap
Copyright © 2014 MyHeritage Ltd., Alle Rechte vorbehalten