28    Feb 20110 Kommentare

Restauriertes Saalbuch von 1740 aus Scharrenstetten in Baden-Württemberg

Das Saalbuch (Salbuch) von Scharrenstetten hat einen Weg hinter sich, wie viele alte Bücher. Erst wurde es auf einem Dachboden gelagert, dann wurde es zufällig bei Aufräumarbeiten gefunden, der Wert wurde erkannt, es wurde restauriert und nun wird es ausgestellt und steht der Forschung zur Verfügung.

Ein Salbuch ist ein Güterverzeichnis bzw ein Verzeichnis der Besitzrechte, dass es seit der Zeit des Mittelalters gibt.

In einer Vitrine in der Bankfiliale liegt ein bedeutendes Stück Scharenstetter Ortsgeschichte. Allerdings nur vier Wochen lang, dann muss das Saalbuch ins wohl temperierte Archiv zurück. Immerhin wird dem Dokument jetzt die gebührende Aufmerksamkeit zuteil, nachdem es jahrelang auf der Bühne des Rathauses ein Schattendasein geführt hatte. Staub, Hitze und Kälte hatten dem Saalbuch zugesetzt, Wasser hat Spuren hinterlassen.

Es war der frühere Ortsvorsteher Adolf Knorr, der die Hobby-Historikerin Inge Schmid auf das im Jahr 2001 wiederentdeckte Saalbuch hingewiesen hatte. Der Mitautorin des Scharenstetter Familienbuchs wurde es zu einer willkommenen und wichtigen Quelle: "Hier fand ich alles, wonach ich gesucht hatte." Zum Beispiel, wie Scharenstetten im Jahr 1396 von der Helfensteiner Herrschaft an die Freie Reichsstadt Ulm überging. Den Urkundentext hatte ein Landrenovator Krebss ins Saalbuch übertragen.

Von der Bedeutung des Saalbuchs überzeugt, schlug Schmid dessen Restaurierung vor. Vor etwa einem Jahr, als sie den Festvortrag zur Eröffnung des Scharenstetter 750-Jahr-Jubiläums hielt, stellte sie ihr Honorar als Grundstock zur Verfügung. Auch die Gemeinde Dornstadt und der Alb-Donau-Kreis beteiligten sich, dazu konnten einige Sponsoren gewonnen werden. Bald waren 3350 Euro zusammen. Die Restaurierung des Saalbuchs hat dann 2000 Euro gekostet, so dass der Ulmer Buchrestaurator Andreas Schäffler sich noch um einen zweiten historischen Band aus Scharenstetten kümmern konnte: "Des Dorffs Scharenstötten Protokoll" (von 1614 bis 1707).

Das Saalbuch "stellt einen bedeutenden Teil der Ortsgeschichte dar und ist sehr schön restauriert worden", sagt der Blausteiner Archivar Manfred Kindl, der auch für Dornstadt und dessen Teilorte zuständig ist. Restaurator Schäffler musste zunächst die Ausbreitung der Schimmelsporen stoppen, dann folgte die sanfte Reinigung. Schadhafte Stellen wurden gesichert. Nur wenn nötig, hat Schäffler fehlende Stellen ergänzt. Das Saalbuch sollte möglichst original erhalten bleiben. 37 Stunden hat Schäffler für den schweren, in Leder gebundenen Band aufgewendet, der nun am besten bei 20 Grad Raumtemperatur und 50 Prozent Luftfeuchtigkeit aufbewahrt werden sollte. Diesen Bedingungen kommt die Volksbankfiliale schon recht nahe. Im Dornstadter Archiv wird es dann so aufbewahrt, dass auch kommende Historiker-Generationen einen Blick in die Scharenstetter Geschichte werfen können.

Quelle: Südwest Presse

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