17    Feb 20110 Kommentare

Er wollte nur wissen, wie alt sein Haus ist – so fing die Forschung an

Herr Bartikowski

In der Wetterau (Hessen) liegen die "drei Seemen". Gemeint sind damit die Orte Nieder-, Mittel- und Oberseemen. Hier gibt es einen einen aktiven Arbeitskreis, der die Geschichte dieser Ortschaften erforscht, um eine Chronik zur erstellen.

Zu diesem Arbeitskreis gehört Horst Bartikowski, der Anfang der 70er Jahre ein Haus in Seemen erworben hatte und wissen wollte, wie alt es ist. So fing seine Forschung an. Schnell stellte der Schreinermeister, der fast 40 Jahre in der Bauabteilung einer Frankfurter Bank beschäftigt war, fest, dass die drei Seemen-Orte ein weißer Fleck auf der Landkarte waren, was die Aufarbeitung und Dokumentation ihrer Historie anging.  Bisher waren die Ortschaften nicht heimatgeschichtlich erforscht worden.

Also ging der passionierte Bücherliebhaber ans Werk, nutzte Kontakte aus seiner beruflichen Tätigkeit, arbeitete sich in den Computer ein. Mittlerweile füllen 30 000 Bücher die Bibliothek des Hobbyhistorikers, erworben auf Flohmärkten, im Internet oder durch Tausch. Fast seine gesamte Freizeit verbringt der Rentner schon seit vielen Jahren mit dem Studium von Akten und Urkunden und der Suche nach weiteren Zeugnissen über das Leben in den Ausläufern des Vogelsbergs.

Mittel-Seemen ist ein sehr alter Ort“, ist Bartikowski sicher. Die Fresken in der Kirche sollen aus dem zwölften Jahrhundert stammen. 1506 wurde Mittel-Seemen in einer Urkunde als Vogtei genannt, also als Sitz eines mittelalterlichen Verwaltungsbeamten. Eine Schwierigkeit bei der Suche nach Zeugnissen der Vergangenheit sei, dass die Herrschaft über die Dörfer häufig wechselte. Sie wurden verpfändet, verkauft, zurückgekauft. Dadurch sind die Unterlagen über verschiedenste Archive verstreut. Als ergiebig haben sich die Archive in Wernigerode und das gräfliche Archiv in Ortenberg erwiesen. Bartikowski ist voll des Lobes über die gute Zusammenarbeit. Denn nicht immer trifft der Heimatforscher auf Unterstützung. Probleme gibt es vor allem bei großen Archiven. „Wenn man kein Gelehrter ist und keinen Namen hat, wird man nicht ernst genommen.“ Doch entmutigen lässt sich der Heimatforscher nicht. Die bisherigen Erkenntnisse sollen Anfang 2012 als Chronik erscheinen.

Wichtig ist auch die  Aufbereitung der Kirchenbücher von Nieder-Seemen, Mittel-Seemen, Ober-Seemen und Volkartshain für eine Veröffentlichung. Das bedeutet, die Einträge zu übersetzen und lesbar zu machen. Was nicht einfach ist, denn das älteste Kirchenbuch stammt aus dem Jahr 1649. „Wie auch die Unterlagen in den Archiven fotografiere ich die Kirchenbücher und bearbeite sie am Computer“, erklärt Bartikowski. „Das ist sehr zeitaufwendig. Manchmal sitze ich Stunden an einem Wort.“ Das Problem bei den Kirchenbüchern und auch bei vielen Urkunden: Die Tinte ist häufig verblasst, einzelne Buchstaben sind nicht mehr lesbar. Bei Namen ist jeder einzelne Buchstabe wichtig. Außerdem sind die alten Aufzeichnungen handschriftlich und mit vielen Abkürzungen. Mittlerweile erhält Bartikowski Anfragen aus aller Welt, vor allem aus Russland, Amerika und Brasilien.

„Wenn ich gewusst hätte, was da alles auf mich zukommt, ich weiß nicht, ob ich dann angefangen hätte.
“, erklärt Bartikowski. Manchmal ist es ein Glück, nicht zu wissen, was einen erwartet.

Wie alt sein Haus in der Seemenbachstraße ist, das hat Bartikowski auch nach mehr als zwei Jahrzehnten Geschichtsforschung noch nicht herausgefunden.

Quelle: Kreisanzeiger

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