7    Feb 20110 Kommentare

Das Stadtmuseum Düsseldorf zeigt eine Ausstellung über die Geschichte der Düsseldorfer Frauen

Die Stadt ist weiblich heißt die aktuelle Themenausstellung im Stadtmuseum. Zusammen mit dem Frauenbüro haben die Historiker die Geschichte der Düsseldorferinnen über 500 Jahre nachvollziehbar gemacht.

Viele hübsche Augenpaare empfangen den Besucher der Ausstellung "Die Stadt ist weiblich", eindringlich blicken sie ihn genau auf Augenhöhe über die Jahrhunderte hinweg an: selbstbewusst wie die berühmte Blumenmalerin Rachel Ruysch, herausfordernd wie die Rokoko-Schönheit Elisabeth Blumhoff, voll inniger Frömmigkeit wie die türkischstämmige Ursuline Abigail oder die sich ihrer hohen Stellung bewusste Bürgermeistergattin Maria Schramm.

Doch geht es bei dem reizvollen, 500 Jahre umfassenden Bildnis-Reigen nicht um die exquisiten Porträts, die das Stadtmuseum besitzt, sondern um das Frauenleben in der Stadt. Archivalien, Briefe und Zeitdokumente belegen den Wandel vom 15. Jahrhundert bis heute. In Mittelalter und früher Neuzeit war das städtische Leben von Regeln und Normen der Stände bestimmt, in der herrschenden Adelsschicht waren Frauen Objekte der Territorial- und damit Heiratspolitik.

Bereits zu dieser Zeit gab es auch berufstätige Frauen und Unternehmerinnen: Händlerinnen, Wirtinnen oder Handwerkerwitwen, die berechtigt waren, den Betrieb des Mannes weiter zu führen. Frauen konnten das städtische Bürgerrecht erwerben und selbstständig vor Gericht auftreten. Auch Landesherrinnen wie Anna Maria Medici konnten zu einflussreichen politischen Ratgebern und Stadtplanerinnen werden. Adelsstifte und weibliche Klostergemeinschaften sorgten für Schulbildung, Krankenpflege und Armenversorgung.

Im 18. Jahrhundert entstand das idyllische Idealbild der bürgerlichen Familie, in der die Frau als Gattin und Mutter die Familie umsorgt und ein gemütliches Heim schafft, während der Mann als Alleinverdiener fungiert. Die mit der Aufklärung aufkommende Idee der Gleichstellung konnte sich nicht durchsetzen. Im 19. Jahrhundert waren Frauen von der politischen Mitgestaltung ausgeschlossen, hatten nur in sozialen Bereichen Möglichkeiten zum Engagement. Doch ab 1860 formierten sich innerhalb der Arbeiterbewegung auch die Frauen: In Vereinen kümmerten sie sich um Bildungs- und Erwerbschancen für Mädchen und ledige Mütter, bildeten Initiativen gegen Prostitution, Wohnungsnot oder Alkoholismus.

Ihr soziales Engagement mündete mit der Weimarer Republik in die kommunale Sozialarbeit, die heute in Europa selbstverständlich ist. 1908 wurden Frauen in Preußen erstmals zum Studium zugelassen. Nach dem Ersten Weltkrieg änderte sich das Frauenbild im öffentlichen Raum: Angestellte, Arbeiterinnen, Akademikerinnen waren die ersten modernen Frauen. Doch berufstätig blieben sie meist nur bis zur Heirat. Der Nationalsozialismus bestärkte das durch die Ideologisierung der Mutterschaft, und noch bis weit in die 1960er Jahre blieb das traditionelle Frauenbild bestehen.

Erst zehn Jahre später forderte die Emanzipationsbewegung mit der Gleichberechtigung auch die politische Mitbestimmung. So entstanden die ersten festen Strukturen nur für Frauen: Beratungsstellen, Buchläden, Cafés, Frauenparkplätze. Mit der Einrichtung der ersten Frauenbüros – in Düsseldorf 1986 – wurde auch die politische Arbeit manifestiert.

Quelle: RP-Online Foto: Flickr

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