21    Feb 2011Ein Kommentar

Das Kirchenbuchamt in Hannover – seine Geschichte und seine Aufgaben

Kirchenbuchamt

In jeder Familie sind Ereignisse wie Taufe, Hochzeit oder Begräbnis wichtig und bleiben in Erinnerung. Diese Ereignisse werden auch von der Kirche seit Jahrhunderten registriert und dies bietet heute eine unersetzliche Quelle für die Familienforschung. Fündig wird man dazu im Kirchenbuchamt, das in der Stadtkirchenkanzlei an der Hildesheimer Straße 165/167 in Hannover untergebracht ist.

Heute werden hier die Kirchenbücher der evangelisch-lutherischen Gemeinden in Hannover geführt. Taufen, Trauungen und Sterbefälle werden damit laufend verzeichnet. Für den historischen Part aber hat die Dienststelle Zugriff auf sämtliche Kirchenbücher aus dem Gebiet der Landeskirche Hannovers, die bis 1874 – vor Einführung der Standesämter – angelegt wurden.

Die Familienforscher haben hier allerdings keinen Zugriff auf Originaldokumente, sondern auf Mirkofiches, die mit Lesegeräten durchsucht werden können. Es ist hilfreich, wenn der Besucher Datum und Ort nennen kann, an dem einer seiner Ahnen geboren wurde.
Hobbyforscher bekommen eingangs eine Lesehilfe für die alte deutsche Schrift; bei Bedarf gibt es außerdem ein kleines Nachschlagewerk für spezielle Ausdrücke in Latein. Wer Glück hat, kann seine Familie bis ins späte 16. Jahrhundert zurückverfolgen.

Die echten Schätze aber lagern im Keller. Das älteste Kirchenbuch ist von 1574 und stammt aus der Aegidienkirche. Daneben reihen sich kiloschwere Folianten in den Regalen, abgeliefert von Gemeinden aus weiten Teilen des heutigen Niedersachsen. Auch einige Prominente aus der Geschichte Hannovers tauchen dabei auf. 1716 wurde zum Beispiel das Begräbnis des Philosophen Leibniz vermerkt. Und nicht zuletzt wurde 1776 und 1778 die Taufe von Luise und Friederike eingetragen, den späteren Königinnen von Preußen und Hannover

Zur Geschichte

Die eigene Geschichte dieser Institution berührt indes einen wunden Punkt: Gegründet wurde sie im Jahre 1935 und war damals eine der Stellen, die im Nationalsozialismus die Angaben für den „Ariernachweis“ lieferten.

Mit Hilfe des Kirchenbuchamts ließen sich getaufte Juden ermitteln“, erläutert die heutige Leiterin Birgit Klein. Solche Auskünfte aus der Vergangenheit konnten fatale Folgen haben: Wenn jemand jüdische Vorfahren hatte, wurde er aus der deutschen Gesellschaft ausgegrenzt, erfuhr im Alltag immer schärfere Restriktionen und hatte letztlich die Deportation und Ermordung zu befürchten.

In der jüngsten Ausgabe der Hannoverschen Geschichtsblätter hat sich Hans Otte, Leiter des landeskirchlichen Archivs in der Goethestraße, mit diesem Thema auseinandergesetzt. Schon in den zwanziger Jahren gab es demnach Bestrebungen, die Kirchenbücher wegen des wachsenden Interesses an der Familienforschung an einem Ort zu verwalten. Nach längeren Vorbereitungen war Oberlandeskirchenrat Walther Lampe am Ziel: An der Ubbenstraße im heutigen „Warmbüchenviertel“ wurde im April 1935 das neue Kirchenbuchamt eröffnet. Eine der Abteilungen war die „Sippenkanzlei“, die gleich in ihren ersten Monaten mehr als 2000 familiengeschichtliche Anfragen zu beantworten hatte.

Dass die „Ariernachweise“ letztlich zur Vernichtung von Millionen „Nichtariern“ führten, war damals noch nicht abzusehen, schreibt Otte. Er geht davon aus, dass die Überlegung der kirchlichen Mitarbeiter eher schlicht war: Sie hätten lediglich ihren Gemeindemitgliedern helfen wollen, eine vom Staat vorgegebene Verpflichtung zu erfüllen. Und auch an dem Begriff „Sippenkanzlei“ habe sich damals niemand gestört.

Das Kirchenbuchamt, das im vergangenen Jahr sein 75-jähriges Jubiläum beging, kennt inzwischen seine eigene Geschichte. In seinem Festvortrag behandelte Hans Otte ausgiebig dessen Ursprünge im Nationalsozialismus. Näheres dazu lässt sich jetzt in den Hannoverschen Geschichtsblättern, Neue Folge, Band 64, nachlesen, die im Stadtarchiv erhältlich ist.

Das Kirchenbuchamt befindet sich in der Hildesheimer Straße 165/167 und hat montags bis donnerstags von 8.30 Uhr bis 15.30 Uhr sowie freitags von 8.30 Uhr bis 12 Uhr geöffnet. Für die Benutzung wird pro Tag eine Gebühr von neun Euro erhoben. Ein halber Tag kostet fünf Euro. Eigene Recherchen des Kirchenbuchamts werden gesondert berechnet.

Quelle: Hannoversche Allgemeine

Kommentare (1) Trackbacks (0)
  1. Ich habe dort schon sehr viel herraus bekommen es ist aber sehr mühsam es macht noch mehr spass wenn man die orginalen kirchenbücher in seinen händen hält.Peter Krichbaum

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