18    Okt 20102 Kommentare

Erforschen der Familiengeschichte – Verstaubtes spannend finden

Jens Uwe Nissen aus Klixbüll in Schleswig-Holstein ist seit 35 Jahren aktiv in der Ahnen- und Familienforschung, nach seiner Meinung macht die Ahnenforschung süchtig im positiven Sinn. Vor 10 Jahren begann der heute 61-Jährige für die Probstei Südondern zu arbeiten.

Aber begonnen hat alles mit Nissens Engagement für die Geschichtsschreibung seiner Heimat. Er verfasste mit einer Gruppe Gleichgesinnter eine Dorfchronik und später beteiligte er sich auch an der Arbeitsgemeinschaft "Heimatgeschichte" am Nordfriesischen Institut in Bredstedt. Der Zufall wollte es, dass er und drei weitere Teilnehmer im Gespräch herausfanden, alle miteinander verwandt zu sein. Daraus entwickelten sie die Tauschbörse Familienforschung, die Mitte November erneut stattfinden wird. Nissen ist heute Vorsitzender der am Nord friisk Instituut angesiedelten Arbeitsgruppe für Genealogie.

Das Interesse an der Suche nach den eigenen Wurzeln war bei Nissen und seiner Frau vollends geweckt worden, als ihnen die "Nota meiner gethanen Reisen" von Rörd Knuten (1730 bis 1812), in die Hände fiel. Knuten war ein Vorfahr von Edith Jessen-Nissen. Sein Tagebuch mit Gebeten zur See, Reiseberichten und Erziehungsregeln für seine Tochter machten die Nissens neugierig. Sie brachten sich selbst das Lesen der deutschen Schrift bei, übertrugen die Erinnerungen des Föhrer Kommandeurs wortwörtlich in die lateinische Schrift und begannen zu forschen.

Für Nissen ist das Überprüfen der Daten sehr wichtig, denn auch Pastoren und Amtsschreiber können sich irren. Wenn z. B. drei gleichnamige Männer in einem Ort wohnten und zwei mit Frauen gleichen Namens verheiratet waren, können Irrtümer passieren.
Gesellschaftliche Entwicklungen müssten berücksichtigt werden, sagt Nissen. So habe der dänische König Christian VII. 1771 im Herzogtum Schleswig den festen Familiennamen (patronymische Namensbildung) eingeführt. Bis dahin sei der Nachname des Sohnes vom Vornamen des Vaters abgeleitet worden - aus Momme wurde Mommsen. Oder das zweitgeborene Kind wurde wie das verstorbene Erstgeborene benannt. Wechsel in der Zeitrechnung müssen ebenso berücksichtigt werden, wie in der Zeit der Reform des Julianischen Kalenders, der 1582 zum Gregorianischen Kalender wurde und deshalb in dem Jahr der 5. bis 14. Oktober einfach nicht stattfanden.

Wer mehr über seine Vorfahren wissen möchte, fängt am besten bei seinen nächsten Verwandten an. "Nicht suchen, fragen", rät Nissen. Dann erst in Stammbüchern, Fotoalben, Testamenten, Familien- und Ortschroniken nachschlagen. Es ist wichtig, die Bücher selbst einzusehen, betont der Klixbüller. Was bedeutet, sich alte oder ausländische Schriften und Sprachen durchaus selbst anzueignen. Wer die Kirchenbücher des damaligen Herzogtums Schleswig einsehen möchte, sollte Dänisch können. Die seien in der Nachbarsprache geführt worden.

Sind solche Hürden erst einmal genommen, nimmt die Menge der gesammelten Ahnen schnell zu. Wie gut, dass es den Computer und spezielle Programme gibt. Doch bis es soweit ist, komme der Familien-, Haus- oder Namensforscher um die Arbeit am Papier nicht herum. Von den schriftlichen Quellen werden die wenigsten zu Hause liegen. Für Nordfriesen können das Dorfmuseum Ladelund und das Landesarchiv Sønder jylland in Apenrade zur Goldgrube werden. Die Grabsteine auf den Friedhöfen sind weitere Quellen wertvoller Informationen, die der Forscher dann wie Puzzleteile aneinanderreiht.

Wird der Klixbüller bei der akribischen Durchsicht alter Schinken vielleicht doch mal ungeduldig oder empfindet er gar Langeweile? "Nein, das ist pure Neugier", antwortet er prompt und bestätigt, dass er dabei immer eine besondere Spannung empfinde.
Nissen hat sich zum Ziel gesetzt nach und nach alle Kirchenbücher Propstei Südtondern durchzuarbeiten und irgendwann ins Netz zu stellen.

Dies wird alle Ahnenforscher, die in dieser Gegend ihre Vorfahren vermuten sicherlich freuen.

Quelle: shz.de   Foto: Flickr

Kommentare (2) Trackbacks (0)
  1. Sehr geehrter Herr Nissen,
    die Vorfahren meines Mannes kommen hauptsächlich aus (Süder-)Klixbüll, aber auch Leck, Deetzbüll, Braderup, Niebüll und Leck. Wenn Sie Interesse haben, würde ich Ihnen gern den ermittelten Stammbaum zuschicken, einige Fotos besitzen wir ebenfalls. Leider wissen wir nicht, wo genau diese Vorfahren gewohnt haben (Chronik habe ich bereits gekauft), deshalb, weil 2 Höfe um 1900 herum abgebrannt sind, habe ich informationshalber auch die Feuerwehr in Leck angeschrieben. Leider konnte ich Ihre Adresse im Internet nicht finden.
    Mit besten Grüßen,
    C. Schumann
  2. Moin Herr Nissen,
    meinen Vorfahren hat es in grauer Vorzeit einmal nach Pellworm
    verschlagen. Woher sie gekommen sind ist noch nicht nachvollziehbar. In meiner Familie wurde nicht viel über die Altvorderen geredet, oder ich war damals nicht neugierig. Nun bin
    ich schon länger Rentner, aber trampel auf der Stelle. Die Ansicht der gefilmten Kirchenbücher in Niebüll half nicht weiter: eine krakeliges Süterlin und kurze zugestandene Zeit für teures Geld!
    Mein Groß-vater war Nikolaus Ludwig Nissen ( *08.12.1859 - +25.03.1933 ). Das ist alles was ich über meine Leute kenne.

    Können Sie mir einen Anstoß geben?

    Mit besten Grüßen,

    Gerhard Nissen

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