13    Sep 20102 Kommentare

Auf der Suche nach unseren Vorfahren – die Genanalyse

Die meisten von uns können Ihre Familiengeschichte über ein paar Generationen zurückverfolgen, aber sicherlich nicht Tausende Jahre in die Vergangenheit, als Europa und andere Kontinente von alten Stämmen und Völkern besiedelt wurden.

Jedes Volk, jede Sippe, jeder Mensch aber ist das Produkt einer langen genetischen Geschichte. Unter Einsatz von genetischen Analysemethoden ist die Wissenschaft heute in der Lage, die Spuren unserer frühesten menschlichen Vorfahren auch in unserem Erbgut sichtbar zu machen. Neben den Y-Chromosomen, die ausschließlich väterlicherseits weitervererbt werden und deshalb bestens für einen rein männlichen Stammbaum geeignet sind, richtet sich der wissenschaftliche Fokus immer mehr auf die Mitochondrien, die rein mütterlicherseits vererbt werden.

Mitochondrien sind winzige Organellen, Bakterien ähnlich, die seit der Frühzeit organischen Lebens die Zellen als Kraftwerke mit Energie versorgen. Sie bevölkern zu Millionen unsere Zellen und verfügen über ein eigenes Erbgut. Bei jeder neuen Generation muss das Erbgut kopiert werden, aber immer wieder kann es im Laufe der Jahrtausende zu Schreibfehlern kommen, die Mutationen genannt werden.

Seit Ende der Achtzigerjahre ist man dabei, mit Hilfe dieser Mutationen verschiedene Gruppen zu bilden. Diese werden Haplogruppen genannt und sind die Grundlage für einen verzweigten Stammbaum der gesamten Menschheit. Man berechnet die Kopierfehler, die bei der Vererbung im Erbgut auftreten, und schließt auf die Verwandtschaftsbeziehungen.

Ausgangspunkt ist dabei das Muster, das bei der ältesten gemeinsamen Vorfahrin, „Mitochondriale Eva“ genannt, die vor etwa 200.000 Jahren in Ostafrika gelebt haben muss, vorgefunden wurde. Sie war nicht die erste und einzige Frau ihrer Zeit, aber die einzige, deren genetisches Logbuch mitsamt allen Mutationen bis heute kopiert und weitergegeben wird.

Die verschiedenen Haplogruppen kennzeichneten die Forscher mit Buchstaben von Frauennamen. Die mitochondriale Eva mit ihrem Mutationsmuster begründet die Haplogruppe L, der heute alle afrikanischen Linien angehören. Darunter ist auch die L3-Haplogruppe, deren Angehörige sich auf den Weg von Afrika nach Europa machten. Die Haplogruppe U (Ursula) ist eine der ältesten der Gruppen. Sie gehört zu der Gruppe von Pionieren, die sich westwärts in den Nahen Osten wandten und den eurasischen Genpool begründeten. Europatypische Haplogruppen, die sich dann herausbildeten, sind zum Beispiel I, W, X, N. Insgesamt sind drei Zuzugswege von Afrika nach Europa bekannt. Die nördliche beginnt am Schwarzen Meer, zieht sich hoch bis zum Ural und biegt dort zum Baltikum abum entweder nach Skandinavien oder an der Ostsee entlangzuführen. Die mittlere Route folgt vom Balkan aus dem Verlauf der Donau, des Rheins und der Rhône und verbindet so ganz Mitteleuropa, während sich die südliche um Griechenland herum an den mediterranen Küstenlinien orientiert.

Immer mehr Ahnenforscher nutzen auch die Möglichkeit der Genanalyse, um ihre Forschungen zu belegen oder weiter fortzuführen. Ergänzend zur normalen Quellensuche, kann dies bestimmt sehr interessant sein.

Quelle: Osnabrücker Zeitung Foto: 3Dscience.com

Kommentare (2) Trackbacks (1)
  1. Vom Y-Chromosom bis zur europatypischen Haplogruppe lesens- und wissenswerter Blogartikel. Danke!
  2. Ein Lob aus deinem Munde! Vielen Dank.

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