16    Sep 201010 Kommentare

Ahnenforschung in der Familie Fugger vom Reh

Wenn sie sich vorstellen, liegt vielen Leuten sofort eine Frage auf der Zunge: „Fugger? Die Fugger?“ Früher hatten Matthias und Marianne Fugger aus Neu-Ulm darauf nur eine kryptische Antwort parat: „Ja, schon, irgendwie, aber ...“ Seit 2001 können sie mit Bestimmtheit sagen, dass sie mit dem schwäbischen Adelsgeschlecht verwandt sind. „Jetzt haben wir Belege.“ Über zehn Jahre hat das Ehepaar zusammen mit Markus Fugger, dem Vetter von Matthias, Ahnenforschung betrieben - nun haben sie es schwarz auf weiß: Ihre Vorfahren sind die Fugger.

Mit Reichtum und herrschaftlichen Schlössern hat das Ehepaar aus Neu-Ulm aber nicht viel am Hut. Die sind allesamt im Besitz der Fugger von der Lilie. Marianne und Matthias hingegen sind Fugger vom Reh - die zweite, wesentlich unbekanntere Linie des Geschlechts. „Dabei sind wir die ältere Linie, wir hatten unser Wappen schon elf Jahre früher, 1462“, sagt Marianne Fugger. Der Stammvater Andreas Fugger hatte sogar - ebenso wie später Jakob - den Namenszusatz „der Reiche“. Ein äußert ungeschickter Schachzug seines Sohnes Lukas sorgte aber dafür, dass es mit dem Reichtum schnell vorbei war: Er verlieh fast das gesamte Familienkapital an Maximilian I., als Pfand bekam er die belgische Stadt Leuven.

Doch zurückerhalten hat er weder sein Geld noch die Stadt - da half alles Prozessieren nichts. „Und da war das Vermögen futsch“, sagt Marianne Fugger. Von da an verloren die Fugger vom Reh an Bedeutung, galten regelrecht als Nestbeschmutzer. Einige Familienmitglieder wandten sich nach dem Bankrott ab. „Das passiert zwar heute auch in vielen Familien, aber damals ging es halt noch mehr um die Ehre.

Zwischenzeitlich glaubten Historiker sogar, dass die Reh-Linie ausgestorben sei. „Das zog sich lange Zeit wie ein roter Faden durch die Literatur.“ Dabei erwies sich die Annahme, dass es nur in Augsburg Fugger vom Reh gab, schlichtweg als falsch. Im Laufe ihrer Forschung fand Marianne Fugger heraus, dass ein Vorfahre ihres Mannes schon im 15. Jahrhundert nach Breslau ausgewandert war. Erst der Großvater von Matthias Fugger kam nach Sachsen zurück und ließ sich nach dem Zweiten Weltkrieg in Erbach nieder. Bis zu dieser Erkenntnis war es allerdings ein beschwerlicher Weg. „Wir mussten natürlich auch in Polen forschen“, sagt Marianne Fugger. Sie machten sich auf die Suche nach Geburtsurkunden und Taufeintragungen. Nach Jahren und zig Anfragen in polnischen Archiven hatten sie schließlich genug Informationen zusammen.

Seit 2007 ist das alles inklusive Stammbäumen sogar in einem Buch nachzulesen, das Marianne und Markus Fugger veröffentlicht haben. „Das haben wir vor allem für die Familie und unsere Nachfahren gemacht.“ Denn so ein Buch habe Bestand, die einzelnen Dokumente hingegen könnten verloren gehen oder vernichtet werden.

Das Buch stellt einen wichtigen Beitrag zur Fuggerforschung dar. „Wir sind natürlich keine Wissenschaftler, sondern nur Familienforscher“, sagt Marianne Fugger. Dass sie inzwischen aber sogar in „Die Fugger im Bild“, einem Buch, das die Bayerische Staatsbibliothek herausgegeben hat, als Quelle genannt werden, sei doch eine Ehre. Trotzdem gebe es noch immer offene Fragen zur Familiengeschichte - etwa ob gewisse Fugger aus Kärnten auch von der Reh-Linie abstammen. Dazu habe man bereits Material gesammelt, Ergebnisse gibt es aber noch nicht. Und zum Buch ist schon ein Ergänzungsband in Planung: 50 Seiten neue Erkenntnisse und sogar Bilder.

Quelle: Augsburger Allgemeine

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  1. Das Kapitel "Fugger vom Reh" ist in der Tat ein spannendes und interessantes - und eines, das ohne mich wohl kaum geöffnet worden wäre. Denn dass ich im Jahre 1988 mit den genealogischen Forschungen begonnen hatte und sie sich erst 1992 in die laufenden Recherchen eingeklinkt haben, wird leider von dem Ehepaar Marianne und Matthias Fugger gegenüber der Augsburger Allgemeinen nicht erwähnt. Auch gibt es nicht nur die Linie des Matthias Fugger, sondern noch zahlreiche weitere Zweige der "Fugger vom Reh", die erwähnenswert sind und deren Mitglieder in allen Teilen Deutschlands leben. Im weiteren Gegensatz zu den Aussagen von Marianne Fugger handelt es sich selbstverständlich um Untersuchungen mit wissenschaftlichem Anspruch, denn aufgrund dieser in allen einschlägigen Fachkreisen anerkannten Forschungsergebnisse wurde es mir von den Einwohnermeldebehörden gestattet, die früher in der Familie gebräuchliche Namensform "Fugger von dem Rech" wieder anzunehmen. Um eine so gravierende Änderung im Namensregister vornehmen lassen zu dürfen, bedarf es entsprechend belastbarer und mit wissenschaftlichen Methoden der Genealogie herausgearbeiteter Beweise. Es wäre sicher schön gewesen, hätte das Ehepaar aus Neu-Ulm hier ganz korrekt erzählt, wie die genealogischen Forschungen in Gang gekommen und abgelaufen sind, aber wenn man 18 Jahre lang auf dem Gebiet der historischen Hilfswissenschaft "Genealogie" tätig ist und dennoch keinen wissenschaftlichen Anspruch erhebt, kann man vielleicht nicht mehr erwarten... .

    Markus Fugger von dem Rech, Münster (Westfalen)
  2. Vielen Dank Herr Fugger vom Rech für die aufschlussreichen Ergänzungen.
  3. Einfach widerlich, wenn sich Leute Erfolge auf die Fahnen schreiben, die sie ohne den Anstoß von anderen nie erreicht hätten. Marianne Fugger hat alleine gar nichts herausgefunden, ohne Markus Fugger hätte:
    a) niemals bewiesen werden können, daß die heutigen Fugger von den Rehfuggern abstammen (Markus Fugger hat die Dissertation von Kriewen gefunden!!)
    b) der Adelstand der Fugger von dem Reh niemals belegt werden können.

    Ich jedenfalls werde nie vergessen, wie Herr Markus Fugger aus Münster unseren Stand beim Trödelmarkt in Itzehoe besucht hat, von seiner Arbeit erzählt hat und eine unglaubliche Professionalität und Einsatzbereitschaft für seine Sache zeigte!

    Rolf Mehling, Flensburg
  4. Nun nehmt mal die Schärfe raus, sicher ist Markus Fugger die Schlüsselfigur, aber alles in allem war es eine Teamleistung, das sollte man nicht vergessen! Die Neu-Ulmer sollten allerdings so fair sein und sagen, daß sie "Quereinsteiger" sind.

    Tobias Unger, Hamburg
  5. ohne worte...
  6. Kann hier nur sagen das ich stolz bin einen großen Namen zu tragen.Gruß Klaus Fugger vom Reh Titularkönig von Atlantis Vater von fünf Söhnen. Das alle zwei Jahre ein Familientreffen ,der Fugger vom Reh stattfindet ist ein verdienst von Matthias und Marianne.Hiermit möchten WIR uns bei Marianne und Matthias HERZLICH dafür bedanken.
  7. Wer ist Klaus Fugger? Wohl kaum ein Fugger aus direkter männlicher Linie (jedenfalls laut der gemachten Angaben -fünf Söhne) und damit ganz sicher nicht "Titularkönig von Atlantis"!
  8. laut meinem Wissen ist die männlichline ausgestorben der letzte nämliche fugger vom reh hatte nur eine Tochter
  9. Mein Mann ist auch ein geb. Fugger aus Kärnten in der nähe von Villach. Es würde uns auch sehr interessieren ob seine Familie Vorfahren aus der Familie " Fugger vom Reh" haben.
  10. Vielleicht hat das was mit kärnten zu tun:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Fuggerau

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