23    Jul 20100 Kommentare

Wittichenau – 760 Jahre Nachbarschaft zu Böhmen

Wittichenau ist eine sächsische Kleinstadt in der Oberlausitz. In der Lausitz gibt es einen sorbischen und einen slawischstämmigen Bevölkerungsanteil. Der Autor des Buches „Wittichenau und die Länder der böhmischen Krone - Geschichte einer Nachbarschaft über 760 Jahre“  Arold Spruck, hat mit der Erforschung seiner Familie begonnen und dies führte zu einer umfangreichen geschichtlichen Darstellung einer Nachbarschaft über Grenzen, Sprach- und Volksgruppen hinweg.

Unter den Vorfahren von Spruck befinden sich vor allem Handwerker und Theologen, daher beschäftigte er sich auch mit der Stellung der katholischen Kirche in der Lausitz und im damaligen Böhmen. Es gab hier vielfältige Verflechtungen.

Der Autor befasst sich auch mit der Geschichte der Lausitz wie auch des damaligen Österreich-Ungarn, zu dem Böhmen gehörte. Er stellt seine Forschung in einen größeren Zusammenhang schlägt einen Bogen durch die Jahrhunderte.
Sprucks forschte in Pfarreien und im Diözesanarchiv Bautzen, im Institut für Böhmische Geschichte der Karlsuniversität Prag und in Kommunalarchiven.  Als besonders hilfreich erwies sich die Bibliothek „Haus Königstein“ in Geiß-Nidda als Institut zur Kirchengeschichte Böhmens, Mährens und Schlesiens mit vielen relevanten Büchern zu Sprucks Thema, die längst vergriffen sind. Der Text beginnt mit der Gründungsurkunde des noch heute bestehenden Zisterzienserinnenklosters Marienstern 1248 „bei einem gewissen Dorfe namens Wittichenau“ und gibt einen Ausblick bis zur Wahl des katholischen Sorben Stanislaw Tillich zum sächsischen Ministerpräsidenten 2008.

Bei aller genauen Dokumentation spiegelt Sprucks Text Zeitkolorit. Fromme Klostergründer tauchen auf und künstlerisch interessierte Nonnen als Mäzeninnen, Goldmacher und Räuber. Auch die Gefährdung solcher Grenzlandschaften wird deutlich, etwa die Schrecken der Hussitenkriege, die ihrerseits die Reaktion auf einen schweren Rechtsbruch waren, auf die Verbrennung des religiösen Führers Jahn Hus auf dem Konzil von Konstanz trotz der Zusicherung freien Geleits. Die einstigen unversöhnlichen Feinde aus Glaubensgründen sind längst Partner im ökumenischen Dialog geworden. So ist Sprucks Buch eine Gemeinschaftsausgabe der Institutes für Kirchengeschichte in Böhmen, Mähren, Schlesien und der Schriftenreihe Deus et gentes der Hus-Fakultät der Universität Prag, deren Dekan Professor Jan Lásek im Vorwort geschrieben hat: „Möge das Buch viele Europäer zu weiteren Forschungen anregen, die uns zeigen, wie eng verbunden unsere Länder waren, ehe blinder Nationalismus Barrieren aufrichtete“.

Das Buch“ Wittichenau und die Länder der böhmischen Krone“ erschien im Gerhard Hess Verlag und hat die ISBN-Nummer 978-3-87336-928-3.

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